Alle Achtung. Neues aus dem Postfach.

September 9, 2011

Es ist so. Ich komme also aus Italien wieder, das gar nicht Italien war und gehe irgendwann wieder ins Büro. Dort mache ich, was man macht, wenn man am ersten Tag nach längerer Abwesenheit im Büro ist. Computer, E-Mails. Das Postfach voll, das behaupten alle, die nach längerer Abwesenheit ihre E-Mails ansehen, schließlich ist man wichtig, allerdings nicht so neumodisch wichtig, dass man im Urlaub seine Mails checken müssen möchte. Wozu auch.

Ich zum Beispiel erhalte die unnütze Mail, dass am Mittwoch, 24. August 2011, die Erste-Hilfe-Stelle am Standort Budenheim schon ab 15.00 Uhr geschlossen sei. Man feiere wohlverdientes Sommerfest. In dringenden Fällen solle man sich an einen diensthabenden Arzt unter der Telefonnummer etc.pp wenden. Ab Donnerstag sei man wieder in gewohnter Weise für das Wohlbefinden aller da.

Sie wissen, ich sitze nicht in Budenheim, wie knapp 10.000 andere Angestellte von NeueFirma ebenfalls nicht. Wir sitzen weltweit. Doch diese Mail geht an alle. Solche Mails gehen immer an alle. Deshalb erhält man in der Folge die Antworten aller an alle.

Der Klassiker in NeueFirma ist die Forderung nach Übersetzung der Mail an alle. Vielleicht wegen des Inhaltes, vielmehr aber wohl, um zu zeigen, dass _die da oben in Deutschland_ _uns hier draußen_ immer vergessen und alle alle wichtigen Mails zwar an alle schicken, nicht aber für alle. Deshalb nun bitte eine Übersetzung ins Englische. Am besten an alle.

Aber nein, die spanischsprachige Welt dürfe nicht vernachlässigt werden, deshalb die vielfache Forderung, die Mail doch bitte auch ins Spanische zu übersetzen.

Inzwischen, Sie kennen das, schreiben mild gereizte, hoch internetkompetente Kollegen belehrende Mails an alle, dass man nicht mehr an alle antworten möge, weil sonst alle ein Postfachproblem wegen aller hätten.
Verzweifelt die Mail eines Kollegen, der liebenswürdigerweise, um dem allem ein Ende zu bereiten, eine englische Übersetzung des Sommerfestes an alle schickt, sogar mit Ländervorwahl des empfohlenen Arztes. Wo aber nun die französische Übersetzung bliebe, fragt eine Dame alle, woraufhin jemand alle warnt, dass es sich bei der besagten Mail vielleicht um einen Virus handeln könne, woraufhin alle hocherschrocken oder – im Falle der hoch internetkompetenten Kollegen – hoch beschwichtigend reagieren.

Es dauert circa zweihundertfünfzig Mails an alle, bis irgendwo in der Zentrale von NeueFirma ein Internetsklave das Ausliefern der Nachrichten über das Sommerfest der Erste-Hilfe-Stelle am Standort Budenheim an alle verhindert.

Mir bleibt der schwache Trost, dass Menschen, die mitten im August Mails an alle schicken von all jenen, die nicht im Büro sind, eine Abwesenheitsmail erhalten. Bei über 10.000 durchaus beachtenswert. Alle Achtung.

(Sollte ein Vorstand im Sommer eine Mail an alle schicken, dann vielleicht, um in seinem nächsten Interview behaupten zu können, dass er, sobald er eine Mail an alle schicke, SOFORT unheimlich viele Antworten erhielte. Meine Theorie. Aber ich fahre ja auch keinen Oldtimer.)

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Eine Antwort to “Alle Achtung. Neues aus dem Postfach.”

  1. jke said

    Könnte auch „Neues aus der Anstalt“ heißen. Oh my…

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