Disziplin und Fleiß. Letzte Worte aus Falschwo.

September 18, 2011

Es ist so. Ich hatte mich mit der irdischen Welt abgefunden, davon überzeugt, ich würde in Nigeria am Geldautomaten die staatliche Lotterie eines trusted, aber leider sehr kranken Onkels gewinnen, während meine Karte ausgelesen wird und ich vor allem kein Geld erhalte. Dennoch würde ich kurz darauf ausgeraubt werden und weder sollten das Golden Destiny Hotel noch die Daughters of Divine Love mich je zu Gesicht bekommen – dabei hätten letzte noch ein gutes Wort für mich einlegen können. Das leise Ende einer Glitzer.

Ich mag Dienstreisen nicht sonderlich. Vor allem diese, zu erschöpft, zu kraftlos, zu nah am Wasser. Aber gut. Man lernt ja und wenn eine eine Reise tut, kommt heutzutage eben ein Blogeintrag heraus. In Accra habe ich noch die Hoffnung, dass ich vielleicht tatsächlich nie ankäme aufgrund der Flugverspätung. Seltsam aber, trotz allen Nichtankommenwollens finde ich, dass ich jetzt doch langsam nicht mehr hier rumsitzen möchte. Müde bin ich. Um mich wachzuhalten, konsumiere ich Dinge, von denen mir schlecht wird. Burger. Bounty. Büchsencola.

Ich rufe den Fahrer an, er scheint sich glücklicherweise an mich zu erinnern, lacht, als ich sage, ich käme später. Ich solle einfach anrufen, falls ich ankäme. Falls. Good luck.

Viel Glück wünschte auch der Kollege am Vortag, ein seltsamer Abschiedsgruß, das Glück sei mit den Dummen, heißt es. Vielleicht sollte ich mich doch genau jetzt in den Flug nach Hause schmuggeln. Aber nein, Disziplin und Fleiß, so das Motto der Veranstaltung zu der ich eingeladen bin, ich steige in den sauren Flieger. Und werde sogar erwartet.

Der Fahrer hat einen betrunkenen Beifahrer im Schlepptau, der leider alles managen will. So oder so, wir kommen an. Vor dem Hotel ein großes Feuer, grösser als die, die ich gegen Müll oder Mücken kenne. An der Mauer die Aufschrift, dass man dringend Security suche. Ich beschließe, nicht zu überlegen, ob es sich tatsächlich um eine Suchanzeige des Hotels handelt oder um den gut gemeinten Rat irgendwelcher zwielichtiger Geldeintreiber oder Spielautomatenkartelle.

Fünf Stunden mit weniger Security, dann muss ich ohnehin wieder Richtung Flughafen. Leicht gesagt. Die Straße nämlich ist gesperrt. Nein, nicht von der Polizei oder irgendeiner Bande, sondern mit einem soliden Tor, das mit einem nicht weniger soliden Vorhängeschloss gesichert ist – von den Anwohnern. Die aber schlafen noch und es dauert eine Weile, bis der Herr mit dem Schlüssel aufwacht und uns raus lässt, aus dem Viertel. Wegen der Sicherheit, believe it.

In der nächsten Stadt lande ich pünktlich und werde angewiesen, den Flughafen durch eine Tür zu verlassen, die den Eindruck eines Bühnenhintereingangs erweckt. Egal aber, ich werde diesmal nämlich entgegen der Zusage nicht abgeholt, kann mit meiner SIM-Karte nur erratisch telefonieren, am Flughafen aber keine kaufen und Geld habe ich entweder zu groß oder zu wenig für ein Taxi. Außerdem bin ich zu müde für ein Taxi.

Ich frage zwei Frauen, ob ich ihr Handy leihen dürfe, Ah, are you German, We have been to Tuttlingen lately, und organisiere eine Abholung, Später, eine Stunde? Eineinhalb? Mir ist alles egal, mein neu erworbener Nazikrimi dick genug und ohnehin auf Französisch, ich kann also warten. Dumm nur, dass ich müde noch weniger Lust auf fremdsprachige Nazikrimis habe. Disziplin und Fleiß, ich lese wenigstens die Sexszene zu Ende, nachdem ich mich noch ein bisschen über Tuttlingen unterhalten habe.

Irgendwann, Look to your right, you see? This is the UN building they bombed lately, interesting, isn’t it!, lande ich in der Obhut der Daughters of Divine Love, melde mich von Mittagessen und Abendeucharistie ab und schlafe. Nur keinen Fuß vor die Tür setzen müssen. Das war‘s auch schon. Enttäuschend? Gut, nächstes Mal gehe ich zum Geldautomaten.

In der Zwichenzeit freue ich mich auf zu Hause, aber nicht auf unterwegs, diesmal gilt es, eine Nacht auf einem Flughafen zu verbringen, von dem ich mir nicht sicher bin, ob er nachts überhaupt auf hat. Irgendwie bin ich grad immer falschwo. Aber mit Disziplin und Fleiß komme ich bestimmt an. Und mit Glück. Believe it.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s