Für Wochenende. Eine kurze, belanglose Bestandsaufnahme meiner Welt an einem Freitag.

März 25, 2011

Es ist so. Heute ist Freitag, Freitag ist Freitagsgebet und falls man etwas demonstrieren möchte, tut man das am Besten nach dem Gebet. Gegen etwas demonstrieren natürlich, die Zeiten des Sozialismus, in denen man nur für den Präsidenten, die Märtyrer und die Lebensmittelknappheit sein durfte, sind hier vorbei. Freitags also ist man dagegen. In Libyen war man freitags gegen Gaddafi, hier ist man freitags gegen die Intervention gegen Gaddafi, andernorts ist man freitags gegen die, die freitags gegen die Intervention gegen Gaddafi sind.

Gegen diesen Trend schreibt die Botschaft gestern an die lieben Landsleute und spricht sich für einige Dinge aus. Nach dem Freitagsgebet finde ein Marsch auf (nicht gegen) die französische Botschaft statt. Halt, nein. Der Ausgangspunkt sei das Unabhängigkeitsdenkmal, der Zielpunkt das Märtyrerdenkmal, beides Klassiker der Demonstrationskultur, wenn man nicht im Stadion Massen gegen etwas einschwören muss. Die Botschaft befindet sich nur zufällig bei den Märtyrern und gleicht seit der letzten Bombe ohnehin ein Hochsicherheitstrakt.
Man solle in jedem Fall besser an anderen Orten der Stadt gegen oder auch für etwas sein. Das gelte auch, wenn man im Auto unterwegs sei, trotz der beflaggten Autoaufkleber. Die Aufkleber zogen bisher keine größeren Beschimpfungen nach sich, allein höfliche Hitlergrüße und Rudi Völler-Begeisterung. Ça va und der Fußball? Die Kollegen im Nachbarland haben vor Kurzem ihre Aufkleber von den Autos gekratzt, wahrscheinlich interessieren sie sich nicht für Fußball.

Außerdem empfiehlt die Botschaft, man möge in der am schnellsten wachsenden Hauptstadt des Kontinents Menschenansammlungen vermeiden beziehungsweise sich entfernen, die Autotür immer verriegeln und auch ansonsten keine Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Wollten Sie schon einmal in einer Gruppe Polizisten keine Aufmerksamkeit auf sich ziehen, indem Sie eine Clownsmaske trugen? Aber gut, ich trage weder Clownsmaske noch Autoaufkleber und verzichte darauf, die Rufnummern der hiesigen Behörden in mein Telefon zu speichern (entgegen der Anweisung). Haben Sie schon einmal versucht, Freitagnachmittag eine Behörde zu erreichen?

Der Rest der Post, das Übliche. Die Regierung fragt an, ob man sich beteiligen könne am Programm für die vielleicht dreieinhalbtausend Heimkehrer aus Libyen und Elfenbeinküste, weder Zelte noch Kekse fallen in meine Zuständigkeit. Eine Nachricht aus dem Süden, die Sache mit den plündernden Soldaten sei noch nicht ausgestanden, ich solle lieber nicht vorbeikommen, andere Kollegen schreiben, man könne ob der eskalierenden Lage nach den Wahlen derzeit auch bei Ihnen keine Entscheidungen treffen.
Zur Aufheiterung gehe ich dazu über, deutsche Zeitungen zu lesen. Libyen und die Koalition der Willigen befinden sich zwischen „Heuchelei“ und „Kindergarten“, Tokios Gouverneur versichert, das Wasser in Japan habe schon immer gut geschmeckt. Davon inspiriert und vielleicht vom Echo für Take That wahlkämpft Stefan Mappus für ein Comeback von Philippsburg.

Gelesen, gelacht, gelöscht. Ein Casual Friday in einem gewöhnlichen Büro kurz vor einem normalen Wochenende. Und ich bin nicht dagegen.

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