Vollgas Feierabend.

Januar 7, 2011

Kennen Sie diese Feierabendverlockung? Ein ganzer Abend, nichts zu tun, einfach nur in Ruhe stumpf vor sich starren und am nächsten Tag ist auch noch Wochenende.
Es ist nicht überraschend: ich mag Feierabende. Zurzeit habe ich die Wohnung für mich. Nach Hause kommen, Ruhe atmen, zum Kühlschrank schlurfen, Madame, bonsoir, ça va, das Gas sei alle. Alle? Alle, fini, aus. Ich bin nämlich nie wirklich alleine.

Ich gehe zu Mathieu, bon soir, und der Tag, alles gut, ça marche, das Gas sei alle, ob er neues besorgen könne, ja, sehr gut. Pause. Äh, jetzt? Jetzt, jetzt, ja, nein, ja, natürlich, jaja, da gebe es dieses Standl links beim Libanesen, die kenne er, on est ensemble. Was es koste, frage ich. Nun ja, wegen des Libanesen, er wisse nicht genau. Mathieu geht zum Nachbarn, großes Hallo, kommt zurück, wegen des Libanesen, also, der sei ein bisschen teurer, Wieviel, Nun ja. Mathieu geht zum Nachbarn, großes Hallo, kommt zurück, Zwölfeinhalb.

Während er unterwegs ist, erstmal zum Nachbarn, großes Hallo, treffe ich Jean, bonsoir, Madame, und der Tag und die Arbeit und hier und alles gut, ça marche, jetzt sei ja auch Wochenende, alles in Ordnung, dankeschön.

Mathieu, der Nachbar und die Gasflasche kommen an. Jetzt war doch alles billiger, das Standl beim Libanesen hatte gar kein Gas wegen Elfenbeinküste, nun ja, egal, aber ein Kumpel von Mathieu und Freund des Nachbarn, ach, man sei eben ensemble, n’est pas?

Jean, Mathieu und der Nachbar verschrauben lautstark das Gas, Fatoumata ruft aus der Küche, wie es denn nun aussehe, der Freund des Nachbarn kommt mit Tee, bonsoir, Madame, ça va, die Wohnung taucht in einen recht eigenen Gasgeruch und auf einmal steht Ralf vor mir, wegen der Spätzlepresse. Ja, eines Schwaben Stolz und hier sei ja mächtig was los, ça bouge, nein, danke, nichts zu trinken, aber wie war Weihnachten, Silvester, ja, die Familie, jetzt müsse er aber auch los, die Kinder, die Spätzle, Grüße.

Ich bin einigermaßen froh, dass sich die Gaskartusche draußen befindet, nein, noch immer nicht, Mathieu sei aber schon unterwegs, zum Cousin, wegen des Klebebands, keine Sorge, ça va. Bevor ich mir Gedanken über Klebeband im Zusammenhang mit Gas mache, Bonsoir, Madame, er sei der mit den Pestiziden, die Rechnung, bitteschön, aber minus zehn, wegen des Kredits. Beim Anblick der „geschätzten Kosten“ frage ich mich, wieso jemand mit einer derart findigen Buchhaltung noch einen Kredit benötigt. Aber ich sage nichts, denn immerhin hilft er dem mittlerweile recht ansehnlichen Trupp – endlich mal was los im Quartier! – das Gas weiterhin nicht anzuschließen.

Irgendwann einigt man sich darauf, dass man besser jedes Mal neu auf- und wieder zudrehe oder aber je nach Bedarf so auch laufend den Druck regulierte. Schließlich sie ohnehin immer jemand da. So ein Glück.

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