Ihre Verbindung wird gehalten. Und noch mehr Passierscheine.

Mai 19, 2011

Es ist so. Unser Büro ist umgezogen. Mein Büro befindet sich im Erdgeschoss, noch vor der Rezeption, tatsächlich erste Tür rechts. Deswegen kommen alle Leute in mein Büro. Ça va, et la famille, ob ich Arbeit habe, Ça va, et la famille, die Post, Ça va, et la famille, wo bitteschön fände man denn Frau Skypeverbot, Ça va, et la famille, ob ich eine Klimaanlage kaufen wolle, die kühlte, wo Mutti nur noch heizen könne, haha, Ça va, et la famille, man sei angerufen worden, die Mücken zu fangen. Meistens schicke ich die Leute an die Rezeption.

Mein Büro ist das einzige Büro, das die Rezeption im Blick hat und bisher auch das einzige Büro im Erdgeschoss, deswegen schickt der Herr an der Rezeption die Leute meistens zu mir zurück. Damit ich nicht das Haus bin, das Verrückte macht, bemühe ich mich, herauszufinden, wo ich die Leute besser hinschicken kann. Dazu brauchte ich ein Telefon.
Das war ein Problem.

Ich hatte ein Telefon, das noch nicht angeschlossen war, weil die Leute, die ihre Büros auch im Erdgeschoss haben, noch
nicht eingezogen waren. Und nur wegen mir nehme man das Erdgeschoss noch lange nicht in Betrieb. Ich könne ja an der Rezeption telefonieren. Für die habe man eine Ausnahme gemacht. Ich muss sehr sehr irritiert geguckt haben, vielleicht habe ich auch etwas gesagt, ich erinnere mich lieber nicht, jedenfalls bekam ich einen Anschluss. Natürlich nur unter lautem Augenverdrehen, wieso ich mich eigentlich immer so anstelle.

Zu Kontrollzwecken sollte ich nach Einrichtung der Durchwahl – ich bekam die schicke -112 – Frau Skypeverbot anrufen. Die Logik verlangt, dass sie für das Telefon zuständig ist, jedenfalls für meines. Was das für eine Durchwahl sei. Die -112, Ja, das sehe sie auch, das ginge aber so nicht. Wieso ich keine drei vorne dran hätte. Ich erschloss, dass die Durchwahlen im Erdgeschoss eine eins vorne dran hätten, die im ersten Stock eine zwei und die im zweiten Stock eine drei. Ich säße aber nicht im zweiten Stock, sondern im Erdgeschoss, deswegen eins, nicht drei. Das ginge so nicht, das würde alle nur verwirren, denn eigentlich gehöre ich ja in den zweiten Stock, naja, das könne man ja auf der Telefonliste ändern, überhaupt, wieso ich nicht auf der Telefonliste stünde, naja, auf der Telefonliste jedenfalls solle ich die -323 bekommen. Klick.

Kurz darauf, ça va, et la famille, er sei von der Telefongesellschaft und solle mir eine neue Nummer einrichten, dabei ginge das so nicht, ich säße doch im Erdgeschoss. Ich zucke die Schultern und versuche den armen Mann mit Frau Skypeverbot zu verbinden.

Die Telefonliste sagt mir, Frau Skypeverbot habe die Durchwahl -320. Stimmt, sie sitzt im zweiten Stock, das war einfach.
Das Displays meines Telefons zeigt mir an, dass ich nicht Frau Skypeverbot, sondern meine Kollegin Cindy anrufe und bevor ich auflegen kann, meldet sich mein Kollege, oui, ah, glitzer, ça va, hast Du auch endlich ein Telefon, eine seltsame Nummer, ach so, ich säße ja da unten. Ich frage ihn, wieso er weder Frau Skypeverbot sei, wie im Telefonverzeichnis, noch Cindy wie auf dem Display. Das sei ihm eigentlich egal, er habe die -320, vielleicht stimme die Verstöpselung der Telefonanlage nicht, die Liste, welche Liste, wahrscheinlich sei meine veraltet, schließlich stehe ich auf seiner auch mit der -323 und riefe aber nun von -112 an. Wie das überhaupt ginge. Ich könne ja auch hochkommen, wenn ich mit Frau Skypeverbot reden wolle, wieso ich mich so anstelle.

Ich erkläre dem Herrn von der Telefongesellschaft, wo Frau Skypeverbot sitzt, er läuft an die Rezeption, kommt zurück, ich schicke ihn noch einmal los.

Das Telefon klingelt, das Display sagt, es sein meine Chefin, als ich abhebe, ist allerdings Cindy dran, Hä, wie das denn gehe, glitzer, ich säße doch im Erdgeschoss, sie habe aber eine drei vorgewählt und überhaupt wolle sie zu unserer Chefin, so stehe das auf der Liste. Ich behaupte, ich würde sie verbinden und singe ein bisschen Warteschleifenmusik, bis sie, Glitzer! GLITZER!, entnervt auflegt.

Ich besorge mir einen Raumplan des neuen Gebäudes und bastele ein paar Passierscheine, Marke A 38. Ein Glück, dass mein Büro so leicht zu erreichen ist. Jedenfalls, wenn man es nicht per Telefon versucht. Gerne können Sie mich besuchen kommen. Erste Tür rechts.

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