Viel Wagemut um nichts. Und eine Rose.

Februar 17, 2011

Es ist so, ich fliege. Es ist Valentinstag und ich fliege in den Süden, ans Meer. Das klingt romantisch und weil Valentinstag ist, schenkt mir meine Fluglinie eine Rose. Denkbar praktisches Fluggepäck. Nach Zielstadt, sage ich, Aber, aber das ginge nicht, sagt die Frau hinter dem Schalter so tonlos wie sie mir die Rose überreicht hat. Ja, ich habe ein Ticket, aber über Umsteigestadt und ab da von einer anderen Fluggesellschaft. Das ginge nicht. Ob sie wenigstens mein Gepäck bis Zielstadt markieren könne, frage ich. Das könne sie, würde sie mir aber nicht raten. Es wäre besser, ich würde es vom Gepäckband pflücken und neu einchecken, wie auch mich.

Ich gebe zu, ich habe Vorurteile. Sie speisen sich natürlich auch aus Erfahrungen blablabla, wie auch immer, sie sind da und ich tauche in sie ein, um zu überlegen, dass keine Boardkarte auf einem afrikanischen Flughafen vielleicht heisst, dass man aus dem Flughafen wieder raus muss. Das wiederum könnte bedeuten, dass die bierernsten, hochwichtigen Polizisten finden, ich bräuchte ein Visum. Oder viel Geld. Da ich beides nicht habe, aber wenig Umsteigezeit, entscheide ich mich gegen das Gepäck für volle Konzentration auf Umsteigen und Flug erwischen. Die Wette gilt, die Dame hinter dem Schalter schaut mich tonlos, aber ungläubig an. Wenn ich meinte.

Wieso ich so unvorbereitet bin? Nun ja, das liegt daran, dass am Freitag ein Treffen von Mittwoch auf Dienstag – egal, ich musste meinen Flug vorverlegen, kann nun nicht direkt nach Zielstadt fliegen, sondern eben nur über Umsteigestadt. Die Realsatire möchte, dass ich fünf Tage später ohnehin nach Umsteigestadt reise. Auf welchem Weg, das ist noch nicht geklärt und unterwegs muss sich das Visum auftreiben lassen. Es ist ja auch nur ein Katzensprung.
Eine Dame (ich stehe noch immer am Schalter, wieso auch nicht), bonjour, ça va, et la famille, ob das mein einziges Gepäckstück sei, nein, nicht die Rose, aha aha, sehr gut, ob ich auch ihres einchecken könne. Leider, sage ich, leider (und ich bin froh, nicht lügen zu müssen), würde mein Gepäck bis Zielstadt durchgestellt (toitoitoi). Sie sieht mich bedauernd an und ich bin mir nicht sicher ob ihrer Enttäuschung oder ob meines naiven Wagemuts. Wagemut, mein vierter innerafrikanischer Flug.

Aber, wie so oft. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Ich komme in Zielstadt an. Auch mein Gepäck, abgesehen von der Rose, die ich irgendwo vergesse. Am Flughafen warte ich auf meine Abholung. Als niemand kommt, gehe ich an die Hauptstraße, warte auf gut Glück, bis ein Auto meiner Organisation vorbeifährt und halte es an. Ah, bienvenue, soso, aha, ça va und der Flug und die Familie und interessant, dass ich jetzt hier sei. Der Kollege sei vorhin losgefahren, um mich in Umsteigestadt abzuholen. Aber das mache ja nichts, ich solle einsteigen.

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