Über alles. Und über Deutschland.

September 18, 2011

Der erste Weiße, der je einen Fuß nach Timbuktu gesetzt habe, erzählt Moussa, sei ein Deutscher gewesen. Sein Haus stehe noch.

Die ersten, die die Unabhängigkeit dieses Landes anerkannt hätten, seien die Deutschen gewesen, vor über fünfzig Jahren.

Dann habe sein Vater angefangen, für die Deutschen zu arbeiten. Straßenbau. Sein Onkel habe bei den Deutschen als Wächter gearbeitet und er, er fahre nun seit zwanzig Jahren für die Deutschen, spreche nur leider zu wenig Deutsch.

Die Deutschen seien gute Arbeitgeber, ja, tatsächlich, sie zahlten anständig, kein Scherz, Madame, behandelten die Menschen respektvoll und man könne sich auf das Wort eines Deutschen verlassen, wo gebe es dann schon noch.

In der Politik, da sei es genauso, was die Deutschen sagten, das habe Hand und Fuß, da solle sich Frankreich mal eine Scheibe abschneiden, immer erst die ganze Welt provozieren und sich dann verziehen. Man müsse sich nur die Deutsche Botschaft hier ansehen, so freundlich, so offen und dann die der Franzosen! Ein Fort! Sie hätten Angst.

Deutsche müssten nirgendwo auf der Welt Angst haben. Sie könnten sich überall auf der Welt frei bewegen und würden von allen geliebt. Immer nur von allen geliebt. Er arbeite gerne für die Deutschen.

Vom deutschen Fußball ganz zu schweigen! Voller! Beckenbauer! Schweinsteiger!

Doch, die Deutschen seien gute Menschen.

Nur eine Frage habe er. Manchmal, da salutiere man hier den Autos mit den deutschen Aufklebern ganz anders als man sonst militärisch salutiere. Ob das typisch deutsch sei.

Kurz darauf ein Gespräch mit einem Kollegen. Über den Stolz auf die Bundesrepublik. Die alte Bundesrepublik, früher, die Bundesrepublik, die Leuten ermöglicht habe, auf dem zweiten Bildungsweg zu studieren und die – ach. Früher. Ob ich mich jetzt schon beworben habe, bei denen, die aus dem Stolz auf die alte Bundesrepublik heraus nun politische Bildungsarbeit leisteten. Wir trinken noch ein bisschen Bier und denken an Berlin.

Monate später sitze ich in einer unwirtlichen Umgebung, Disziplin und Fleiß, möchte seit drei Tagen eigentlich nur nach Hause. Neben mir ein kratziger Kollege, auf der anderen Seite der Geschäftshaber der Botschaft. Hinter mir an der Wand steht, ich sei für West- und Zentralafrika plus Madagaskar zuständig. Madagaskar… irgendwann würde ich da tatsächlich gerne hin. Während ich überlege, wo ich sonst noch so hinmöchte, am Besten JETZT, erklingt die deutsche Hymne. Und diesmal – ich bin selbst überrascht – wird auch mir ganz weihnachtlich dabei. Bald ist wieder 03. Oktober, wie seltsam. Wie anders.

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