“I am the only guide in the village.” Die Söhne des Imam.

August 14, 2011

Djenné. Zentrum der sudanischen Lehmarchitektur. Die Moschee von Djenné ist der größte Lehmbau der Welt. UNESCO Weltkulturerbe.

Es ist so. Meine Schwester und ich sind in Djenné, um zu tun, was Touristen tun müssen: die Moschee bewundern, die Häuser, den Montagsmarkt. Ich wundere mich desweiteren jedes Mal wieder, wie um alles in der Welt ich die französische Vokabel für Abwasserreinigung gerade im Zusammenhang mit Djenné lernen konnte, aber das ist eine andere Geschichte.

Wir stehen also vor der Moschee, vor uns Fanta und Fatoumata, die Ketten verkaufen wollen. Uns. Unbedingt uns. Es gebe nämlich derzeit keine anderen Touristen, wir Schwestern sähen uns so ähnlich, seien die ersten Kundinnen und weil Schwester Fanta was abkauft, müsse ich Fatoumata eine Freude machen, wo ich ihr die letzten drei Male hier schon nichts abkaufte, das wisse sie genau, dabei, Madame, man müsse sie ermutigen, sie würde einen guten Preis machen, alles sei weniger teuer et cetera und so fort. (Falls Sie überlegen, hierher zu reisen, lasse ich Ihnen den Monolog gerne vorab zukommen.)

Während ich Fatoumata nichts abkaufe, versuche ich gleichzeitig Michel le Magnifique loszuwerden. Das sei er, stellt sich der bullige Mann vor, der in seinem Muskelshirt gekonnt das Fotomotiv Moschee versperrt. Man habe es nicht so gerne, wenn Touristen so ziellos durch die Stadt liefen, wo es doch so viel zu sehen gebe. Er sei zufällig ein offizieller Guide, wie alle seine Brüder und Onkel. Alle weiteren seien längst nicht so offiziell, er fürchte, sie würden uns bestimmt belästigen, falls wir nun darauf bestünden, die Stadt auf eigene Faust zu erkunden. Würden wir? Na gut, aber, wenn wir wollten, nur zur Sicherheit natürlich, könnten wir vorab vom Dach seines Hauses einen Blick auf die Stadt, die Moschee und den Markt werfen.
Nein, aha , oder später, er könne das gerne organisieren, eigentlich dürften ja Touristen nicht in die Moschee, aber gegen einen geringen Beitrag würde sich da was machen lassen, gerade für die Schwestern, die heute die ersten Kundinnen seien.
Oder, vielleicht, ein anderes Angebot. Sein Bruder könne kein Französisch, könne uns aber gerne begleiten, um die anderen Guides abzuhalten, gleichzeitig aber nichts zu erklären. Für ihn sei das eine hervorragende Chance, Französisch zu lernen, für uns eine gute Tat oder er lerne eben Deutsch, auch recht. Fünftausend?

Irgendwann schlendern wir durch die Seitenstraßen rund um die Moschee, treffen auf Abdoulaye, ça va les sœurs, Wir seien seine ersten Kundinnen, nein, aha, dann eben kein Geschäft, sondern ein Angebot. Wir hätten Glück, er sei der Sohn des Imam und gegen einen geringen Beitrag könne er mit seinem Vater reden, wir könnten uns die Moschee ansehen, obwohl das verboten sei, aber er als Sohn. Er könne uns auch gerne die Stadt zeigen, wo wir uns gerade herumtrieben sei es für Schwestern eigentlich nicht interessant. Nein? Gut, vielleicht wolle ich mir zur Sicherheit seine Telefonnummer merken, dann könne ich ihn anrufen, sobald wir uns überlegt hätten, die Moschee zu besichtigen.

Es spült uns nach einiger Zeit zurück auf den Markt, wo uns eine Jungswolke zu überreden sucht, ihnen einen Fußball, Bonbons, Kekse, Bleichcreme, Schuhe oder sonst! irgendetwas! zu kaufen!, während ihre kleine Schwester uns Ketten anbietet, Sie haben es erraten, wir seien die ersten Kundinnen und so weiter.
Michel le Magnifique kreuzt in regelmäßigen Abständen unseren Weg, ça va, les sœurs, ob er uns die Frauenkooperative zeigen solle, oder später vielleicht. Auch seinen Bruder treffen wir, der uns auf Französisch, Englisch und Deutsch zu einem Stoffverkäufer führen will.

Schwester drängt, ob wir nicht einfach wieder rückwärts da raus könnten, raus raus raus, wir schlagen uns erneut ins Abseits. Ich steuere auf einen Laden zu, die Touristeninformation. Ich habe sie wohl nicht alle, ob ich wirklich da rein wolle, da seien bestimmt noch mehr. Im Laden überreden wir den Mann, dass die Bücher, die er ausliegen hat, zu verkaufen seien und erstehen einen Bildband.
In Ruhe betrachtet, ist es nämlich wunderschön, dieses Djenné.

Ach so, Sie wissen ja, dass ich Liedtexte nicht vergessen kann, ebenso ergeht es mir mit rhythmischen Zahlenreihen. Falls Sie also einen Guide für Djenné suchen, hier Abdoulayes Nummer: 74 12 47 06, mit schönen Grüßen von den Schwestern.

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