rente@wetten-dass.de

Februar 10, 2011

Es sei so, dass man in England auf alles wetten könne und in Deutschland könne man alles versichern. Ich bin Deutsche. Genau genommen, wie schon dargelegt, Auslandsdeutsche und Deutsche im Sinne der elektronischen Deutschenliste. Aus mir auch unerfindlichen Gründen wollte ich jedenfalls versuchen, mich für die Zeit hier freiwillig in Deutschland rentenzuversichern.

Also rief ich die Rentenversicherung an, Guten Tag, ich ginge ins Ausland und wolle mich freiwillig rentenversichern, bitteschön, wie das von Statten gehe.
„Hamse Internet? Ja, hamse? Laden Sie sich das runter, den Antrag. Könnse sowas ausfüllen, ja? Vielleicht? Dann schickense das. Lesen Sie alles Relevante. Ja, lesen. Könnse? Gut.“
Sindse amüsiert, ja? Ich war es nur ein wenig, fragte mich, was wohl „alles Relevante“ sei, suchte das Formular, hoffte, das richtige gefunden zu haben, füllte es aus und schickte es weg.
Zugegeben, es war nicht Monate im Voraus, sondern ebenso knapp, wie alles in diesen Tagen und dann zog ich eben um.

Irgendwann bekam ich Post. Also, das heisst, meine Schwester, denn ich habe einen Nachsendeauftrag. (Eine Sache, die eher zu Wetten taugt, im Übrigen. Habe ich von Interpol erzählt, als mein Pass samt Visum irgendwo im Nirwana des Nachsendeservices schwelgte? Nein? Ein ander Mal.)

Das Schreiben sagte danke für meinen ordnungsgemäß ausgefüllten Antrag und man sei sich nicht genau im Klaren, was ich von der Rentenversicherung wolle, aber ich könne gerne Frau Naglmoser anrufen. Ich schrieb Frau Naglmoser eine Mail. Frau Naglmoser schickte einen Brief an meine Schwester, mein ordnungsgemäss ausgefüllter Antrag sei eingegangen und geprüft worden. Wenn ich wollte, könne ich mich freiwillig versichern, falls ich im Ausland arbeitete. Ich schickte Frau Naglmoser eine Mail und bestätigte, dass ich mich seit jeher gerne freiwillig rentenversicherte, da ich im Ausland arbeitete.

Dann hörte meine Schwester lange nichts von Frau Naglmoser und ich schrieb ihr erneut eine Mail. Von glitzer@kugel.de an naglmoser@rente.de Prompt erhielt ich eine Fehlermeldung. Die Mail an glitzer-kugel@glitzerkugel.de könne nicht zugestellt werden, da der User nicht bekannt sei. Das ist klar. Das müsste ja meine Mailadresse sein. Sie existiert aber nicht, deshalb schreibe ich sie auch nicht an. Überhaupt wollte ich ja Frau Naglmoser anschreiben, um einen Brief zu erhalten, der mir die Höhe des Wetteinsatzes in Sachen Rente mitteilt, zum Beispiel.

Jetzt aber diese Fehlermeldung von einer Mailadresse, die sich als mich ausgibt und Kontakt aufnimmt, obwohl ich sie gar nicht angeschrieben hatte. Man sollte 1984 nicht unterschätzen, und ich frage mich, was passiert, wenn diese Mailadresse weiterhin so tut, als sei sie ich, obwohl es sie nicht gibt. Stellen Sie sich vor, sie eröffnete ein Facebookprofil an meiner statt. Oder bestellte eine Waschmaschine. Oder würde wettsüchtig. Oder schlösse eine Rente ab. Nicht auszudenken!

Während ich mich ob dieser Gedanken schlaflos wälzte, eine Mail meiner Schwester. Frau Naglmoser habe geschrieben. In ihrer grenzenlos bürokratischen Güte bescheidet sie mir mit, dass ich nun freiwillig einzuzahlen habe bzw. das dürfe. Für weitere Fragen stehe sie nicht zur Verfügung. Ausserdem möge ich bitte eine korrekte Mailadresse angeben, auf jeden Fall aber eine Adresse in Deutschland, am besten mit Meldebestätigung. Habe ich erwähnt, dass ich im Ausland arbeite? Vielleicht frage ich meine nicht existente Mailadresse, wo sie wohnt. Klappt bestimmt und wahrscheinlich versteht sie sich recht gut mit Frau Naglmoser – wetten?

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