Eimer, Matratzen und Tanks. Der erste Besuch.

Oktober 6, 2010

Dass sich weiterhin Kollegen in mein Büro verirren, sorgt für Abwechslung („Ich such was, ist das vielleicht hier in der Rumpel- äh, Ihrem Büro?“), aber viel mehr: das Telefon. Neue Klangwelten. Zwar nur ein interner Anruf, natürlich, von außen kann man mich nicht anrufen. Wozu auch, das Büro gibt es erst seit zwei Tagen und auch ansonsten wissen wenige von seiner Existenz. Und von denen, die um sie wissen, erhalte ich Abwesenheitsassistenten-Post. Die rufen also auch nicht an. Aber immerhin, ein Anruf.

Das Ende der Leitung meint, ich hätte Besuch.

Besuch?
Besuch.

Ein Fabrikant. Ça va. Et la famille.

Er sei Fabrikant, habe eine Fabrik und fabriziere. Eimer, Matratzen, Tanks. Er fabriziere Eimer, Matratzen, Tanks in seiner Fabrik und alles mit deutscher Chemie. Seit zwanzig Jahren fabriziere er mit deutscher Chemie in seiner Fabrik Eimer, Matratzen, Tanks. Er wolle umstellen. Nicht weg von der Chemie, nicht weg von den Eimern oder den Matratzen oder den Tanks, sondern künftig mit Hilfe deutscher Eimer-, Matratzen- und Tankproduktionsmaschinen. Wegen der Qualität. Alle würden nach China gehen, in China einkaufen, aber das sei nicht gut, wegen der Qualität der Eimer. Und der der Matratzen. Ganz zu schweigen von der Qualität der Tanks. Zwanzig Jahre habe sich die deutsche Qualität ausgezahlt.

Er sei alt, ein alter Fabrikant. Jetzt müsse die neue Generation lernen, die Eimer, Matratzen und Tanks zu fabrizieren. Für die deutschen Maschinen sei es natürlich besser, die Fabrikation in Deutschland zu studieren. Sein Sohn solle deutscher Ingenieur werden. Für die Qualität der Eimer, Matratzen und Tanks. Sonst sehe er sich leider gezwungen, seine Eimer, Matratzen und Tanks wie alle anderen mit chinesischen Maschinen und, wer weiß, vielleicht auch auf der Grundlage chinesischer Chemie zu produzieren. Ob ich ihm helfen könne. Und seinem Sohn. Und meinem Land. Und natürlich seinem Land, das sei ja wohl in meinem Interesse, da die Bevölkerung sonst gezwungen sei, Eimer, Matratzen und Tanks minderer Qualität zu kaufen. Wenn sein Sohn den Vorteil deutscher Qualität nicht zu erkennen vermöge. Gerne könne ich mir die Fabrik einmal ansehen. Und wenn ich einen Eimer bräuchte oder eine Matratze oder einen Tank guter Qualität, solle ich anrufen.

Ob ich sein Anliegen verstünde.

p.s. Weißt Du schon, wann Du wo bist?

p.p.s. Keine Zwistangst. Dürfen? Immer. Ich auch.  Ich weiß nicht, ob die SMS von der hiesigen Nummer ankam. Ich habe auch die deutsche hier, ist bestimmt einfacher.

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