Worldwide. Und doch so nah.

März 2, 2011

Vielleicht erinnern Sie sich. Bei meiner letzten Arbeitsstelle war ich von Kollegen umgeben, die gerne mal wikipedia anriefen und denen ich „Flashmobs“ nur als „im Internet initiierte Kunstaktion, die sich spontan im öffentlichen Raum manifestiert, um sich diesen anzueignen“ näher bringen konnte.

Hier ist alles anders. Hier kennen die Leute sogar skype. Skype ist verboten. Nicht, weil es ablenkte, nein, weil es das Internet kaputt macht. Sobald auch nur eine einzige Person skype öffnet, kann sofort, s o f o r t, niemand, n i e m a n d, anders mehr online sein, im ganzen Viertel, wohlgemerkt, weil skype das ganze Internet für sich alleine braucht. Skype ist fett, die Internetverbindung mager, skype ist verboten. Das könne man noch nachvollziehen, finden Sie. Ja. Kann man.

Um das Internet nicht unnötig zu belasten, lässt man sich weitere lustige Dinge einfallen Zum Beispiel arbeitet man hier nicht mit den firmenüblichen Internetadressen, sondern hat sich an einen lokalen Provider angedockt. Jeder und jede hat nun eine kryptische Adresse bei @dfghc.com (Meine: berpl.lnd@dfghc.com – ausgesprochen BERaterinPoLitik.LaND soll das logischen Sinn ergeben. Dabei spricht hier niemand deutsch.) Jedenfalls bei @dfghc.com, Weil, wenn man mit den @firma.de-Adressen arbeitet, verschwindet täglich sofort, s o f o r t, jede zweite Mail und überhaupt nie, n i e, kommt eine irgendwo an. Weil @firma.de sei eben so weit weg und @dfghc.com sei soviel näher, die sitzen gleich ums Eck.

Ich hatte anfangs Probleme mit @dfghc.com, nichts erreichte mich, aber @dfghc.com war immerhin so freundlich, eine automatische Antwort zu schicken, es gebe mich gar nicht. Deswegen behielt @dfghc.com auch alle Nachrichten, die an mich gerichtet waren. Ich arbeitete fürderhin verbotenerweise mit glitzer.kugel@firma.de (Außer natürlich, jemand war noch verbotenerweise auf skype.) @firma.de wurde nun auf @neuefirma.de umgestellt. Automatisch. Toll.

Frau Kugel, sprach mich kürzlich Frau Skypeverbot an, Frau Kugel, sie habe nun rausgefunden, wie das sei, mit den Mails bei @dfghc.com Die kämen schon alle an, aber eben später. Weil, wegen dem Spam, da sitze einer morgens bei @dfghc.com und klicke erstmal alle Nicht-Spam-Mails frei. Und wahrscheinlich sei er letztens krank gewesen, als es diese Probleme gab. Nun habe ich ja wohl keine Mailprobleme mehr, oder, sehnse. SEHNSE?

@dfghc.com stellt Frau Skypeverbot nun vor Probleme. Weil, die Firma zieht um, man zieht mit denen, mit denen man nun Neuefirma ist, in ein neues Haus. Im neuen Haus ist wird aber das Internet von jemand anderem betrieben, nämlich von @blue.com . Deswegen hat Frau Skypeverbot jetzt den Vertrag mit @dfghc.com gekündigt, weil, wenn das Internet dann im neuen Haus wem anderen gehört, kann man ja nicht einfach mit den alten Adressen weiter arbeiten. Ich habe das nicht so ganz verstanden, vermute aber, es hat damit zu tun, dass das neue Haus in einem anderen Viertel steht.
Nun verzögert sich die Fertigstellung, das ist keine Überraschung, dafür muss man hier nichtmal Vorurteile haben.

Es ist also so, dass zwischen Ende @dfghc.com und Anfang @blue.com vier Wochen liegen, in denen niemandem das Internet gehört. Für diese Zeit, findet Frau Skypeverbot, sollten sich alle eine @neuefirma.de-Adresse besorgen, allerdings nur für den Übergang, schiebt sie hinterher, man wisse ja, dass das nicht gut ginge, weil das so weit weg sei. Verstehnse.

Ich überlege, ob ich sie auf die Idee bringen soll, bei @dfghc.com nachzufragen, ob die Internetsklaven, die sonst immer die Mails austragen, nicht einfach auf der Baustelle helfen könnten. Das Internet fertig betonieren. Aber so gemein bin ich nicht.

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Eine Antwort to “Worldwide. Und doch so nah.”

  1. […] ist so. Seit wir einen Fernseher haben, denke ich oft an Frau Skypeverbot. Wir kauften unseren Fernseher nach jenem Abend, an dem wir meinten, Fußball zu gucken, aber […]

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