Guten Morgen, was macht der Staub? Ein bedeutungsloser Wortschwall.

Januar 28, 2011

Kennen Sie Ouagadougou? Nein? Ein Faszinosum. Ich war nie dort, aber die Vokalhäufung entlockt mir bekennendes Staunen. Diese Vokalhäufung zieht auch den Witz nach sich, Ouagadougou sei die Hauptstadt der Oberpfalz. Diese wiederum schätze ich weniger. Wahrscheinlich, weil ich in Niederbayern aufwuchs, und die gering Geschätzten auch immer nochmal nach unten treten möchten. Allerdings wohnte meine Oma in der Oberpfalz. Aber diese Stammesauseinandersetzungen tangieren mich nicht. Ohnehin bin ich in Oberbayern geboren, aber auch das wiederum eher auf zufälliger Durchreise. Aber das alles tut nichts zur Sache. Wir waren bei Ouagadougou.

Funny van Dannen besingt in einem seiner launigen Lieder Uruguay: „Drei U auf engstem Raum / ich denke oft an Uruguay.“ Entweder er kannte Ouagadougou nicht. Westafrika ist ja nicht so in wie die Amerikas. Oder es passte einfach nicht in seinen Liedfluss. Das mag sein. „Ich denke oft an Ouagadougou“ klingt auch unheimlicher als „Uruguay“. Ich schreibe keine Lieder, deshalb kommt in meinen Ouagadougou ebenfalls nicht vor. Als Ersatz höre ich Funny van Dannen.

Ein Freund, der selbst nie in Ouagadougou war, erzählte mir, wichtigster Gegenstand der Grußzeremonie sei der Staub. Zunächst widmet sie sich dem klassischen Kanon: Guten Tag – Wie geht es – was macht die Arbeit – die Familie – die Gesundheit – der Schlaf – die Kinder – die Träume – das Leben – die Schlaglöcher. Und dann folgt: der Staub. Heute ist es wieder sehr staubig, jaja, der Staub, so rot, bestimmt aus Timbuktu, hm, morgen soll es noch mehr Staub geben, er ist unangenehm, der Staub, so rot, dieses Jahr soviel Staub, was sagt man da, hat die Welt noch nie gesehen, soviel Staub. Der Staub.
Das ist nicht Smalltalk. Das ist Hallo-Sagen. Je mehr Leute man in Ouagadougou kennt, umso länger braucht man durch die Stadt. Und den Staub. Aber man gelangt nirgendwohin. Es gibt dort nichts.

Dennoch: Ouagadougou ist nicht die Hauptstadt der Oberpfalz, sondern von Burkina Faso. Ich lernte während eines Praktikums Dinge zu Burkina Faso. Zum Beispiel, dass die Einwohner Burkinabé heißen, dass es dort Baumwolle gibt (der Staub spielte in meinem Praktikum seltsamerweise eine geringe Rolle), dass viele Leute im Nachbarland arbeiten und dort ausländerfeindlich verfolgt wurden. Das erinnerte mich an ein weiteres Lied von Funny van Dannen, das sich mit lesbischen schwarzen Behinderten befasst. Die auch ätzend sein können. Aber das ist eine andere Geschichte.

Außerdem lernte ich anhand von Burkina Faso volkswirtschaftliche Kennzahlen. „So Frau Glitzerkugel, guten Morgen, wie ist der Staub, heute gibt‘s vor der Kaffeepause ein paar volkswirtschaftliche Kennzahlen.“ Allein dieser Satz verrät, dass ich bis heute wenig von volkswirtschaftlichen Kennzahlen verstehe. Sie gehören nicht zu meinem Metier und ich werde kein Lied schreiben, in dem sie vorkommen. Funny van Dannen besingt sie schließlich auch nicht.

Was? Die Pointe? Sie finden, das alles liest sich wie eine Grußzeremonie, in der Staub der wichtigste Gegenstand ist? Nicht einmal Small talk? Geschweige denn ein kosmospolitischer Text? Das mag sein, aber es gibt einen Grund: Ich wurde gebeten, einen Text mit möglichst vielen U-Umlauten zu schreiben. Es ist mir nicht gelungen.

Gescheitert

Ihre glitzerkugel

Was? Sie kannten den Text schon? Das kann sein. Aus aktuellem Anlass präsentiere ich Schonmaldagewesenes. Wenn ich aus Ouagadougou zurück bin, erzähle ich Neues. Vom Staub.
Bis dahin spielen wir ein bisschen Musik.

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