Es ist so. Ich komme überhaupt nicht mehr dazu, irgendwelche Texte zu schreiben. Genauer gesagt: ich komme überhaupt nicht mehr dazu, auch nur einen texttauglichen Gedanken zu fassen. Aber ich kann Ihnen sagen, wieso. Nehmen wir heute. Heute ist also ein Tag, an dem ein Kind krank ist. Der Zwack ist krank, der Strizzi hormongebeutelt und deswegen noch grantiger als sonst und da ist Otto. Otto findet ab fünf Uhr morgens, sie müsse auf mir schlafen. Und brüllend erwachen, wenn ich versuche, mich unter ihr davon zu stehlen. Um beispielsweise duschen zu gehen.
Ich versuche dennoch duschen zu gehen. Strizzi wird damit beauftragt, Otto nicht zu wecken und Bescheid zu geben, falls sie brülle. SCHNELL Bescheid zu geben, also idealerweise, BEVOR Otto aus dem Bett fällt. Ich gehe duschen, Strizzi stürzt ins Badezimmer. ER HABE NUN GEGUCKT, OB OTTO NOCH SCHLAFE, MAMAAAA!!!! SIE SCHLAFE!! ABER GANZ QUER IM BETT!!! Brüllt’s und nebenan fängt Otto lautstark an aufzuwachen. Nun denn. Fast fertig geduscht. Zwack murmelt irgendetwas aus seinem Bett, schlendriant aus selbigem und verkriecht sich in der LEGO-Kiste. Strizzi sucht seine Socken, findet und zieht verschiedene irgendwie an.

Ich jongliere Otto, Geschirr und Müsli. Otto scheint wach, aber nicht so wach, als dass man sie irgendwo hinsetzen könnte. Irgendwann Frühstück. Ich träume von besseren Zeiten, Zeiten, in denen ich ohne Kind auf dem Schoß beziehungsweise ohne Kind in meiner Müslischüssel mal frühstücken könne. Ja, in der Schüssel. Damit meine ich nicht den Löffel. Otto schafft es im Laufe des Frühstücks zweimal, sich eine Müslischüssel aufzusetzen. Dafür bringt sie sie anschließend auch in die Küche. Wo sie ihr ein drittes Mal auf den Kopf kippt, weil Otto einfach zu kurz ist, um die Schüssel auf die Arbeitsfläche zu stellen. Frust.
In der Zwischenzeit auch bei Strizzi Frust, wahrscheinlich lag die Zahnbürste schief. Zwack schlendriant immer noch rum, wirkt erstaunlich ausgeglichen und meditiert LEGOsteine zu einem Boot.

Oma kommt, bleibt bei Zwack, Strizzi, Otto und ich stolpern in den Schneeregen. Schneeregen und ein Kind, das nix anziehen möchte ergibt auch eine Lautstärke. Kindergarten, Kita, Tram, U-Bahn, Büro. Im Büro ist auch irgendwas, dann einkaufen, dann rückwärts die Kinder einsammeln. Zwack hat Opa einen Wunschzettel schreiben lassen und führt aus, dass das Christkind praktischerweise in seinem Kopf wohnt. Strizzi findet es unfair, dass er einen eigenen Wunschzettel basteln solle, er könne doch einfach den vom Zwack nehmen, der wolle den aber nicht hergeben. Der Doofmann sei immer so gemein. (Hören Sie einen Dreijährigen „DU DOOFMANN!!!“ brüllen und versuchen Sie, nicht zu lachen.)

Otto findet es unfair, dass ihre Brüder schneller Buchstabenkekse essen können als sie, bunkert welche mit mäßigem Erfolg, den Rest bröselt sie sich in die Haare, bevor sie selbst rücklinks in die Legokiste kippt. Schadenjuchzende Hilfeschreie aus dem Kinderzimmer. Otto rächt sich später, indem sie einige Uno-Karten verschlingt. Dies wiederum frustriert Strizzi, der sich auf den Boden wirft, statt Streicheleinheiten wird er zum Schlagzeug umfunktioniert. Und jetzt weiß er nicht, ob er das lustig finden soll, weil Otto juchzend trommelt oder ob er noch beleidigt ist wegen der Karten. Abendessen ist auch noch und Zähneputzen und Telefon und mehr Geschichten vom Christkind, der Zwack hat wohl vor Kurzem mit ihm gesprochen und noch mehr Weihnachtswünsche und gute Nacht und noch mehr von allem und am Ende hat auch Otto Fieber und findet, sie schläft nur auf mir ein.

Und weil das ein ganz normaler Tag ist und ich immer vergesse, Ohropax zu kaufen, lesen Sie hier halt leider nix.

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Es ist so. Otto ist ein erstaunliches Kind. Natürlich, alle Kinder sind erstaunlich. Auf ihre Art und Weise und in ihrer Art und Weise. Und dann sind zwei Kinder schon so erstaunlich verschieden und dann kommt das dritte und ist nochmal ganz erstaunlich anders. Eigen, im besten Wortsinne.

Wobei – das ist natürlich entweder Quatsch oder banal. Manches ist freilich recht ähnlich: die frühe Liebe zu Besteck, beispielsweise. Zwack liebte Besteck, weil er sich noch nie gerne die Finger schmutzig machte, Strizzi, weil er alles so machen wollte wie Zwack und Otto liebt Besteck, weil selbermachen. Mit Ottos Essen könnte man derzeit auch Fenster setzen, weil die Konsistenz so sein muss, dass das Essen gegen alle Gesetze der Schwerkraft am Besteck kleben bleibt. Nicht Selbermachen wird mit einem majestätischen Kopfschütteln quittiert und ausgesessen. Manchmal darf man ihr ein bisschen Bauschaum auflöffeln und den Löffel an den Tellerrand legen. Manchmal. Ein bisschen.

Selbermachen ist so eine Sache, die mit zunehmendem Alter abnimmt. Otto ist noch sehr jung. Alles selbermachen. Hilflose Versuche, sich die Schuhe und Socken anzuziehen, Pullis auszuziehen. Dinge auf- und weg- und herräumen. Den Brüdern und mir morgens Schuhe, Mützen und Jacken an die unmöglichsten Orte hinterhertragen. Wehe, die Mützen werden dann nicht aufgesetzt. Beziehungsweise – die Mützen werden aufgesetzt. Weil Otto unermüdlich Mützen durch die Wohnung schleift. „Allo! Da!“ Strizzische Wutanfälle ob des Nichtfunktionieren der Welt bleiben aus. Vorgestern verbrachte Otto eine halbe Stunde vergnügt konzentriert mit dem erfolglosen Versuch, meine Schuhe anzuziehen. Ein Fuß, anderer Fuß, beide Füße in einen Schuh, stolpern, umfallen, versuchenversuchenversuchen, Schuhe in die Badewanne werfen.
Überhaupt – Dinge ordnen. Bisweilen landet zwar das Telefon wie gewohnt in der Waschmaschine, viel öfter aber finde ich dort bereits gebügelte Wäsche, die ich zu lange nicht weggeräumt habe. Wäsche Waschmaschine. Logisch. Andere unauffindbare Wäsche knüllt sich meist aufgeräumt im Badezimmerregal zwischen die Handtücher. „Da! Ja!“
(„JA!“ halte ich für eines der seltsamsten Kinderwörter, tatsächlich.)

Was wirklich neu ist: ein Kind, das Tiere mag. Nicht im Zwackschen Sinne, dass hinter jeder Schafherde ein Traktor lauern könnte. Und auch nicht im Strizzischen Sinne, der sich schon als Baby darauf verstand, den friedlichen Kater der Nachbarn bis zur fauchenden Weißglut zu bringen und dann unschuldig wegzukrabbeln. Nein – Otto böht und mäht und waut und maut, gluckst Fische an, streichelt Tierbücher (die alle recht unbenutzt scheinen) und sitzt eine geschlagene Stunde Nachbars Kater gegenüber und grinst ihn an. „DA! Böh!“ (Die Zuordnung verschiedener Laute zu verschiedenen Tieren wurde noch nicht vom Ordnungssystem erfasst, mit Ausnahme von Schafen, Mäh. Und manchmal böh. „Böh“ ist der Universallaut für Tiere.)

Und, natürlich, das erste Wort. Alle, die bei „Wäsche“ und „Waschmaschine“ schon gezuckt haben, liegen jetzt weiter richtig. Ich habe ja schon erzählt, das Mädchen in der Familie formulierte nicht „A[u]to“ oder „[Ba]Nane“, nein, ein Verb: „DABEN!“
So wackelt sie frühmorgens in ihrem Kleinkindseemannsgang in die Küche, Schublade auf, Müslischachtel raus, raschelraschel. „ALLO! DABEN!“ (Guten Morgen, ich hätte gerne Frühstück, bitte.)
Man sollte sich dann sputen, sonst landet das Müsli in der Waschmaschine. Denn ein bisschen was hat sie von Strizzi durchaus schon gelernt. Sie sitzt dann vor der Waschmaschine, guckt so unschuldig wie Strizzi bei Nachbars Kater (dem er übrigens nun immer Leckerli kaufen will, wahrscheinlich hat er was gut zu machen) und singt. „Häbebe tuju!“
Ich tippe auf „Happy birthday to you“. Sie wissen ja, singen und Wortschatzentwicklung. Aber das ist mir in diesem Moment dann egal.

Es ist so. MONATELANG ist hier nix passiert, das stimmmt. Und zwar weniger, weil hier nix passiert, sondern eher, weil soviel passiert. Und weil wir soviel Zeit mit Urlaub verbringen.

In kurz: Zwack ist nun ein Vorschulkind. Im April waren wir bei einer vorgezogenen Schuleingangsuntersuchung, die ich ihm als ich weiß nicht mehr genau, aber als irgendwas anderes verkauft habe. Zwack wollte nämlich nicht zur Schuleingangsuntersuchung, weil er gehört hatte, dass man da ein besonders schönes Bild malen müsse. Und darauf hatte er keine Lust. Aber dann saßen wir in diesem Zimmer und Zwack musste kein Bild malen. Sondern Dinge sprechen und zählen und sowas. Nach einer halben Stunde war seine gute gelaunte Nervosität dann erschöpft und er begann wahllos zu raten. Deswegen solle ich ihn jetzt Unterhosen und Socken sortieren lassen, damit er sich auf Unterschiede konzentriert. Was soll ich sagen: bisher zieht er seine Socken immer da an, wo sie hingehören.

Unser Kinderarzt hingegen findet, Zwack müsse zur Logopädie. Damit er nicht gehänselt würde. Weil er lispele. Zwar habe er, der Kinderarzt, auch fünfmal sehr genau hinhören müssen, aber dann, doch, ein Lispeln. Ich vertage die Entscheidung darüber, weil ich mir nicht sicher bin, ob zu Hänseleien geneigte künftige Mitschüler auch fünfmal segr genau hinhören oder einfach beim ersten Mal gleich einen anderen Schwachpunkt erfinden. Was bin ich froh, noch ein Jahr zu haben, in dem nicht ständig fremde Leute mein Kind beurteilen – da bin ich ganz klassische Mutter.
Egal. Der Zwack also ist groß und die Hormone scheinen ein wenig Pause zu machen, er wirkt schier ausgeglichen. Er schnitzt gerne.

Strizzi rutscht logisch nach und ist nun Kindergartenkind. Er hängt viel bei Zwack und dessen Freunden rum, weil er die in seiner Gruppe leider langweilig findet. Leider langweilig – das sagt er so. Vielleicht müssen wir warten, bis Zwack in die Schule kommt, damit Strizzi sich eigene Freunde sucht, die er durchaus auch gerne hätte. Aber eben keine langweiligen. Sein bester Freund ist in einem anderen Kindergarten und tatsächlich alles andere als langweilig. Ich kenne wenige Kinder in diesem Alter, die so aus sich heraus witzig sind wie er.
Strizzis Hormone machen keine Pause, es schüttelt ihn regelmäßig in stampfende Wutausbrüche und wenn Zwack dann mit Argumenten kommt, muss er ihn einfach beißen. Oder treten. Dann wiederum kuschelt er stundenlang und spricht unglaubliche Dinge, die nur Dreijährige sagen können. Die Sonne zum Beispiel sei gar keine Sonne, sondern ein Propellerflugzeug, doch. Was will man da entgegnen?
Ansonsten steht er auf schnelle Fahrzeuge und will mal Motorradmann werden, eine Yacht und einen Aston Martin besitzen. (Ja, wir sind im letzten Urlaub mal durch St. Tropez gefahren.)

(Haha – ich komme mir gerade vor, wie in einem dieser Jahresrundbriefe, Sie auch? Macht nichts, ich schreibe trotzdem weiter. Bald gibts dann wieder anlassbezogene Geschichten. Toitoitoi.)

Otto wurde von Strizzi in der Kita eingewöhnt, er hat wohl recht genau kontrolliert, was in der anderen Gruppe da mit ihr gemacht wird. Die Erzieherinnen wiederum sind in erster Linie damit beschäftigt, sie einzufangen. Sie schaut sich ihre Gruppe wohl am liebsten von außen an. Ansonsten scheint ihr erstes Wort ihr Lieblingswort zu bleiben: „DABEN!“ So ist das mit den Mädchen, von Natur aus so sozial, dass das erste Wort ein Verb ist. „DABEN“ meint vor allem „ESSEN HABEN“ und während bei Zwack alle andächtig von „gut im Futter“, „stark“ und „das braucht man auch als Kleiner“ sprachen, ertönen bei Otto verhaltene Fragen, Was denn der Kinderarzt „dazu“ sage. Und man fragt sich, wieso Mädchen so schnell körperliche Komplexe entwickeln.
Otto steht auf Schafe und Hunde, böht und bellt gerne aus dem Kinderwagen heraus und kann leider mittlerweile aufs Zwacksche Stockbett klettern. Dort werden dann die Kuschels gekuschelt und von oben juchzend auf Legohäuser gepfeffert. Ihre regelmäßigen Godzilla-Besuche in Lego-City werden mit „OTTO-ALAAARM!“ abzuwenden versucht. Aber eigentlich haben sich die drei ganz gern. Was sollten sie auch ohne einander tun.

So sieht es aus bei uns und ich gelobe neue Geschichten. Wir haben uns neu eingependelt zwischen Arbeit und Kindergarten und Kita und neuer Arbeitsform von Tim und und und. Und es ist immer noch oft lustig.

Es ist so. Ich war unterwegs. Mit Otto. Wir sind mit dem Zug gefahren. Ein bisschen Notarzt-Chaos, ein bisschen Hitze, ein bisschen Anschlusszugssprinten. Das stört Otto nicht weiter. Otto ist unglaublich. Sie beschäftigt sich die erste Stunde im Zug mit einer Breze, eine Papiertüte, zwei Servietten und der Schwerkraft. Auf ihrem Sitz. Eine weitere Stunde schläft sie. Eine dritte guckt sie den Hund hinter uns an oder klopft ans Fenster. Die Rückfahrt am nächsten Tag verläuft ähnlich spektakulär, nur minus Bahnchaos. Plus Beschäftigung mit der eigenen Trinkflasche und meiner Nase. Würden sich Zwack und Strizzi so aufführen, machte ich mir ernsthaft Sorgen.

Zwack und Strizzi übernachten bei den Großeltern. In der nächsten Nacht kommen wir zurück. Gegen halb sechs kriecht Zwack in mein Bett und erzählt, was er in den letzten zwei Tagen gegessen hat. Germknödel, der so groß war, dass er ihn nicht geschafft hat. Gummibärchen als Abendbrot-Nachtisch. Joghurt mit Erdbeerstückchen, weil Oma nicht mehr so viele Erdbeeren hatte. Dass Oma und Opa erzählt hätten, in Schweinfurt hätten sie mal ein Schnitzel gegessen, das SOOOO GROSS war. SOOOO! Und dass sie es gar nicht ganz hätten essen können. Dass es so viele Pommes gewesen wären, dass nichtmal der Strizzi sie hätte essen können. SO VIELE! SOOO GROSS! Und ob wir mal in Schweinfurt Urlaub machen könnten.

Als Strizzi aufwacht und mich sieht, sagt er: nix. Er guckt. Kuschelt sich auf meinen Schoß. Offensichtlich kuschle ich auch sein Knie. MAMA! Da habe er ein neues! schlimmes! Aua! Dann schaut er auf seine Füße und zeigt mir, wo man seinen Nagellack ausbessern müsse. Strizzi trägt gerade roten Nagellack. Erzählt bekommt Otto. Später. Die kann nix erzählen, zieht ihre Brüder aber voller Wiedersehensbegeisterung an Haaren und Nase und juchzt und törötörötörö.

Als alles Wichtige gesagt ist, machen wir Frühstück.

Es ist so. Zwei Fragen. Sind sie beeindruckt, wenn Dreijährige schwierige Sätze sagen, zum Beispiel „Er bleibt ruhig und konzentriert“? Ja? Finden Sie es rührend bis entzückend, wenn Dreijährige Faxgeräte kennen? Ja? Lassen Sie mich raten: Sie haben keine Kinder, die sich sonderlich für Feuerwehr interessieren.

Der Zwack wollte gerne ein Faxgerät zum Geburtstag. Grund war der Held, der „ruhig und konzentriert“ bleibt. [Einschub: als ich das das erste Mal hörte, vermutete ich den armseligen Versuch, Jungs mittels eines Liedes ruhigstellen zu wollen. Wäre es nur sowas gewesen!]
Der Held. Feuerwehrmann Sam. Gegen ihn ist Conni eine Revoluzzerin. Sam, Held von nebenan, Retter in der Not. Ich weiß, er wurde erfunden von Feuerwehrmännern. Brandprävention für Kinder. Kinder, wenn es brennt, wählt den Notruf! In der Serie wählt niemand den Notruf, alle rufen Feuerwehrmann Sam. Dann piepst es in der Feuerwache, Hauptfeuerwehrmann Steele trottet zum Faxgerät (!), der Alarm geht los und ab zum Einsatz.
Ehrenwerte Idee hin oder her, Feuerwehrmann Sam nervt.

Jetzt aber. Zwack und Strizzi sind große Fans von Feuerwehrmann Sam. Der nervt überhaupt nicht. Er bleibt ruhig und konzentriert. Er löscht jeden Brand! Dafür ist er bekannt! Was immer Dich bedroht, Sam hilft Dir in der Not! Noch besser als Sam findet Zwack Tom. Den mit dem Hubschrauber. Strizzi steht auf Penny. Vor Kurzem habe ich mich breitschlagen lassen und erstand eine CD. Vier Folgen Feuerwehrmann Sam. Zwack und Strizzi saßen eine Stunde in trauter Zweisamkeit im Kinderzimmer vor dem CD-Player.
Zwack hörte den ganzen Nachmittag die CD. Strizzi fing an, mit dem Rutschauto diverse Notfälle in unserer Wohnung zu bearbeiten. Derer gibt es genug! Ich lege Wäsche zusammen, auf einmal raunt mir Strizzi beruhigend ins Ohr. „Komm, kleines Kätzchen, komm, ich bring Dich wieder runter. Du musst keine Angst haben. Komm zu mir.“ Kinderarme schlingen sich um mich, es folgen ein paar technische Geräusche. „So, hier bist Du wieder unten. Ich hab Dich gerettet. Tschüs, kleines Kätzchen!“ Iuuuiuuuiuuu. Wäre Feuerwehrmann Sam SO, ich wäre auch verliebt. Aber so ist nur Feuerwehrmann Strizzi.

Als Strizzi sogar nachts im Schlaf noch Notrufe absetzte, kassierten wir  die CD. Strizzi hat uns eine geschlagene Stunde angebrüllt. Als es klingelte, hatte ich Angst, jemand habe einen Notruf gewählt und Feuerwehrmann Sam stehe vor der Tür, um mir großväterlich zu erklären, wie ich meine Kinder zu erziehen habe. Und fragen Sie nicht, wie viele Diskussionen Zwack beim Lagerfeuer letztes Wochenende erstmal führen musste, bevor er anfing, drin rumzustochern.

Aber tatsächlich. Besserwisser Sam hat gut Seiten. Otto tanzt grinsend zum Titellied, Zwack und Strizzi spielen einen Einsatz nach dem anderen. „Notfall am silbernen Luftballon! Zwack, wir brauchen den Hubschrauber!“ – „Feuerwehrmann Strizzi! Einsatz unter der Heizung! Bitte kommen!“ Iuuuiuuu! Ich werde nur manchmal als Otto-Räum-Kommando benötigt. In der Zwischenzeit kann ich Texte schreiben. Diesen hier zum Beispiel. Ruhig und konzentriert.

 

 

[Der Zwack bekam kein Faxgerät zum Geburtstag. Aber WalkieTalkies. Die gibt’s nämlich auch immer noch. Und sehen sehr wichtig nach Notruf aus. Ende.]

 

 

Es ist so. Es wird gebacken. Die Küchenmaschine rotiert, Herr Kugel rotiert um die Küchenmaschine, Zwack und Strizzi jonglieren die Zutaten und Otto zerrt an Herrn Kugels Hosenbein, weil sie von da unten nix sieht. Ein Geburtstagskuchen muss her, ich schmelze am nächsten Tag die Schokolade dafür. Und dann. Landen in liebevoller Kleinarbeit je ein Päckchen Gummibärchen und Smarties in der Schokolade. Und in die Mitte malt der Zwack mit Zuckerschrift „ganz viel Glück“. In bunt.
Strizzi sucht Blumen im Supermarkt aus, weil das auf dem Weg liegt. Und weil auch ein Freund vom Zwack auf dem Weg liegt und Eis verschenkt, essen wir Eis. Otto isst in der Zwischenzeit die Geburtstagsblumen und als wir ihr die Reste wegnehmen, lässt sie sich nur widerwillig mit türkischer Pizza trösten.

Wir decken den Geburtstagstisch, stecken Kerzen in den Kuchen, packen gemalte Bilder ein. Was ich mir eigentlich wünschte, fragt Strizzi. Ich rede wahrscheinlich irgendwas über Gesundheit und gesunde Kinder, er unterbricht mich, Nein, was Richtiges müsse man sich wünschen, Kochsachen oder sowas. KOCHSACHEN. Aber gut, er meint es lieb, das weiß ich. Tatsächlich wünscht sich ja der Zwack einen Grill. Für mich. Für sich. Für den Balkon jedenfalls. Und für Würschtl.

Welches Lied sie eigentlich singen sollten, überlegt er noch. Es fällt ihm aber kein Geburtstagslied mit Sirenen ein und tatsächlich lassen sie es am nächsten Morgen dann auch bleiben, das Singen. Es wäre auch ein wenig früh, aber für Kuchen genau richtig. Sie pusten die Kerzen aus und dann Gummibärchen und Smarties in Schokolade zum Frühstück. Auf den Bildern sind eine Feuerwehrwache und ein Traktor, der vor dem Einpacken noch ein Schneckenhaus war und am Nachmittag ein Vulkan werden wird.

Ich verbringe den Vormittag mit Wald und Berg und See, hole die Kinder ab, noch mehr Kuchen. Dann pflanzen wir Sonnenblumen auf dem Balkon, Strizzi duscht von oben Fußgänger. Zwack erfindet für mich eine Geschichte von Darth Vader und Prinzessin Lillifee auf einem Schleimplaneten. Otto isst Balkonblumen und Blätter, kriegt dann aber seltenen Ärger, als sie Strizzis Stocksammlung annagt.

Abends lassen wir uns Essen bringen, Gulasch und Schnitzel und Salat und Kaiserschmarrn, meine Schwester kommt und bringt Blumen vom Mittelstreifen mit. Wir trinken Wein und lesen den Kindern vor, bis sie ins Bett fallen. Strizzi wünscht sich vor dem Einschlafen noch, mit mir in Urlaub zu fahren. Alleine.
Mit Otto.
Und Zwack.
Und Papa.
Nur wir. Alleine!

Ein herrlich unaufgeregter, wunderschöner Tag. Endlich vorbei, findet der Zwack leise, denn der nächste Geburtstag ist seiner. Bald. Und er hat nun einen neuen Wunsch, doch keinen Grill, sondern ein Faxgerät.

Ja, der Zwack wünscht sich ein Faxgerät. Er sagt das auch so. Faxgerät. Es klingt ganz wunderbar und geheimnisvoll und wichtig und ich habe den Verdacht, dass ich hierzu mal eine Geschichte schreiben sollte. Die faxe ich Ihnen dann. Oder Prinzessin Lillifee.

Es ist so. Irgendwann hatte ich aufgehört, den Leuten von unseren Urlaubsplänen zu erzählen. Es gab zwei Reaktionen. Die eine in etwa, Wir seien ja wohl nicht ganz dicht, das sei kein Urlaub, ob wir uns sicher seien, mit drei Kindern, im Auto und dann Sizilien, bei aller Liebe, ihr habt sie doch nicht alle, vier Wochen hin oder her. Das war mir zu blöd und machte mich nervös. Dabei:  wofür gibt’s denn diese Familienkarren, von denen ich vor Kurzem eine – unsere – zielsicher gegen den Betonpfeiler in der Tiefgarage gesetzt habe. Mehr italientauglich geht ja wohl kaum.

Die andere Variante war skeptisch-interessiert, aber mit Details zu Unterkünften und Reiseroute konnte ich bis kurz vor Abfahrt nicht dienen.  Das machte mich auch nervös. Immerhin, wir wussten den Startzeitpunkt. Eine Hüttenübernachtung, bei der Freunde ihren Geburtstag feiern wollten.

Dann der Gardasee – logisch, schließlich sind wir aus München. Und dann, weil wir schon mal da waren, übernachteten wir bei Rom. Irgendwo zwischen zwei Betonwerken am Straßenstrich links im Pinienhain. Zwack spielte mit den Hunden, Strizzi sammelte Steinchen. Der erste Auffahrunfall, die ersten alten Steine, Rom, Berge, Rom, Pizza. Das Kolosseum enttäuschte den Zwack ein bissl, hatte er sich größer vorgestellt. Das Polizeiaufgebot (nach London und rund um das Jubiläum der Römischen Verträge) hingegen beeindruckte ihn sehr.

Während der Autofahrten dichtete Strizzi Unfalllieder („Der Notarzt kommt nicht/ er muss nach Hause/ Die Sirene geht/ DAUDAUDAUDAU!!!“) und reflektierte das Erlebte. „Ein Unfall! Ein Ijod ist auf unser Auto gefahren! IJOD IJOD IJOD! Aber wir haben eine echt gute Stoßstange! Ijoooood! DAUDAUDAU!“

Seit vorgestern sind wir in Sizilien. Auf Sizilien? Egal. Am Meer. Das war eines der beiden Unterkunftskriterien: Meer. Waschmaschine. Und jetzt sitze ich hier, blicke auf das Meer, das sich hinter unserem Wäscheständer heranrollt. Wir haben eine Art Panoramafenster vor dem Meer. Jeder außer mir ist schon dagegen geknallt und hat sich eine Beule geholt. Meine Beule ist von der Dunstabzugshaube. Strizzis Beulen sind außerdem vom Rollern, Ausdembettfallen, dem Treppengeländer, dem Tisch, dem Sideboard. (Tim besteht darauf, dass ich schreibe, wie und wieso er sich eine Beule zugezogen hat. Aber das ist eine andere Geschichte.)

Meer ist ganz schön laut. Die ganze Nacht, den ganzen Tag. Aber das macht nichts, wir wohnen über der Strandbar. Sie ist – im Gegensatz zum Strand – ab sechs Uhr morgens gut besucht und billig. Wir haben zwei Tage versucht, nicht durch die Gegend zu fahren. Ganz schön anstrengend. Heute war ich vor allem damit beschäftigt, aufzupassen, dass Otto nicht die Schnecken isst, die Strizzi aus dem Kaktusgarten pflückt, außerdem damit, dass sich Strizzi keine Beule beim Schneckensammeln im Kaktusgarten holt und damit, dass er dem Zwack keine Beule mit einem Kaktus verpasst. (Mit einer Schnecke wär‘s mir egal gewesen.) Da kommt einem eine Strandbar gerade recht.

Morgen fahren wir endlich wieder durch die Gegend. Wenn niemand unser Auto klaut. Oder unsere Autoreifen aufsticht. Oder sonstwas. Aber das wird nicht passieren. Und selbst wenn es mir einmal so vorkommen sollte, als sähe unser Auto irgendwie seltsam aus, morgens um fünf, dann sag ich nix. Sonst holt sich Tim noch eine Beule vor lauter Dings.

Schön isses, soweit.

 

Es ist so. Quality Time. Haben Sie bestimmt schon gehört, es geistert irgendwo zwischen Vereinbarkeit und Helikoptern durch die Feuilletons und über die Spielplätze. Spielplätze – ein Hort der Quality Time. Quality Time, so die These: nicht die Menge der Zeit ist entscheidend, die man mit den eigenen Kindern verbringt, sondern die Intensität, die Qualität also. Quality, verstehn S‘.

Jetzt ist die Frage von Qualität ja auch immer eine Frage der Möglichkeit, Window of Opportunity for Quality, quasi. Also: wann kann denn diese Quality Time überhaupt stattfinden. Und ich fürchte, hier haben meine Kinder und ich unterschiedliche Auffassungen. Strizzi läutet derzeit das Window of Opportunity for Quality morgens um fünf ein. „MAAAAMAAAA! MAAAAAAAAAAAAMAAAAAAAAAAAAAA!“ tönt es aus dem Kinderzimmer. Wenn der Zwack nicht auch wach werden soll, tue ich gut daran, zu Strizzi ins Bett zu kriechen. „Ich mag Frühstück!“ Ja, eigentlich sprechen unsere Kinder mit „bitte“ und „danke“. Aber morgens um fünf ein „Wie heißt das?“ erzieherisch zu entgegnen, bringt mir nix. Außer einem hörbar verständnislos dreinschauenden Strizzi, der auf „Wie heißt das?“ lauthals und schlecht gelaunt „FRÜHSTÜCK! Oh Mann! FRÜÜÜHSTÜÜÜCK!“ antwortet.
Beim Abendessen finde ich sowas lustig. Morgens weniger. Aber weil ich bisher versäumt habe, ihm sein Frühstück so vorzuportionieren, dass er es selbst zusammenschütten kann, mache ich also Frühstück. Mit gestreiftem Löffel, eh klar. Außerdem sitzt er eh nicht gern alleine am Frühstückstisch. Sondern unterhält sich mehr oder weniger gut gelaunt. Quality Time. Wenigstens quatscht er weniger als der Zwack, der morgens gerne mal erörtert, ob man ein Feuer jetzt auspieseln kann oder nicht und wenn ja, wie. Und ob es auf dem Mars U-Boote gibt. Wenn Strizzi sich lustig unterhalten will, rülpst er erstmal kichernd. Oder weist mich darauf hin, dass draußen eine Pupsmöhre vorbeiflöge. Hihihihihi.

Egal. Sie fragen sich, wieso ich mich nicht einfach wieder ins Bett lege, spätestens, wenn der Zwack auch Frühstück hat. Habe ich versucht. Es ist aber nicht erholsam. Alle 10 Minuten brüllt es von irgendwoher oder einer kommt „ICH SAAAGS!“ angesockt. Dann lieber aufstehen. Vorlesen. LEGO bauen. U-Boote und Pupsmöhren auf dem Mars erörtern. Quality halt.
Gestern wachte Strizzi schon um viertel nach vier auf, wollte zwingend aufstehen, frühstücken und auf seine Gäste warten. Kindergeburtstagsfeier. Um sechs waren die Gäste noch immer nicht da. Meine Qualität bestand darin, Strizzi ab und zu mit einem Saftbärchen ruhig zu stellen, damit er nicht seinen Geburtstagskuchen EBEN JETZT! ALLEINE!! AUF!!!aß.

Ob natürlich eine morgenmuffelige, müde Mama überhaupt als Quality zählt oder aber Saftbärchen, weiß ich nicht. Zeit genug jedenfalls haben wir morgens und ich habe mir angewöhnt, mit den Kindern aufzustehen. Einmal haben wir morgens sogar was gebastelt. Es muss ja nicht immer Nachmittag sein.

Abends haben wir weniger Zeit. Mindestens einmal in der Woche schläft mindestens Zwack beim Abendessen ein. Will heißen, er mümmelt im Schlaf sein Käsebrot. Wir haben einen Film, in dem ich die schlafenden Kinder abwechselnd von ihren Broten abbeißen lasse. Der Film hat auch Qualität, anders. Auf dem Film sieht man übrigens auch Otto, die ausgeschlafen auf meinem Schoß sitzt und jedesmal juchzt, wenn Strizzi seinen Kopf zurückhält, kurz, bevor er in seinen Teller knallt.
Ich weiß jetzt auch nicht genau. Am Besten gehe ich jetzt schlafen. Ohne Schluss, ohne Moral, ohne Qualität, ohne nix. Wenn Sie morgens mal was basteln wollen, kommen Sie gern vorbei.

Es ist so. Ich wollte schon lange mal wieder über Essen schreiben. Eigentlich natürlich irgendwas, wo Strizzi ganze gegrillte Knoblauch-Thunfische isst. Aber das geht jetzt nicht. Weil wegen Mara. Mara geht beim Zwack in den Kindergarten, ich habe vielleicht schon von ihr erzählt, die atheistische Elfe.
Jedenfalls, Mara kommt in allen zwackschen Essens-Fragen vor. Vokabeln wie „Essen vertragen“ und Dinge wie „darf kein xy essen/ trinken“ kennt Zwack von Mara. Und jetzt sitzt Zwack beim Essen, schaut seiner dritten Dampfnudel zu, wie sie gemütlich in der Vanillesauce schwimmt und fragt, ob es stimme, dass man stürbe, wenn man zuviel esse. Das sage Mara. So eine Frage bei irgendeinem waghalsigen Kirchererbseneintopf als kreative Ich-mag-nicht-Ausrede, okay. Aber bei Dampfnudeln? Ich frage den Zwack also, ob ihm die Dampfnudeln diesmal nicht schmeckten und dass er auch einfach aufhören könne zu essen, wenn er satt sei. Nein, sagt er, Mara sage, man stürbe, wenn man zuviel esse. Ich versuche, ihm zu erklären, dass der Körper Essen brauche, weil er sonst weder Muskeln noch Energie noch sonst irgendwas Brauchbares zustande brächte. Dass es aber natürlich Essen gebe, das mehr Energie liefere und Essen, dass weniger gut Energie liefern könne. (Jaja, ich weiß. Und nein, die Dampfnudeln sind nicht aus Vollkornmehl. Aber: es gibt immer Gemüsesuppe davor.) Der Zwack überlegt und denkt und senkt eine vierte Dampfnudel in die Vanillesauce.

Das Thema war dann längere Zeit nicht mehr interessant, es ging wieder mehr um Raumschiffe und Räuber und U-Boote und Vulkane. Zwack weigert sich, mit uns in Urlaub zu fahren, weil es auf Izilien einen Vulkan gibt und er sich außerdem nicht sicher ist, was passiert, wenn die Fähre auf der Überfahrt auf ein U-Boot trifft. Oder Mama.

Und dann kommt Bertl zu Besuch und bleibt zum Abendessen, weil es zu Hause einen kreativen Eintopf  aus Hülsenfrüchten gibt und bei uns Nudeln mit Hackfleischsauce. Die Dynamik will, dass auf einmal niemand Sauce essen mag, sondern nur Nudeln mit Käse. (Nein, keine Vollkornnudeln.) Die Dynamik will auch, dass der Zwack sich einen Riesenberg Nudeln in den Mund stopft, den er kaum zu kauen vermag. Das wiederum verleitet mich, zu sagen, dass sie wahrscheinlich gleich zu Ohren wieder rauskämen, woraufhin Bertl seinen Finger in sein Ohr bohrt, um zu verkünden, dass HIER das Ohr zu Ende sei und die Nudeln deswegen nicht rauskommen könnten. Als der Zwack wieder Platz im Mund hat, röhrt er, er würde so viele Nudeln essen, weil er dann stark werde. Komm, wir essen ganz viele Nudeln, Bertl, dann werden wir gaaaanz stark!!! Oder!!!
Da guckt Bertl auf seine zweite Nudelportion ohne irgendwas mit Käse und wird ein bissl traurig. Weil das gar nicht stimme, mit dem stark werden. Weil, wenn man zuviel esse, dann würde man dick. Nein! röhrt der Zwack, man würde stark, dann verstummt er wieder einige Minuten, um den nächsten Riesenberg Nudeln zu bändigen. In dieser Zeit schaffe ich es, Bertl davon zu überzeugen, dass – zum Glück hat er diesen Wikingerpulli an – bei dieser Wikinger-Serie die dicksten Wikinger doch auch besonders stark seien. Weil, der Bertl ist nämlich gar nicht dick. Der Bertl ist vier und spielt jeden Tag nach dem Kindergarten eine Stunde Fußball. Dann reden wir endlich einfach über Wikinger.

Nach dem Essen steht der Strizzi auf, streckt seinen Bauch raus, guckt stolz und ruft, Boah, was für ein dicker Bauch das sei, der sei bestimmt auch schon vier und nicht erst fast drei! Und dass keiner so einen dicken Bauch habe wie er! Tschaka!

Jetzt hoffe ich, dass mir die Geschichte vom gegrillten Thunfisch nicht flöten geht, nur weil die Jungs auf einmal Angst vor Essen haben. Vorsichtshalber sollte es am Wochenende wieder mal Dampfnudeln geben.

Es ist so. Der Zwack interessiert sich für Nachrichten. Das ist, für die Teile, die er versteht, den Rest muss ich ihm erklären. „Wieso ‚Polizei‘, Mama?“ fragt er also und Strizzi, der sich die Technik abgeschaut hat: „Wieso ‚Menschen getötet‘, Mama?“  – „Und wieso ‚Lastwagen‘?“ Ich stehe also in der Küche und erkläre einem Viereinhalbjährigen und einem Knappdreijährigen, was in Berlin passiert ist.

Zwack interessiert sich erstmal für den Lastwagenfahrer und dann vor allem für den Diebstahl. Strizzi interessiert sich recht schnell wieder für LEGO. Dann die unvermeidliche Frage nach dem Warum. Mein Nichtwissen hilft nicht weiter. Aber warum. Warum. Warum. Ich mutmaße vorsichtig, dass der Fahrer vielleicht Deutschland doof fände. Leuchtet dem Zwack nicht ein, lachend sagt er: „Aber dann wäre er doch nicht hier!“

Oft passt die mühsam erlernte Kinderlogik nicht zur Welt. Wieso man in Syrien nicht einfach streiten könne, wer der Bestimmer sei. Da müsse man doch nicht gleich schießen.
Und dann, als ich ihm – Dank anderer Nachrichten – das Prinzip „Demokratie“ erkläre, fragt er, wieso man das in Syrien nicht auch haben könne. Sei doch einfacher und besser als zu schießen.

Die Nachrichten arbeiten im Zwack. Syrien kommt oft zur Sprache. Einmal sagt er zu einem Freund, dass in Syrien Krieg sei. Der guckt recht desinteressiert und die Mutter ein bisschen vorwurfsvoll. Es seien doch Kinder. Der Zwack spielt jetzt viel mit Lastwagen, baut welche und erfindet Dieb-Geschichten. Zwei Tage später erzählt er Strizzi noch einmal, was passiert ist. Unterbrochen von erbostem „Ich weiß, ICH WEISS, WEISS ICH! ICH WEISS!!!“ In Berlin! Der Lastwagen sollte eigentlich Stahl abladen. Ich bin überrascht, wie viele Details in diesem Kopf stecken und ein wenig besorgt. Aber anders als der Krieg in Syrien flößt ihm Berlin keine Angst ein. (Eher beschäftigt ihn die Frage, ob es in Syrien Weihnachten gäbe und ob jemand, der schießt, Geschenke vom Christkind bekäme.)

Und deswegen gehen wir kurz später auf den Christkindlmarkt. Fahren Karussell, kaufen einen Stern für Otto und gebrannte Mandeln.  Frohe Weihnachten Euch.

 

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