Ver- und Anträge. Ordnungsgemässer Frust.

November 4, 2010

Ob es nicht mehr Hilfe zu Selbsthilfe hiesse, fragt meine Schwester. Meine Erzählungen klängen so klischeehaft, dass man Deutsche in Afrika dazu vielleicht gar nicht bräuchte.

Ich bin ein wenig unterwegs und habe dennoch vor, den Werdegang von A38, das ist: meinen Arbeitsvertrag zu verfolgen. Ich rufe Jean-Pierre an, ja, ça va, Glitzer, der Bearbeitungszeitraum für Verträge sei zwei Wochen und nach dreien könnte er meinen abholen, am Montag habe er der Termin. Ich fühle mich ein wenig an die Praxis der weissrussischen Botschaft erinnert, Visa grundsätzlich erst zwei Tage vor Flug zuzustellen, egal, wann der Antrag vorliegt.

Am Montag rufe ich Jean-Pierre an, ja, ça va, Glitzer, die Agentur teile mit, der Vertrag habe leider in der falschen Abteilung seine Zeit abgelegen und müsse neu eingereicht werden. Die Bearbeitungszeit für Verträge seien drei Wochen, so sei sie, die Bürokratie, aber das, das müsse man einer Deutschen ja nicht erklären, n’est-ce pas? Bevor ich reagieren kann, reisst die Verbindung ab.

Ob ich schon gehört hätte, fragt man mich zwei Tage später aus kekskrümelvollen Backen. Der Vertrag? Nein, nein, anders. Mein Urlaubsantrag. Man könne ihn nicht genehmigen, weil ich ja keine Mitarbeiterin sei. Ich sage, dass ich dann ja keinen stellen müsse. Doch doch, es müsse ja alles seine Ordnung haben. Ich könne schliesslich nicht einfach wegbleiben.
Und von wegen wegbleiben: die Dienstreiseabrechnung von letzter Woche könne sie ohne Arbeitsvertrag leider auch nicht erledigen. Schliesslich sei es streng genommen keine Dienstreise gewesen, weil nur im Dienst stehende Mitarbeiter Dienstreisen unternehmen könnten. Ausserdem hätte ich die Dienstreise nicht ordnungsgemäss beantragt. Ich sage, dass ich Dienstreisen nicht ordnungsgemäss beantragen könne, weil ich keine Mitarbeiterin sei. Und dass sie, die Dame, die die Kekskrümel nun von einer Backe in die andere schiebt, diese Reise veranlasst habe. Um mich einzuarbeiten. Wozu sie mich hätte einarbeiten wollen, wo ich doch keine Mitarbeiterin sei, fragt sie.
Ich staune. Und mache Feierabend. Nein, ich gehe nach Hause. Feierabend gibt es nur für Mitarbeiter. Ich kann ja nicht einmal ordnungsgemäss kündigen. Das hat Jean-Pierre zwischenzeitlich getan. Ich beneide ihn manchmal.

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