A 38. Eine Formalität verwaltungstechnischer Art.

Oktober 8, 2010

Mittwoch.

Heute unterschreibe ich meinen Arbeitsvertrag.

Leider gilt der Vertrag nichts, so lange die Arbeitsbehörde mein Arbeiten beziehungsweise mich nicht genehmigt hat. Die Arbeitsbehörde allerdings genehmigt nichts, so lange der medizinische Dienst nicht bestätigt hat, dass ich arbeitstauglich bin. Der medizinische Dienst aber meint, Ça va, et la famille, schön, dass wir da seien, aber man bestätige erst wieder Freitag Dinge.

Ich kehre also nicht als gesund bestätigt wieder ins Büro zurück und sehe zu, wie eine Horde Jungs ein Sammeltaxi durch die regenlöchrige Straße schiebt.

Freitag.

Heute ist Bestätigungstag.

Sollte ich mir in den ersten beiden Wochen eine Malaria einfangen, bestimmt in diesem Warteraum. Ça va, et la famille. Die Untersuchung, der Arzt vergisst, gegen mein Knie zu schlagen, fragt aber, ob ich chronisch erkrankt sei. So oder so, für die Bestätigung der Arbeitstauglichkeit benötige man weitere Untersuchungen. Er drückt mir vier Formulare in die Hand, die ich gestempelt wieder bringen soll. Den Stempel erhielte ich vom medizinischen Dienst. Im Industriegebiet neben der Milchfabrik. Bis Montag oder Mittwoch.

Ich nehme ein Taxi und begehe mindestens alle Fehler, die man auch ohne Sicherheitstraining als solche erkennt. Ich sitze vorne, das Ziel des anderen Fahrgastes liegt zufällig auf dem Weg. Der Fahrer und ich sprechen nur ansatzweise die gleiche Sprache, die Milchfabrik aber kennt er und dann könne man jemanden fragen. Wir fragen, fahren zurück, fragen, fahren weiter vor. Ich zahle zuviel, bin aber froh, irgendwo angekommen zu sein.

Ein neues Gebäude. Top. Topneu. So neu, dass noch nirgendwo ein Schild hängt, was das für ein Gebäude sein könnte. So topneu sogar, dass ich es auf den ersten Blick für eine Baustelle halte, mich erinnere, wo ich bin, und es für einen Rohbau halte. Immerhin, ein Rohbau mit Fenstern.

Vor dem Haus kochende Familien, wartende Kranke und Mädchen, die Wasser für zu Hause zapfen. Ich frage eine Dame, Ça va, et la famille, ob sie der medizinische Dienst sei und halte ihr die Formulare unter die Nase. Ja, im ersten Stock könne man mir helfen. Jedenfalls mit zwei der Formulare.

Im ersten Stock ist niemand.  Ich warte noch ein bisschen, bis niemand kommt und suche dann wieder die Dame. Sie ist weg. Ich frage eine andere Dame. Ça  va, et la famille. Ja, durchaus, das sei der medizinische Dienst. Der Neubau. Hier mache man zwei der nötigen Untersuchungen, die Apparate dazu aber befänden sich noch im Altbau. Zu dem gelangte ich mit dem Taxi. Oder noch besser dem Sammeltaxi.

Endlich ruft Jean-Pierre zurück. Wo ich bitteschön sei, er könne mich abholen. Neubau? Ob ich scherzte. Ich gehe zurück zu der Dame, treffe eine andere Dame, Ça va, et la famille, ob sie mir sagen könne, wo ich sei. Sie nennt den Namen der benachbarten Tankstelle. Ich rufe Jean-Pierre an und drücke ihr das Telefon in die Hand.

Im Hof des Neubaus, der Verrückte macht,  überkommt mich die dringende Lust auf eine Zigarette. Ich fische den Tabak aus der Tasche. Aber. Das hier ist der medizinische Dienst. Er unterstützt die große Kampagne gegen das Rauchen unterstützt. Frauen rauchen hier sowieso nicht. Und ich kann hier wenig tun, ohne nicht mindestens eins der mich umringenden Mädchen zu beeinflussen.

Während ich warte, kratze ich gedankenverloren an einem Mückenstich herum.

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