Die komplexen Synergien im Innern der Wurschtmaschine. Eine Initiative.

März 29, 2011

Ob ich die Eröffnungsrede halten könne, zur Tagung des Netzwerkes zu den komplexen Synergien der Beteiligung von Frauen am gesamten Wertschöpfungsprozess in der Wertschöpfungskette der Cashewnuss. Morgen. Um neun. Wegen des Fernsehens.
Natürlich. Seufzend werfe ich die Palavermaschine an und übe mein Staatsfernsehenlächeln. Das kennen Sie ja schon. Dabei mag ich Cashewnüsse nicht mal sonderlich.

Fünf vor neun sind mein Lächeln, meine Rede und ich da und weil nichts passiert, bis das Fernsehen kommt, unterhalte ich mich mit Niels über den Untergang des Wurschtens. Es ist nämlich so, dass kaum mehr jemand selbst wurschtet. Die Wertschöpfungskette der Wurscht etabliert sich quasi ohne die Beteiligung von irgendjemandem.
Das entspricht jedenfalls meiner Erfahrung, ich versuchte, für Niels zweihundert Meter Darm aufzutreiben. Ich erntete in zig Metzgereien bedauerndes Kopfschütteln, man habe kein Stückchen Darm, man wurschte nicht.
Nur einmal, freilich, Madl, Darm, sowieso, immer, aber in der Menge bis morgen – ganz schlecht. Man wurschte gerade die Würschtl für das Grillfest der Freiwilligen Feuerwehr Tandern, vastehst, da bleibt nix, zwoahundert Meter, höchstens Dienstag oder as nächste Moi, dann gern als Spende für Afrika, haha, mogst a Wiener?

Niels hat eine Wurschtmaschine. Niels wurschtet. Er produziert und isst seine eigene Wurschtwertschöfpungskette. Manchmal veranstaltet er Grillfeste, legendär mit Harry von Brot für die Welt. Das nächste Fest soll in der Kneipe von den Australiern stattfinden. Sonst frühstückt man dort Speck-Spiegelei-Kartoffelpuffer-Burger süß-sauer, aber kein Vergleich mit Niels Würschten.

Allerdings sind die Grillfeste jetzt in Gefahr, in Ermangelung von Darm und Strom und während wir uns über Darm und Strom unterhalten, sagt man uns, man warte noch auf das Fernsehen. Irgendwann warten wir nicht mehr auf das Fernsehen, sondern fangen mit der Tagung an, und weil das Fernsehen nicht da ist, braucht man auch keine Eröffnung. Als das Fernsehen dann aber nach einer Stunde Diskussion über die komplexen Synergien der Beteiligung von Frauen am gesamten Wertschöpfungsprozess in der Wertschöpfungskette der Cashewnuss doch noch kommt, unterbricht man die Diskussionen und beginnt die Eröffnungszeremonie.

Niels entwirft während meiner Rede seinen neuen Grill. Ich schalte mein Staatsfernsehenlächeln ein und versuche, nicht ständig an Wurscht zu denken oder gar „Wurscht“ zu sagen. Womöglich noch Schweinswürschtl im muslimischen Staatsfernsehen, ein Eklat.

Das bringt mich zu einer Frage: was ist eigentlich Ihr liebstes Wurschtrezept? Oder sind Sie gar nicht mehr am Wertschöpfungskettenprozess der Wurscht beteiligt? Es wurschtet ja kaum mehr jemand. Vielleicht sollte ich beim nächsten Grillfest ein komplex synergetisches Netzwerk gründen. Machen Sie mit! Cashewnüsse wachsen schließlich auch nicht in der Dose.

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