Zeit, Wüste und die Möglichkeit einer Insel.

November 15, 2010

Es heisst, dieses Land sei landlocked. Überall rundrum: Land. Kein Meerzugang, keine Küste, kein Korridor. Aber es ist nicht wahr. Dieses Land ist eine Insel.

Sie machen sich Sorgen um meinen Verstand? Ob ich schon zu lange in der Wüste sei? Und Oasen sehe?

Gut, dann eben keine Insel. Dieses Land ist eine Zeitfressmaschine.
Ich weiss nicht, wie lange ich schon wieder hier bin, meine Wahrnehmung sagt: ewig. In Abendgestaltung gemessen bin ich vier komplette Vorabendserien, eine Filmserie, die Hälfte von Stanley Kubrick, sowie ein Bücherregal lang hier, einen Botschaftsempfang, ein Jubiläum, zwei Partys, diverse Telefonabende, drei Abendesseneinladungen, ein Gitarrenselbststudium. Sowie bereits so lange, dass ich auch bei 30Grad meine Zeit mit mir verhasstem Ausdauertraining auf dem von mir nicht sonderlich geschätzten Rad verbringe.

Sie denken, ich sei vielleicht hyperaktiv?

Nein, es ist ein durchaus normaler Kompensationsvorgang. Viel der restlichen Zeit verbringe ich mit Warten. Oder Rumstehen. Oder Warten darauf, dass ich wieder irgendwo rumstehen kann, um mich den Absurditäten des Alltages zu widmen. Zum Beispiel warte ich noch immer auf die Gültigwerdung meines Arbeitsvertrages.
Dafür hat das Warten auf die Post ein Ende, nachdem ein Nachmittag beim Zoll rumgestanden wurde: seit letzer Woche ist mein Büro um 130 Kilo Corporate Identity erweiter. Ein Kilo davon verströmt Pfefferminzduft. Dazwischen vertrocknen Minigeckos und werden zu Ameisenhaufen.

Dabei kann man zugucken, beim Warten. Aber ich habe Glück. Ich muss noch einen Excel-Tabelle erneuern. Eine tausendzweihundertzeilige Excel-Tabelle. Wussten Sie, dass es in diesem Land gefühlt circa sieben Nachnamen gibt und siebzehn Vornamen, von denen wiederum zehn irgendwie Mamadou sind? Zwischen dem Warten ordne ich also die Liste. Nach Geburts- und Todesdaten, Funktion, Vorhandensein von Telefonnummern oder alphabetisch. Oder eben in Kombination. Ich mag Excel. Ich dachte immer, ich würde einen Atlas auf eine einsame Insel mitnehmen wollen. Aber ich glaube, ich nähme nun doch lieber eine Exceltabelle mit. Aber ich will gar nicht auf eine einsame Insel.

Ich bin ja schon hier.

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2 Antworten to “Zeit, Wüste und die Möglichkeit einer Insel.”

  1. Elke said

    War das nicht Guntram mit dem Atlas? Ich würde ja eine Bibel mitnehmen und mir zu jedem noch so blöden Vers eine Predigt ausdenken. Habe im November Radio. Hatte schon 3 Andachten, eine zu Blasius, eine zu Lichtmess und eine zur Losung vom 4.2. Jetzt sagt mir der Heini: Nein, nicht die ERSTE Februarwoche, die erste VOLLE Februarwoche. Was moch ma ietz mitm Blasius?

  2. Elke said

    Äh im Februar. Deshalb Lichtmess und Blasius…

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