Winterwüste. Über die völlige Abwesenheit von Wetter und ein Huhn.

Dezember 21, 2010

Lassen Sie uns übers Wetter reden. Ja, ich weiß, manchmal haben Sie es satt, den Schnee und das Tief, das diesen schrecklichen Namen trägt, weil eben nicht alles Glitzer ist, was schneit und friert und fröstelt und Eisblumen malt. Überhaupt, der Winter. Kalt, grau und immer so früh dunkel. Ein Schauer, der Föhn taut alles an, Matsch, Temperaturschwankung, schwupp, Blitzeis, Verkehrschaos, meine Güte. Und jetzt käme ich und wolle übers Wetter reden, wohl zuviel Romantik verschluckt. Als hätte man nicht genug davon. Wetter.

S i e mögen vielleicht genug davon haben. Aber versetzen Sie sich in meine Lage. Hier nämlich gibt es überhaupt kein Wetter. Über Monate bleibt jeder Tag gleich. Es wird gegen halb sieben hell, es wird über dreißig Grad warm es wird gegen sechs Uhr dunkel, es wird bis fünfzehn Grad – äh – kühl. Jaja, plus.
Letzteres, der nächtliche Temperatursturz, führt zu vermehrtem Mützen- und Daunenjackenaufkommen, schließlich hat man Winter, wie sich das für ein Land auf der Nordhalbkugel gehört. Der Winter hier allerdings ist wärmer als so mancher Sommer auf der Südhalbkugel, obwohl auch dort Afrika ist. Das mag nicht weiter überraschen, wenn man weiß, dass der für die Kälte verantwortliche Wind aus dem Norden kommt. Im Norden, von hier aus gesehen, liegt die Sahara. Nicht gerade eine Eiswüste, aber immerhin, auch dort, nachts, … Lassen wir das.
Ich habe Kindheitserinnerungen hiesiger Autoren gelesen, die beschwören, dass sie mindestens einmal wegen des kalten Windes schier zu erfrieren drohten. Bei zwölf Grad, jaja, plus, fällt hier die Schule aus. Kältefrei. Es würde mich interessieren, wo auf dieser Welt die Grenze zwischen kälte- und hitzefrei verläuft.

Aufgrund dieser völligen Abwesenheit von Wetter verliere ich jegliches Zeitgefühl. Fragen Sie mich nach dem Wochentag, ich habe keine Ahnung. Fragen Sie mich, ob es Dienstag oder Freitag war, als ich das Huhn überfuhr, ich werde Ihnen nicht antworten können. Hier gibt es keine Hilfe von wegen Montag musste ich durch den Graupel zur Arbeit, ein Glück, dass ich Dienstag frei hatte, als die Wintersonne schien! Mittwoch schneite es diese wunderbar fetten Flocken und so weiter und so weiter das Huhn und so weiter und so fort bis Sonntag und weitere zehn Tage zurück. Ob der Wind den Staub Montag oder Donnerstag bei sechsunddreißig Grad über die Straßen treibt, macht keinen Unterschied. Und dem Huhn ist es letztlich auch egal.

Im April, ja, da wird alles anders. Es wird einen Temperaturschub geben, es wird heißer, tagsüber und dafür wird es nachts nicht mehr kühl. Und manchmal wird ein außergewöhnlicher Regen fallen, nur, um die Mangos zur Reife zu treiben. Und dann wird es richtig turbulent: es bleibt heiß, der Mangoregen schwillt zur Regenzeit an, unberechenbar stürzt das Wasser aus dem Himmel, schlägt Staub und Land und Hitze auf die Haut und bleibt bis November bei über vierzig Grad und fünfundachtzig Prozent Luftfeuchtigkeit kleben.

Der Winter, wenngleich wohl angenehmste Jahreszeit, treibt mich mit seiner immergleichen Ödnis in den Wahnsinn. Erzählen Sie mir von Ihrem Wetter, bitte. Sonst suche ich mir zur Abwechslung ein neues Huhn oder es wird nie April.

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