Was soll schon sein, mit Libyen? Und über Fußball.

März 28, 2011

Wie das denn sei, mit Libyen, ob man was merke, so, bei uns, in Afrika.

Ich fahre durch die Stadt und merke nichts. Die Leute sitzen vor ihren Fernsehern und die Kinder treten auf ihre Fußbälle ein. Ich könnte nicht sagen, seit wann das Gaddafi-Konterfei nicht mehr hängt, das riesig neben dem ebenso riesigen Präsidenten-Konterfei in im Eingangsbereich der neuesten, libysch finanzierten Hotelneubauruine flatterte. Ich weiß auch nicht, ob das Verwaltungsviertel und die Hotels wegen der Krise nicht mehr fertig werden oder aus anderen Gründen bunt verfallen.
Ich schätze, dass in der hiesigen Kornkammer noch immer Reis für Libyen angebaut wird, schließlich wurde dafür vielleicht was gezahlt. Und sehe ich aus dem Fenster, gehe ich davon aus, dass die Imame, die von Gaddafi ihre Gehälter beziehen, dies noch immer tun. Sie rufen zu Demonstrationen gegen die Intervention auf, marschieren durch die Stadt von Botschaft zu Botschaft. Dabei würde ein Libyen nach Gaddafi vielleicht sogar muslimischer. Alles wie immer.

Dabei, fragt man nach, er ist nicht sonderlich beliebt, der selbst ernannte Vater aller Afrikaner, Madame. Gut, man brauche sein Geld, warum nicht, sei doch schön, das neue Verwaltungsviertel, oder Madame, so bunt. Aber mögen? Wahrscheinlich sei er sogar verrückt, wie er damals ankam und dieses Hotel räumen ließ, um sein Zelt aufzustellen. Ja, auch sonst, natürlich, er spiele sich auf, sein Gehabe, die Bauten, das Land, die Moscheen – aber noch immer besser als eine Rekolonialisierung durch Sarkozy. Und was sei die Intervention denn anderes als der Versuch einer Neukolonisierung des Kontinents durch die Franzosen. Oder, Madame, oder.

Neben Neubauruinen und Imamen kommt nun auch schweres Geschütz aus Versehen von Libyen in den Norden des Landes. Einfach so in den ausgemergelten Norden, zusammen mit ausgedienten Söldnern und Flüchtlingen und zufällig kommt das alles Al Quaida im Maghreb ganz recht. Aber von all dem merkt man nichts, wenn man Drogenkartellen und Marines keine weitere Beachtung schenkt.

Was man hier merkt, sind die Folgen der Konflikte in Guinea, in Elfenbeinküste, in Burkina Faso, in Benin, in Niger, aber alles in allem staubt hier die Ruhe noch weitab vom Schuss. Der Regen kommt bald, riechen Sie das, der Mangoregen, und ach ja, Madame, viel wichtiger, gegen Simbabwe haben wir gewonnen. Genau genommen liegt Tripolis auch viel näher an München als an hier.

Hui, kurz nach Textveröffentlichung wurde das Spiel Libyen : Komoren hierher verlegt. Wohin auch sonst.

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