Unterm Ladentisch geht’s weiter.

Februar 25, 2010

Ein Morgen in Niederbayern. Ich erwache irgendwo zwischen Altötting und Marktl. Diesmal ohne Weißbier, sondern in der Baustellenwohnung meiner Schwester. Heute soll die Küche werden. Über Küchen schreibe ich ein ander Mal. Küchendiskussionen kommen vor Kinderwagendiskussionen und sind ähnlich zehrend für alle Unbeteiligten.

Um beim Bäcker Unmengen an Butterbrezen kaufen zu können, muss ich zwei Dinge lösen: Geld abheben und einen Bäcker finden. Geld: ich entscheide mich für die Post. Erstens wegen Cashgroup, zweitens, weil ich sie von der Wohnung aus sehen kann und den Ort sonst nicht kenne. Ich kenne hier nur das Bahnhofsviertel. Ja, haha! Es gab einige Bedenken, als Schwester hierher zog, weil also bitte BAHNHOF. Aber machen wir uns nichts vor: hier kommt manchmal sogar ein Zug. Ansonsten werden hier nichtmal legale Drogen verkauft, geschweige denn Dienstleistungen.

So hat auch die Post vor neun Uhr weder offen noch einen Geldautomaten zu bieten. Ich quetsche mich mit den anderen in den Windfang, wobei klar ist, dass ich nicht von hier bin. Im schlimmsten Fall vermuten sie mich von der anderen Flussseite. Mir egal, sie rücken ein wenig ab und ich kann atmen.

Der Bäcker soll sich „in der Hauptstraße hinter dem Kino“ befinden. Es gibt nichts, was nach Hauptstraße aussieht, aber ich finde dennoch einen Bäcker, neben zwei Metzgereien mit den typisch beschlagenen Fenstern. In solche habe ich mich nie getraut, vor lauter Angst, in eine blutende halbe Sau zu laufen. Auf dem Rückweg entdecke ich das Kino, das ich für eine Boazn gehalten hatte. Nach dem Großeinkauf die Frage, wo man mir hier unter dem Ladentisch wohl eine Zeitung verkauft, die NICHT die Lokalpresse ist.

Der Lottoladen. Ja, wie, Süddeutsche, vielleicht sei da noch die eine von den beiden, Moment. Er bückt sich tatsächlich unter den Ladentisch. Und was? Die Zeit. Hm. Nach einigem Hin und Her und Absprachen mit der Mitarbeiterin findet er eine und nach einigen Schätzungen einigen wir uns auf den Preis, der vorne drauf gedruckt ist.

Ich weiß. Ich bin ein verwöhntes Großstadtgör ohne Einbauküche. Und wahrscheinlich bin ich es gerne. Und ebenso gerne bin ich in Niederbayern.

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