Es ist so. Ich war unterwegs. Mit Otto. Wir sind mit dem Zug gefahren. Ein bisschen Notarzt-Chaos, ein bisschen Hitze, ein bisschen Anschlusszugssprinten. Das stört Otto nicht weiter. Otto ist unglaublich. Sie beschäftigt sich die erste Stunde im Zug mit einer Breze, eine Papiertüte, zwei Servietten und der Schwerkraft. Auf ihrem Sitz. Eine weitere Stunde schläft sie. Eine dritte guckt sie den Hund hinter uns an oder klopft ans Fenster. Die Rückfahrt am nächsten Tag verläuft ähnlich spektakulär, nur minus Bahnchaos. Plus Beschäftigung mit der eigenen Trinkflasche und meiner Nase. Würden sich Zwack und Strizzi so aufführen, machte ich mir ernsthaft Sorgen.

Zwack und Strizzi übernachten bei den Großeltern. In der nächsten Nacht kommen wir zurück. Gegen halb sechs kriecht Zwack in mein Bett und erzählt, was er in den letzten zwei Tagen gegessen hat. Germknödel, der so groß war, dass er ihn nicht geschafft hat. Gummibärchen als Abendbrot-Nachtisch. Joghurt mit Erdbeerstückchen, weil Oma nicht mehr so viele Erdbeeren hatte. Dass Oma und Opa erzählt hätten, in Schweinfurt hätten sie mal ein Schnitzel gegessen, das SOOOO GROSS war. SOOOO! Und dass sie es gar nicht ganz hätten essen können. Dass es so viele Pommes gewesen wären, dass nichtmal der Strizzi sie hätte essen können. SO VIELE! SOOO GROSS! Und ob wir mal in Schweinfurt Urlaub machen könnten.

Als Strizzi aufwacht und mich sieht, sagt er: nix. Er guckt. Kuschelt sich auf meinen Schoß. Offensichtlich kuschle ich auch sein Knie. MAMA! Da habe er ein neues! schlimmes! Aua! Dann schaut er auf seine Füße und zeigt mir, wo man seinen Nagellack ausbessern müsse. Strizzi trägt gerade roten Nagellack. Erzählt bekommt Otto. Später. Die kann nix erzählen, zieht ihre Brüder aber voller Wiedersehensbegeisterung an Haaren und Nase und juchzt und törötörötörö.

Als alles Wichtige gesagt ist, machen wir Frühstück.

Es ist so. Zwei Fragen. Sind sie beeindruckt, wenn Dreijährige schwierige Sätze sagen, zum Beispiel „Er bleibt ruhig und konzentriert“? Ja? Finden Sie es rührend bis entzückend, wenn Dreijährige Faxgeräte kennen? Ja? Lassen Sie mich raten: Sie haben keine Kinder, die sich sonderlich für Feuerwehr interessieren.

Der Zwack wollte gerne ein Faxgerät zum Geburtstag. Grund war der Held, der „ruhig und konzentriert“ bleibt. [Einschub: als ich das das erste Mal hörte, vermutete ich den armseligen Versuch, Jungs mittels eines Liedes ruhigstellen zu wollen. Wäre es nur sowas gewesen!]
Der Held. Feuerwehrmann Sam. Gegen ihn ist Conni eine Revoluzzerin. Sam, Held von nebenan, Retter in der Not. Ich weiß, er wurde erfunden von Feuerwehrmännern. Brandprävention für Kinder. Kinder, wenn es brennt, wählt den Notruf! In der Serie wählt niemand den Notruf, alle rufen Feuerwehrmann Sam. Dann piepst es in der Feuerwache, Hauptfeuerwehrmann Steele trottet zum Faxgerät (!), der Alarm geht los und ab zum Einsatz.
Ehrenwerte Idee hin oder her, Feuerwehrmann Sam nervt.

Jetzt aber. Zwack und Strizzi sind große Fans von Feuerwehrmann Sam. Der nervt überhaupt nicht. Er bleibt ruhig und konzentriert. Er löscht jeden Brand! Dafür ist er bekannt! Was immer Dich bedroht, Sam hilft Dir in der Not! Noch besser als Sam findet Zwack Tom. Den mit dem Hubschrauber. Strizzi steht auf Penny. Vor Kurzem habe ich mich breitschlagen lassen und erstand eine CD. Vier Folgen Feuerwehrmann Sam. Zwack und Strizzi saßen eine Stunde in trauter Zweisamkeit im Kinderzimmer vor dem CD-Player.
Zwack hörte den ganzen Nachmittag die CD. Strizzi fing an, mit dem Rutschauto diverse Notfälle in unserer Wohnung zu bearbeiten. Derer gibt es genug! Ich lege Wäsche zusammen, auf einmal raunt mir Strizzi beruhigend ins Ohr. „Komm, kleines Kätzchen, komm, ich bring Dich wieder runter. Du musst keine Angst haben. Komm zu mir.“ Kinderarme schlingen sich um mich, es folgen ein paar technische Geräusche. „So, hier bist Du wieder unten. Ich hab Dich gerettet. Tschüs, kleines Kätzchen!“ Iuuuiuuuiuuu. Wäre Feuerwehrmann Sam SO, ich wäre auch verliebt. Aber so ist nur Feuerwehrmann Strizzi.

Als Strizzi sogar nachts im Schlaf noch Notrufe absetzte, kassierten wir  die CD. Strizzi hat uns eine geschlagene Stunde angebrüllt. Als es klingelte, hatte ich Angst, jemand habe einen Notruf gewählt und Feuerwehrmann Sam stehe vor der Tür, um mir großväterlich zu erklären, wie ich meine Kinder zu erziehen habe. Und fragen Sie nicht, wie viele Diskussionen Zwack beim Lagerfeuer letztes Wochenende erstmal führen musste, bevor er anfing, drin rumzustochern.

Aber tatsächlich. Besserwisser Sam hat gut Seiten. Otto tanzt grinsend zum Titellied, Zwack und Strizzi spielen einen Einsatz nach dem anderen. „Notfall am silbernen Luftballon! Zwack, wir brauchen den Hubschrauber!“ – „Feuerwehrmann Strizzi! Einsatz unter der Heizung! Bitte kommen!“ Iuuuiuuu! Ich werde nur manchmal als Otto-Räum-Kommando benötigt. In der Zwischenzeit kann ich Texte schreiben. Diesen hier zum Beispiel. Ruhig und konzentriert.

 

 

[Der Zwack bekam kein Faxgerät zum Geburtstag. Aber WalkieTalkies. Die gibt’s nämlich auch immer noch. Und sehen sehr wichtig nach Notruf aus. Ende.]

 

 

Es ist so. Es wird gebacken. Die Küchenmaschine rotiert, Herr Kugel rotiert um die Küchenmaschine, Zwack und Strizzi jonglieren die Zutaten und Otto zerrt an Herrn Kugels Hosenbein, weil sie von da unten nix sieht. Ein Geburtstagskuchen muss her, ich schmelze am nächsten Tag die Schokolade dafür. Und dann. Landen in liebevoller Kleinarbeit je ein Päckchen Gummibärchen und Smarties in der Schokolade. Und in die Mitte malt der Zwack mit Zuckerschrift „ganz viel Glück“. In bunt.
Strizzi sucht Blumen im Supermarkt aus, weil das auf dem Weg liegt. Und weil auch ein Freund vom Zwack auf dem Weg liegt und Eis verschenkt, essen wir Eis. Otto isst in der Zwischenzeit die Geburtstagsblumen und als wir ihr die Reste wegnehmen, lässt sie sich nur widerwillig mit türkischer Pizza trösten.

Wir decken den Geburtstagstisch, stecken Kerzen in den Kuchen, packen gemalte Bilder ein. Was ich mir eigentlich wünschte, fragt Strizzi. Ich rede wahrscheinlich irgendwas über Gesundheit und gesunde Kinder, er unterbricht mich, Nein, was Richtiges müsse man sich wünschen, Kochsachen oder sowas. KOCHSACHEN. Aber gut, er meint es lieb, das weiß ich. Tatsächlich wünscht sich ja der Zwack einen Grill. Für mich. Für sich. Für den Balkon jedenfalls. Und für Würschtl.

Welches Lied sie eigentlich singen sollten, überlegt er noch. Es fällt ihm aber kein Geburtstagslied mit Sirenen ein und tatsächlich lassen sie es am nächsten Morgen dann auch bleiben, das Singen. Es wäre auch ein wenig früh, aber für Kuchen genau richtig. Sie pusten die Kerzen aus und dann Gummibärchen und Smarties in Schokolade zum Frühstück. Auf den Bildern sind eine Feuerwehrwache und ein Traktor, der vor dem Einpacken noch ein Schneckenhaus war und am Nachmittag ein Vulkan werden wird.

Ich verbringe den Vormittag mit Wald und Berg und See, hole die Kinder ab, noch mehr Kuchen. Dann pflanzen wir Sonnenblumen auf dem Balkon, Strizzi duscht von oben Fußgänger. Zwack erfindet für mich eine Geschichte von Darth Vader und Prinzessin Lillifee auf einem Schleimplaneten. Otto isst Balkonblumen und Blätter, kriegt dann aber seltenen Ärger, als sie Strizzis Stocksammlung annagt.

Abends lassen wir uns Essen bringen, Gulasch und Schnitzel und Salat und Kaiserschmarrn, meine Schwester kommt und bringt Blumen vom Mittelstreifen mit. Wir trinken Wein und lesen den Kindern vor, bis sie ins Bett fallen. Strizzi wünscht sich vor dem Einschlafen noch, mit mir in Urlaub zu fahren. Alleine.
Mit Otto.
Und Zwack.
Und Papa.
Nur wir. Alleine!

Ein herrlich unaufgeregter, wunderschöner Tag. Endlich vorbei, findet der Zwack leise, denn der nächste Geburtstag ist seiner. Bald. Und er hat nun einen neuen Wunsch, doch keinen Grill, sondern ein Faxgerät.

Ja, der Zwack wünscht sich ein Faxgerät. Er sagt das auch so. Faxgerät. Es klingt ganz wunderbar und geheimnisvoll und wichtig und ich habe den Verdacht, dass ich hierzu mal eine Geschichte schreiben sollte. Die faxe ich Ihnen dann. Oder Prinzessin Lillifee.

Es ist so. Irgendwann hatte ich aufgehört, den Leuten von unseren Urlaubsplänen zu erzählen. Es gab zwei Reaktionen. Die eine in etwa, Wir seien ja wohl nicht ganz dicht, das sei kein Urlaub, ob wir uns sicher seien, mit drei Kindern, im Auto und dann Sizilien, bei aller Liebe, ihr habt sie doch nicht alle, vier Wochen hin oder her. Das war mir zu blöd und machte mich nervös. Dabei:  wofür gibt’s denn diese Familienkarren, von denen ich vor Kurzem eine – unsere – zielsicher gegen den Betonpfeiler in der Tiefgarage gesetzt habe. Mehr italientauglich geht ja wohl kaum.

Die andere Variante war skeptisch-interessiert, aber mit Details zu Unterkünften und Reiseroute konnte ich bis kurz vor Abfahrt nicht dienen.  Das machte mich auch nervös. Immerhin, wir wussten den Startzeitpunkt. Eine Hüttenübernachtung, bei der Freunde ihren Geburtstag feiern wollten.

Dann der Gardasee – logisch, schließlich sind wir aus München. Und dann, weil wir schon mal da waren, übernachteten wir bei Rom. Irgendwo zwischen zwei Betonwerken am Straßenstrich links im Pinienhain. Zwack spielte mit den Hunden, Strizzi sammelte Steinchen. Der erste Auffahrunfall, die ersten alten Steine, Rom, Berge, Rom, Pizza. Das Kolosseum enttäuschte den Zwack ein bissl, hatte er sich größer vorgestellt. Das Polizeiaufgebot (nach London und rund um das Jubiläum der Römischen Verträge) hingegen beeindruckte ihn sehr.

Während der Autofahrten dichtete Strizzi Unfalllieder („Der Notarzt kommt nicht/ er muss nach Hause/ Die Sirene geht/ DAUDAUDAUDAU!!!“) und reflektierte das Erlebte. „Ein Unfall! Ein Ijod ist auf unser Auto gefahren! IJOD IJOD IJOD! Aber wir haben eine echt gute Stoßstange! Ijoooood! DAUDAUDAU!“

Seit vorgestern sind wir in Sizilien. Auf Sizilien? Egal. Am Meer. Das war eines der beiden Unterkunftskriterien: Meer. Waschmaschine. Und jetzt sitze ich hier, blicke auf das Meer, das sich hinter unserem Wäscheständer heranrollt. Wir haben eine Art Panoramafenster vor dem Meer. Jeder außer mir ist schon dagegen geknallt und hat sich eine Beule geholt. Meine Beule ist von der Dunstabzugshaube. Strizzis Beulen sind außerdem vom Rollern, Ausdembettfallen, dem Treppengeländer, dem Tisch, dem Sideboard. (Tim besteht darauf, dass ich schreibe, wie und wieso er sich eine Beule zugezogen hat. Aber das ist eine andere Geschichte.)

Meer ist ganz schön laut. Die ganze Nacht, den ganzen Tag. Aber das macht nichts, wir wohnen über der Strandbar. Sie ist – im Gegensatz zum Strand – ab sechs Uhr morgens gut besucht und billig. Wir haben zwei Tage versucht, nicht durch die Gegend zu fahren. Ganz schön anstrengend. Heute war ich vor allem damit beschäftigt, aufzupassen, dass Otto nicht die Schnecken isst, die Strizzi aus dem Kaktusgarten pflückt, außerdem damit, dass sich Strizzi keine Beule beim Schneckensammeln im Kaktusgarten holt und damit, dass er dem Zwack keine Beule mit einem Kaktus verpasst. (Mit einer Schnecke wär‘s mir egal gewesen.) Da kommt einem eine Strandbar gerade recht.

Morgen fahren wir endlich wieder durch die Gegend. Wenn niemand unser Auto klaut. Oder unsere Autoreifen aufsticht. Oder sonstwas. Aber das wird nicht passieren. Und selbst wenn es mir einmal so vorkommen sollte, als sähe unser Auto irgendwie seltsam aus, morgens um fünf, dann sag ich nix. Sonst holt sich Tim noch eine Beule vor lauter Dings.

Schön isses, soweit.

 

Es ist so. Quality Time. Haben Sie bestimmt schon gehört, es geistert irgendwo zwischen Vereinbarkeit und Helikoptern durch die Feuilletons und über die Spielplätze. Spielplätze – ein Hort der Quality Time. Quality Time, so die These: nicht die Menge der Zeit ist entscheidend, die man mit den eigenen Kindern verbringt, sondern die Intensität, die Qualität also. Quality, verstehn S‘.

Jetzt ist die Frage von Qualität ja auch immer eine Frage der Möglichkeit, Window of Opportunity for Quality, quasi. Also: wann kann denn diese Quality Time überhaupt stattfinden. Und ich fürchte, hier haben meine Kinder und ich unterschiedliche Auffassungen. Strizzi läutet derzeit das Window of Opportunity for Quality morgens um fünf ein. „MAAAAMAAAA! MAAAAAAAAAAAAMAAAAAAAAAAAAAA!“ tönt es aus dem Kinderzimmer. Wenn der Zwack nicht auch wach werden soll, tue ich gut daran, zu Strizzi ins Bett zu kriechen. „Ich mag Frühstück!“ Ja, eigentlich sprechen unsere Kinder mit „bitte“ und „danke“. Aber morgens um fünf ein „Wie heißt das?“ erzieherisch zu entgegnen, bringt mir nix. Außer einem hörbar verständnislos dreinschauenden Strizzi, der auf „Wie heißt das?“ lauthals und schlecht gelaunt „FRÜHSTÜCK! Oh Mann! FRÜÜÜHSTÜÜÜCK!“ antwortet.
Beim Abendessen finde ich sowas lustig. Morgens weniger. Aber weil ich bisher versäumt habe, ihm sein Frühstück so vorzuportionieren, dass er es selbst zusammenschütten kann, mache ich also Frühstück. Mit gestreiftem Löffel, eh klar. Außerdem sitzt er eh nicht gern alleine am Frühstückstisch. Sondern unterhält sich mehr oder weniger gut gelaunt. Quality Time. Wenigstens quatscht er weniger als der Zwack, der morgens gerne mal erörtert, ob man ein Feuer jetzt auspieseln kann oder nicht und wenn ja, wie. Und ob es auf dem Mars U-Boote gibt. Wenn Strizzi sich lustig unterhalten will, rülpst er erstmal kichernd. Oder weist mich darauf hin, dass draußen eine Pupsmöhre vorbeiflöge. Hihihihihi.

Egal. Sie fragen sich, wieso ich mich nicht einfach wieder ins Bett lege, spätestens, wenn der Zwack auch Frühstück hat. Habe ich versucht. Es ist aber nicht erholsam. Alle 10 Minuten brüllt es von irgendwoher oder einer kommt „ICH SAAAGS!“ angesockt. Dann lieber aufstehen. Vorlesen. LEGO bauen. U-Boote und Pupsmöhren auf dem Mars erörtern. Quality halt.
Gestern wachte Strizzi schon um viertel nach vier auf, wollte zwingend aufstehen, frühstücken und auf seine Gäste warten. Kindergeburtstagsfeier. Um sechs waren die Gäste noch immer nicht da. Meine Qualität bestand darin, Strizzi ab und zu mit einem Saftbärchen ruhig zu stellen, damit er nicht seinen Geburtstagskuchen EBEN JETZT! ALLEINE!! AUF!!!aß.

Ob natürlich eine morgenmuffelige, müde Mama überhaupt als Quality zählt oder aber Saftbärchen, weiß ich nicht. Zeit genug jedenfalls haben wir morgens und ich habe mir angewöhnt, mit den Kindern aufzustehen. Einmal haben wir morgens sogar was gebastelt. Es muss ja nicht immer Nachmittag sein.

Abends haben wir weniger Zeit. Mindestens einmal in der Woche schläft mindestens Zwack beim Abendessen ein. Will heißen, er mümmelt im Schlaf sein Käsebrot. Wir haben einen Film, in dem ich die schlafenden Kinder abwechselnd von ihren Broten abbeißen lasse. Der Film hat auch Qualität, anders. Auf dem Film sieht man übrigens auch Otto, die ausgeschlafen auf meinem Schoß sitzt und jedesmal juchzt, wenn Strizzi seinen Kopf zurückhält, kurz, bevor er in seinen Teller knallt.
Ich weiß jetzt auch nicht genau. Am Besten gehe ich jetzt schlafen. Ohne Schluss, ohne Moral, ohne Qualität, ohne nix. Wenn Sie morgens mal was basteln wollen, kommen Sie gern vorbei.

Es ist so. Ich wollte schon lange mal wieder über Essen schreiben. Eigentlich natürlich irgendwas, wo Strizzi ganze gegrillte Knoblauch-Thunfische isst. Aber das geht jetzt nicht. Weil wegen Mara. Mara geht beim Zwack in den Kindergarten, ich habe vielleicht schon von ihr erzählt, die atheistische Elfe.
Jedenfalls, Mara kommt in allen zwackschen Essens-Fragen vor. Vokabeln wie „Essen vertragen“ und Dinge wie „darf kein xy essen/ trinken“ kennt Zwack von Mara. Und jetzt sitzt Zwack beim Essen, schaut seiner dritten Dampfnudel zu, wie sie gemütlich in der Vanillesauce schwimmt und fragt, ob es stimme, dass man stürbe, wenn man zuviel esse. Das sage Mara. So eine Frage bei irgendeinem waghalsigen Kirchererbseneintopf als kreative Ich-mag-nicht-Ausrede, okay. Aber bei Dampfnudeln? Ich frage den Zwack also, ob ihm die Dampfnudeln diesmal nicht schmeckten und dass er auch einfach aufhören könne zu essen, wenn er satt sei. Nein, sagt er, Mara sage, man stürbe, wenn man zuviel esse. Ich versuche, ihm zu erklären, dass der Körper Essen brauche, weil er sonst weder Muskeln noch Energie noch sonst irgendwas Brauchbares zustande brächte. Dass es aber natürlich Essen gebe, das mehr Energie liefere und Essen, dass weniger gut Energie liefern könne. (Jaja, ich weiß. Und nein, die Dampfnudeln sind nicht aus Vollkornmehl. Aber: es gibt immer Gemüsesuppe davor.) Der Zwack überlegt und denkt und senkt eine vierte Dampfnudel in die Vanillesauce.

Das Thema war dann längere Zeit nicht mehr interessant, es ging wieder mehr um Raumschiffe und Räuber und U-Boote und Vulkane. Zwack weigert sich, mit uns in Urlaub zu fahren, weil es auf Izilien einen Vulkan gibt und er sich außerdem nicht sicher ist, was passiert, wenn die Fähre auf der Überfahrt auf ein U-Boot trifft. Oder Mama.

Und dann kommt Bertl zu Besuch und bleibt zum Abendessen, weil es zu Hause einen kreativen Eintopf  aus Hülsenfrüchten gibt und bei uns Nudeln mit Hackfleischsauce. Die Dynamik will, dass auf einmal niemand Sauce essen mag, sondern nur Nudeln mit Käse. (Nein, keine Vollkornnudeln.) Die Dynamik will auch, dass der Zwack sich einen Riesenberg Nudeln in den Mund stopft, den er kaum zu kauen vermag. Das wiederum verleitet mich, zu sagen, dass sie wahrscheinlich gleich zu Ohren wieder rauskämen, woraufhin Bertl seinen Finger in sein Ohr bohrt, um zu verkünden, dass HIER das Ohr zu Ende sei und die Nudeln deswegen nicht rauskommen könnten. Als der Zwack wieder Platz im Mund hat, röhrt er, er würde so viele Nudeln essen, weil er dann stark werde. Komm, wir essen ganz viele Nudeln, Bertl, dann werden wir gaaaanz stark!!! Oder!!!
Da guckt Bertl auf seine zweite Nudelportion ohne irgendwas mit Käse und wird ein bissl traurig. Weil das gar nicht stimme, mit dem stark werden. Weil, wenn man zuviel esse, dann würde man dick. Nein! röhrt der Zwack, man würde stark, dann verstummt er wieder einige Minuten, um den nächsten Riesenberg Nudeln zu bändigen. In dieser Zeit schaffe ich es, Bertl davon zu überzeugen, dass – zum Glück hat er diesen Wikingerpulli an – bei dieser Wikinger-Serie die dicksten Wikinger doch auch besonders stark seien. Weil, der Bertl ist nämlich gar nicht dick. Der Bertl ist vier und spielt jeden Tag nach dem Kindergarten eine Stunde Fußball. Dann reden wir endlich einfach über Wikinger.

Nach dem Essen steht der Strizzi auf, streckt seinen Bauch raus, guckt stolz und ruft, Boah, was für ein dicker Bauch das sei, der sei bestimmt auch schon vier und nicht erst fast drei! Und dass keiner so einen dicken Bauch habe wie er! Tschaka!

Jetzt hoffe ich, dass mir die Geschichte vom gegrillten Thunfisch nicht flöten geht, nur weil die Jungs auf einmal Angst vor Essen haben. Vorsichtshalber sollte es am Wochenende wieder mal Dampfnudeln geben.

Es ist so. Der Zwack interessiert sich für Nachrichten. Das ist, für die Teile, die er versteht, den Rest muss ich ihm erklären. „Wieso ‚Polizei‘, Mama?“ fragt er also und Strizzi, der sich die Technik abgeschaut hat: „Wieso ‚Menschen getötet‘, Mama?“  – „Und wieso ‚Lastwagen‘?“ Ich stehe also in der Küche und erkläre einem Viereinhalbjährigen und einem Knappdreijährigen, was in Berlin passiert ist.

Zwack interessiert sich erstmal für den Lastwagenfahrer und dann vor allem für den Diebstahl. Strizzi interessiert sich recht schnell wieder für LEGO. Dann die unvermeidliche Frage nach dem Warum. Mein Nichtwissen hilft nicht weiter. Aber warum. Warum. Warum. Ich mutmaße vorsichtig, dass der Fahrer vielleicht Deutschland doof fände. Leuchtet dem Zwack nicht ein, lachend sagt er: „Aber dann wäre er doch nicht hier!“

Oft passt die mühsam erlernte Kinderlogik nicht zur Welt. Wieso man in Syrien nicht einfach streiten könne, wer der Bestimmer sei. Da müsse man doch nicht gleich schießen.
Und dann, als ich ihm – Dank anderer Nachrichten – das Prinzip „Demokratie“ erkläre, fragt er, wieso man das in Syrien nicht auch haben könne. Sei doch einfacher und besser als zu schießen.

Die Nachrichten arbeiten im Zwack. Syrien kommt oft zur Sprache. Einmal sagt er zu einem Freund, dass in Syrien Krieg sei. Der guckt recht desinteressiert und die Mutter ein bisschen vorwurfsvoll. Es seien doch Kinder. Der Zwack spielt jetzt viel mit Lastwagen, baut welche und erfindet Dieb-Geschichten. Zwei Tage später erzählt er Strizzi noch einmal, was passiert ist. Unterbrochen von erbostem „Ich weiß, ICH WEISS, WEISS ICH! ICH WEISS!!!“ In Berlin! Der Lastwagen sollte eigentlich Stahl abladen. Ich bin überrascht, wie viele Details in diesem Kopf stecken und ein wenig besorgt. Aber anders als der Krieg in Syrien flößt ihm Berlin keine Angst ein. (Eher beschäftigt ihn die Frage, ob es in Syrien Weihnachten gäbe und ob jemand, der schießt, Geschenke vom Christkind bekäme.)

Und deswegen gehen wir kurz später auf den Christkindlmarkt. Fahren Karussell, kaufen einen Stern für Otto und gebrannte Mandeln.  Frohe Weihnachten Euch.

 

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Es ist so. Ich habe schonmal über Wut geschrieben. Und Autonomie, es ist ja Autonomie, nicht Trotz. Ich verstehe Autonomie also als Eigengesetzlichkeit und wenn man diese Eigengesetze annimmt, dann wird es auch ein wenig leichter. Der Strizzi also.

Morgens auf keinen Fall das Wasser in einen anderen Becher schütten als den, den der Zwack gerade hat. Überhaupt, das Wasser auf keinen Fall in einen falschen Becher schütten. Oder in ein Glas. Und Tee nur in die Eulentasse, aber die orange. Das ist ja einfach. Wobei: „falsch“ ist schwierig. Das ändert sich nämlich gerne spontan. Im Zweifelsfall ist alles falsch.

Müsli nur mit genügend Schokostücken, die Beliebtheitsreihenfolge der Schüsseln: erst Rennautos, dann Schafe, dann Schildkröten. Und immer immer immer den gestreiften Löffel. (Er ist von Ikea und wir haben trotzdem noch nur einen einzigen davon.) Und seit letzter Woche auf keinen Fall den Joghurt mit dem Müsli mischen, höchstens auf das Müsli draufsetzen und wenn Milch dran kommt, dann ist das Frühstück gelaufen. Bitte nicht die Serviette vergessen, ja nicht die Stühle verwechseln. Und beim Frühstück lieber nicht hingucken. „Der Swack hat mich anschaut! DAS SOLL ER NICHT!“ Zum Glück scheint derzeit keine Morgensonne in das strizzische Antlitz. DIE SOLL WEGGEHEN!

Bloß nicht versuchen, dem Strizzi das T-Shirt mit den Giraffen anzuziehen oder gar den grauen Pulli. Weil der doof ist. Und gut erspüren, ob man jetzt helfen soll beim Anziehen oder aber nicht. Abends dann andersrum und die Frage Decke oder Schlafsack immer in Richtung Decke auflösen, weil man mit dem Schlafsack nicht Rutschauto fahren kann. Auch wenn man das nachts eigentlich nicht soll.

Jetzt kann es aber vorkommen, dass der Strizzi nachts aufwacht, findet, es könnte jetzt Frühstück und Rutschauto geben und brüllt, weil niemand bereit ist, ihm den gestreiften Löffel und Schokomüsli in die Rennautoschüssel zu platzieren. Auch nicht nachts bin ich manchmal nicht dazu bereit, weil . Bisschen viel Eigengesetzlichkeit für halb sechs Uhr morgens, das alles.

Große böse Wutausbrüche. Weil die Mama nämlich doof ist. (Nur Otto kommt hier immer ganz gut weg.) Manchmal fährt Strizzi richtig große Geschütze auf. Wenn er zum Beispiel keinen weiteren allerletzten Schoko-irgendwas kriegt. Gefangen in den Eigengesetzlichkeiten des Daseins, wirft er wüst um sich: DANN GEHE ICH ALLEINE INS KINDERZIMMER! UND SPIELE NICHT! Auf meinen Hinweis, dass er im Moment ohnehin nicht in der Lage scheine zu spielen, greift er wutentbrannt irgendein herumliegendes Auto und fährt es demonstrativ zwei Zentimeter auf dem Sofakissen. DOCH!!! DOOOOCH!!! SCHOOOKOOOLADEEEE! Und natürlich: PAAAPAAA!

Irgendwann löst sich alles in Wohlgefallen und Käsebrot auf, abends haben auch die Wassergläser weniger Bedeutung. Ich glaube, Eigengesetzlichkeit macht den Strizzi müde. Und morgen ist ja ein neuer Tag, der wieder ganz eigene Gesetze hervorbringt. Aber nennen Sie es auf keinen Fall Trotz, gell!

 

Es ist so. Autofahren mit Kindern ist so eine Sache. Dabei könnte es so schön sein. Man plant die Autofahrt so, dass die Kinder spätestens auf der Autobahn einschlafen und fünf Minuten vor Ankunft wieder gut gelaunt aufwachen.

Als ich das erste Mal mit dem Zwack alleine Auto fuhr, kotzte er sofort, als ich die Rampe aus unserer Tiefgarage hochfuhr. Jetzt kommt was Lustiges: ich hielt an und ich glaube mich zu erinnern, dass ich ihn umzog. Seien Sie nachsichtig, erstes Kind, erste Autofahrt allein. Ach so – Sie finden das gar nicht lustig? Nun denn.
Es ist vieles leichter geworden, man kann mittlerweile mit Zwack und Strizzi kommunizieren. Bisweilen beschäftigen sie sich auch im Auto. Strizzi zum Beispiel baut mit Hingabe Spielzeugautostaus. Die zerfetzt es in jeder Kurve und bei jedem Anfahren, was zu großem, lautstarkem Entsetzen führt. Und dazu, dass ich vom Fahrersitz aus versuche, wenigstens das ein oder andere Auto wieder aus dem Fußraum zu angeln.

Zwack hört beim Autofahren gerne Hörspiele. Gerne öfter hintereinander das gleiche. Jetzt meine Frage: was war Ihr Negativrekord auf der Strecke München – Frankfurt? Meiner liegt bei sechseinhalb Stunden und 35 Grad. Rechnen Sie das selbst in Hörspiele um. Besser: in ein einziges Hörspiel.

Aber das ist jetzt unfair. Denn natürlich schlafen die Kinder auch beim Autofahren. Nur nie alle gleichzeitig. Zwack schläft erst jenseits der 70 km/h, aber nicht verlässlich (aber verlässlich bis zu dem Punkt, an dem er aufs Klo muss. SOFORT.). Natürlich schläft Strizzi im Stau, ist aber auf freier Strecke wach, völlig genervt von der Tatsache Kindersitz und will alle drei Minuten irgendwas, was mich zu waghalsigen Manövern verleitet. Ebenfalls selbstverständlich habe ich immer zu wenig, immer das falsche Essen dabei. Letztens habe ich sogar mein Notfall-Snickers geopfert – Strizzis Laune war ganz eindeutig ein Notfall. Es half. Bis er Snickersreste auf seiner Hand klebend bemerkte und mit dem Feuchttuch nicht abbekam. Der arme Bub.

Das einsetzende „MAMA! ES IST AUF MEINEM FINGER!“ rief Otto auf den Plan, die lautstark fand, sie habe sich jetzt lange genug rückwärts gelangweilt. (Ich stille. Ich wünschte manchmal, man könnte die Evolution ausschalten. Dann könnte ich mich nämlich trotz schreienden Babys auf etwas konzentrieren. Eine Straße zum Beispiel.)
Das wiederum nervte Strizzi, der von einem reizenden „Ruhig, Süßi-Baby“ (das hat er sich selbst ausgedacht) zu „RUUUHIIIG! ODER ICH SCHNALL MICH AB!!!“ überging, was den Zwack alarmiert aufweckte, der sich sodann mit mir über Tiefseelebewesen und Vulkane unterhalten wollte. Gleichzeitig rief die Stimme des Navis mir zu, ich hätte den sich vor mir auftürmenden Stau doch besser umfahren. (NAVIGATIONSGERÄTE! Eine ganze andere Geschichte.) Begleitmusik war nicht das Hörspiel – das hatte ich unbemerkt gekillt – sondern das sanfte *Pling* der Müdigkeitserkennung. Ich solle doch eine Pause machen. Im Stau. Scherzkeks.

Jajaja, das nächste Mal schicke ich dringend benötigtes Spielzeug und Gepäck per Kurier voraus und fahre Zug. Dann laufe ich mit den dreien die ganze Fahrzeit über durch den vollgepackten ICE und muss im Nachhinein nichtmal eine Geschichte schreiben. Das übernehmen dann alle anderen, von uns genervten Fahrgäste. Sie vielleicht. Packen Sie genug zu essen ein.

(Finden Sie es jetzt nicht auch überaus komisch, dass ich den Zwack wegen ein bisschen Kotzen auf der Rampe tatsächlich noch vor dem Mittleren Ring umzog? Nein? Immer noch nicht? Vielleicht wollen Sie mal mitfahren?)

Es ist so. Der Bauernhof ist ein schöner Ort. Einer dieser Bauernhöfe, die ihre Tiere (samt der damit verbundenen Arbeit) halten, obwohl alles ein einziges Verlustgeschäft ist. Aber ohne Tiere kein Bauernhof und ohne Bauernhof kein Bauernhofurlaub und keine Einnahmen. Nun sind unsere Kinder ja weniger tier- als traktoraffin, aber die gibt es immerhin auch. Der Rest ist recht urlaubsorientiert, der erste Hof, bei dem man sich vorstellen kann, auch mal einen Tag dort zu verbringen, nicht nur zum Schlafen nach Hause zu kommen.

Trotzdem machen wir Ausflüge. Es regnet nicht, was mich erstaunt, wahrscheinlich sind wir gar nicht im Bayerischen Wald, sondern zu weit davor. Aber ich sage nichts. Wir besuchen einen Ameisenpfad, eine Art Erlebnisspaziergang zum Thema Ameise durch den Wald. Erstellt von hiesigen Sozialpädagogen, ich denke an die Menschen, die mir hier früher begegnet sind und beiße mir schon wieder auf die Zunge. Zwack, der sonst nicht sonderlich naturverbunden scheint, klettert und springt und sucht Tannenzapfen, bis er sich an einer Station eine blutige Nase holt. Strizzi kaut auf einer harten Breze und findet alles doof. Insgesamt ein gelungener Ausflug, zum Mittagessen wollen wir in den nächsten Ort. Marktplatz, klingt gut, wir müssen schnell was essen, wegen der Stimmung.

Auf dem Marktplatz großes Spektakel, die Wahl der lokalen Weißwurstkönigin. Fangruppierungen finden sich und skandieren den Namen ihrer Favoritin, auf einer großen Bühne turnen die Alleinunterhalter das Programm von BayernPlus, alle umliegenden Wirtshäuser samt Marktplatz an sich platzen aus den Nähten. Das Publikum besteht ausnahmslos aus Rentnern. Alles in allem kein Platz für uns, Otto stellt angesichts der Geräuschkulisse sofort auf Schutzschlaf bzw. Scheintod. Wir finden einen Imbisswagen und kaufen, was es gibt: bayerischen Döner aus Pulled Pork und bayerische Burger aus gegrillter Weißwurst, wahlweise mit Honig-Senf-BBQ-Sauce oder Ketchup. Ich weiß nicht, ob das erlaubt ist. Aber es ist mir auch egal, die Herausforderung bleibt, die Jungs davon zu überzeugen, dass sie genau das jetzt essen wollen. 

Den Nachmittag verbringen wir am hofeigenen Pool, Strizzi fällt ins eiskalte Wasser und straft das Schwimmbecken für den Rest der Woche aus sicherem Abstand mit bösen Blicken. Zwack ringt mit sich und seiner Kindergartenkindehre und plumpst schließlich panisch ins Nass. Zwar ist September, aber heiß, er friert sich noch einige Mal blau im Wasser, es ist eine große Freude.

Überhaupt wirft ihn dieser Urlaub weit nach vorne. Während er vor dem Lagerfeuerabend in fünf Varianten herauszufinden sucht, ob der Rauch eines Lagerfeuers ebenso giftig sei wie der eines Zimmerbrands, grillt er dann froh sein Würschtl am geschnitzten Stock und wirft juchzend Tannenzapfen in die Flammen.

Wir fahren in den Ort meiner Oma, ich bin erstaunt, wie vertraut mir die Kurven sind, der Anblick des Waldes, die Felsen. Überraschenderweise steht das Haus noch, wie immer nordseitig eingepfercht zwischen dunklen Bäumen. Beim Kramer derselbe Geruch wie damals, nur BussiBär gibt es keinen. Alte Postkarten allerdings. Die Kirche, der Friedhof, die Glasbläserei. Wir verbringen den Tag damit, Wölfe zu suchen. Das Tier, das den beiden am Besten gefällt, ist der blinkende Bagger auf dem Spielplatz. Strizzi mampft Salzzöpfe („Fingersemmeln!“), Zwack löchert den Glasbläser mit Fragen, der froh scheint, endlich mal ein Kind in seiner Werkstatt zu haben. Wir schaffen es, nichts kaputt zu schlagen.

Das Tiermuseum, an dessen Eingang ein ausgestopfter Bär vor sich hin modert, jagt mir noch immer Grusel ein. Es scheint weiter die Sonne. Erleichtert fahren wir zurück, raus, zu den Kühen. Strizzi verbietet mir noch immer, in den Stall zu gehen, fängt aber gleichzeitig an, Kälber zu füttern. Am Ende der Woche schaufelt er den Kühen das Futter vor die Nase, Zwack bringt den Kälbern Milch und fällt nicht in Ohnmacht, als sie ihm das Ohr lecken. Er schnürt alleine zu Esel, Pony und Ziegen in den Stall. Jeden Abend sitzen wir in unserem Wintergarten und gucken Sterne. Zwack wünscht sich ein Himmelbett.

Es regnet, als wir abfahren. Und weil wir weder Kühe, Kälber, Sterne, Esel, Katzen oder Himmelbetten mitnehmen können, fließen auch ein paar Tränen. Der Bayerische Wald sei schön, seufzt der in dieser Woche unglaublich gewachsene Zwack und ich stimme ihm leise zu.