Disney far niente. Eine Genesung.

September 6, 2011

Es ist so. Eine unserer Familienlegenden berichtet von einem Italienurlaub, der eigentlich keiner war, weil Kleinglitzer ihn allen verdorben hat. Ich mochte dieses Italien nicht, mit seinen Mücken und der Hitze und den Strandbungalows, wurde krank, bekam Fieber, wir reisten vorzeitig ab. Kurz nach der Grenze zu Österreich ging es mir besser, in Deutschland ward ich vollständig genesen.

Nichts hat sich geändert, früher wurde ich in den Ferien krank, nun im Urlaub. Auf dem Hinflug der erste schläfrige Fieberschub, in der Folge bin ich eine Woche lang damit beschäftigt, zwischen wirren Träumen meinen Körper mit einer Monatsration Immodium zu erhalten. Nur das Gefühl in den Fingern verliere ich zeitweise trotzdem. Ich schlafe gegen die Anstrengung, immer diese Anstrengung auf diesem Kontinent. Was ich hier treibe, sei kein Urlaub, meint der Arzt und verordnet mehr Schlaf. Dabei sei es so schön hier, paradiesisch gar, und so anders im Gegensatz zu zu zu – dort halt.

Ich verschlafe das Paradies vor meinem Fenster. Zwar ist Winter, aber draußen gebe es Shoppingmalls, Müsli, Mineralwasser, Natur, Cafés, Tiere, Infrastruktur, Europäer, die in der Privatwirtschaft arbeiteten. Die Straßen fast schlaglochfrei. Disneyland, berichtet Tim atemlos. Drinnen immerhin DisneyTV, Bundesliga und einen Sender, der rund um die Uhr Food ausstrahlt. Irgendwann packen sie mich ins Auto, ich könne schließlich überall schlafen, statt Disney solle ich Harry Potter lesen, Tim will ans Meer von Disneyland.

Als ich aufwache, scheint der Kontinent verschwunden und mit ihm die Anstrengung. Ein Kellner fragt auf Englisch, ob die Biiittäär Lemonä für mich sei oder doch die Focaccia con Mozzarella. Ich zwicke mich in den Oberschenkel, aus Angst, im Foodsender gelandet zu sein, doch tatsächlich, eine Eisdiele, die Eisdiele von Anna und Andrea, chiuso venerdi. Ich nehme die Focaccia und einen Espresso, der nicht nur italienisch heißt, sondern auch so schmeckt.
Um mich herum Leute in Strandbekleidung, ein italienisches Einrichtungsgeschäft und Tim beteuert, die Spaghetti seien al dente, wir seien nicht mehr in Klischeeafrika, sondern in der Zukunft des Kontinents. Ob ich noch ein Eis wolle. Eis!

Das Fieber sinkt analog zu meinem Italienkonsum rapide, ich schaffe es, mehrere Stunden am Stück wach zu bleiben, schließlich einen ganzen Tag, schalte meinen Afrikamodus ab, laufe barfuß durch Wasser, esse Salat, lerne italienisch vom Barkeeper und werde diesmal in Italien gesund. Einfach so. Am Meer.

Zu Hause hat die Regenzeit überall ihre Schimmelspuren hinterlassen. Erstaunlich, was alles schimmeln kann, nein, nicht vergessener Frischkäse im Kühlschrank, sondern Anzüge, Sofas, Terminkalender. Ich fürchte, dass sich der Schimmel auch meiner bemächtigt, samt Fieber. Meine verzweifelte Gegenwehr: ich backe Focaccia, koche Spaghetti, lerne italienisch und bin mein eigenes Disneyland. Vielleicht hilft es.

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Eine Antwort to “Disney far niente. Eine Genesung.”

  1. mare13 said

    what the hack?

    ……
    herbststürme hier.. wandel… liebe-basierend…

    und: die finger? klettern bitte!

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