Von Straußen lernen. Über Hund, Katze, Maus und andere Nachbarn.

April 26, 2011

Es ist so. In diesem Land gibt es nicht viele Tiere. „Alle aufgegessen“, heißt es im Scherz, wie es so ist, mit den Scherzen und ihrem wahren Kern. Das betrifft nicht nur große Katzen, freche Affen oder kleine Dickhäuter. Es gilt auch für Ratten, streunende Hunde oder Miezis.

Zum Beispiel die Katze, die sich in unseren Garten verirrte. Von Katzen lernen, hieße liegen lernen: sie lag mager und zerzaust auf dem Garagendach im Schatten des Mangobaums, fraß ab und zu etwas, was ein Vogel gewesen sein könnte. Seit längerem allerdings bleibt unser Dach verwaist, ich weiß nicht, wo sie hin ist, ich weiß nur, dass unser Gärtner manchmal Vögel jagt, vielleicht zog die Miez bei einem Nahrungskampf den Kürzeren, wurde vom Jäger zur Gejagten. Vielleicht war ihr auch langweilig bei uns.

Ich hätte sie gerne gefüttert, die Miez, aber ich durfte nicht. Tim sagte, ich solle einen Gecko in eine Socke stecken, wenn ich ein Haustier mit Fell haben wolle, man könne keine Tiere hätscheln, wenn nebenan die Kinder verhungerten.

Nebenan. Von wegen. Unsere Nachbarin hat gar keine Kinder, sie hat auch keinen Tim, sie hat Katzen. Zwei. Sie werden nicht nur gefüttert, sondern sogar bekocht. Zweimal zwei Mahlzeiten pro Tag, jeweils Fleisch und Fisch, weil die eine nur Fisch und die andere nur Fleisch frisst. Nach dem Essen liegen sie faul herum, aber nein, nicht etwa auf Garagendächern, sondern im Haus. Genauer: im Katzenzimmer. Präzise: im extra klimatisierten Katzenzimmer. Ist schließlich heiß, dieses Afrika.

Gegenüber wohnt ein Herr mit seltsamen Gartenbewohnern, er hält sich zwei Esel. Sie machen im Großen und Ganzen wenig bis nichts, werden dafür auch nicht bekocht. Er hat sie einem Müllfahrer abgekauft, weil er fand, er behandelte sie nicht gut. Von dem Geld heiratete er eine weitere Frau und jetzt ziehen seine Kinder den Müllkarren.

Unsere anderen Nachbarn haben einen Hund. Kevin. Kevin ist noch recht jung, bewohnt eine Zweizimmerhundehütte. Viermal die Woche kommt der Hundetrainer, um Sitz!Fuß!Platz!Brav!Fein!Pfote!Pfui!Leckerli-Aus!NichtdasHerrchen!Aus!AHAUS! und andere Dinge zu üben. Wachhund will gelernt sein. Die Nachbarin informiert mich auch täglich über die Kevins Fortschritte, wobei sie mich letztens im Unklaren über die Leckerli-Vorlieben lassen musste, denn, Ach Glitzer, es gibt hier einfach keine vernünftigen Wurstis, aber huch, schon so spät, ich muss los, Hundeschwimmen.

Ich habe auch so geguckt. Wurstis. Hundeschwimmen. Aber wenn es auch so heiß ist, dieses Afrika.

Unser Franz Jott hatte es nicht halb so gut. Bei der Besichtigung der nordkoreanischen Straußenfarm am Rande der Stadt hatte man ihn uns feierlich überreicht. Und einem geschenkten Strauß schaut man bekanntlich nicht in den Schnabel, auch, wenn er weder Fell hat noch in eine Socke passt. Wenigstens ernährte sich Franz Jott weitgehend selbst, war auch sonst anspruchslos und ein guter Einbrecherschreck. Hin und wieder spazierte ich mit ihm durchs Viertel, er war sehr neugierig und plusterte sich auf wie ein Pfau.

Während des Urlaubs hatte unser Gärtner den Auftrag, ihn regelmäßig auszureiten. Als wir allerdings wiederkamen, war er fort. Beim Synchronschwimmen mit Kevin ertrunken, hieß es. Daran glaube ich nicht. Können Sie sich Franz Jott beim Synchronschwimmen vorstellen? Mit jemandem, der Kevin heißt? Na bitte. Vielleicht war ihm langweilig, vielleicht lief er zurück in die Farm zu seinen Geschwistern. Oder er spielt im Haustierhimmel mit der mageren Garagendachkatze. Dort ist es bestimmt schön kühl.

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