Weihnachten, Warnungen, Würschtl. Eine Ignoranz.

Dezember 2, 2010

Es ist so. Gestern habe ich wieder viele Leute zu Besuch in meinem Büro. Einen Militärberater zum Beispiel, wir unterhalten uns über den Norden. Und über Pontonbrücken, die Sicherheitslage, sowie die letzte Mail an die elektronische Deutschenliste.
Sie heisst tatsächlich so. „Liebe elektronische Deutschenliste, blablabla, bitten wir Sie, die Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes nun ernst zu nehmen.“ Ich überlege kurz, was ich mit den Sicherheitshinweisen des Auswärtigen Amtes bisher getan habe und fühle mich ertappt: ich habe sie ignoriert. Das werde ich weiterhin tun, sie nämlich sind irrelevant. Das Auswärtige Amt warnt mich vor dem Norden, in dem ich nicht bin und warnt mich hingegen nicht vor den reellen Gefahren um die Ecke: vor dem Typhus der Kollegin. Oder vor Mofas. Mofas. Mofas. Mofas. Oder vor der Batteriesäure in Gartenerde.

Der Militärberater lacht. Für die beschriebene Allgegenwart der Gefahren sähe ich noch relativ gut aus. Dennoch: im Moment bastele er eine Vitaminbombe für mich. Ich frage, ob er im Restaurant nebenan gegessen habe, vor dem Essen dort warne das Auswärtige Amt auch nicht. Ob ihm irgendwas nicht wohl bekommen habe?
Vitaminbomber? Rosinen? Mit Kanonen auf Glitzer schiessen?

Er zieht die Augenbraue hoch. Ob ich nichts von der Operation Sauerkraut gehört habe. Wieder fällt mir mein britischer Freund ein und ich denke, dass bei ihm „Operation“ und „Krauts“ wohl ähnliche Fragezeichen auslösen würden. Doch doch, die Operation Sauerkraut, ganz gross. Und dann, verschwörerisch, nur ein Wort: W e i h n a c h t s m a r k t.

Weihnachtsmarkt. Letztes Jahr habe man zum Weihnachtsmarkt Sauerkraut eingeflogen, zwanzig Kilo vielleicht. Allein, es schmeckte nicht. Deshalb, wir wollen nicht von der Vaterlandsehre sprechen, rein von Geschmack, würde dieses Jahr das Sauerkraut selbst gemacht. Weil Würschtl ohne Kraut gingen ja auch nicht. Und damit, mit diesem Vitamin-C-Schub, könne einen hier auch kein Typhus umhauen, versprochen, Glitzer.

Als er gegangen ist, zwanzig Kilo Sauerkraut wollen pfleglich behandelt werden, erwartet mich eine neue Mitteilung an die elektronische Deutschenliste. Vielleicht ist der Norden weiter nach Süden gerückt, oder im Nachbarland wurde mal wieder zur Festigung der Demokratie die Verfassung im Sinne des Präsidenten geändert. Ich tippe auf letzteres.
Aber da: „Liebe elektronische Deutschenliste, blablabla, möchten wir sie darauf hinweisen, dass für den Weihnachtsmarkt noch dringend Kuchenspenden  benötigt werden.“ Ich tue, was ich mit der elektronischen Deutschenliste immer tue und stürze mich waghalsig in den Feierabendverkehr.

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