Der Anfang der Wehmut. Und frohes Neues.

Januar 3, 2012

Es ist so. Während wir in das letzte Jahr rutschten, saßen wir auf einer Dachterrasse in Ségou, unten wurde geböllert, oben wurde geguckt, irgendwann gingen wir früh ins Bett, es war warm. Dieses Jahr stehen wir in Haidhausen, gegenüber wird geböllert, drüben wird getrunken, irgendwann errate ich, dass ich Bugs Bunny bin, es regnet.

In Bamako atme ich zuerst diese Luft, diese fette, rauchige Luft. Wäre man nicht zum Arbeiten hier, röche es nach Frühling, Urlaub. Enge, Lachen, Chaos, Erinnerungen – mir dämmert, was ich in acht Wochen vermissen werde. Bonne heureuse année, Madame, ça va, taxi?

Unser Haus liegt seltsam im Dunkeln. Ca va, bonne heureuse année und die Alten und die Familie und Deutschland und die Gesundheit, es sei lange her, die Reise, die Gesundheit? Ja, selbst alles gut, ça va, jaja, die Familie und ja, das neue Jahr und das Fest und nun ja, es gebe keinen Strom. Sicherlich, alle anderen hätten Strom, aber wir, nun ja.

Während wir unser Vokabular um „Rakete“ erweitern, finden wir heraus, dass „kein Strom“ heißt, es habe gebrannt. Das Dach habe gebrannt, die Nachbarn und die Feuerwehr seien gekommen, jetzt hätten wir keinen Strom. Die Feuerwehr, bemerkenswert. Sie – wie auch die Polizei – kommt erst dann, wenn man ihnen das Benzin dafür zahlt. Diese Verhandlungen können dauern. Überhaupt, Feuerwehr: haben sie unser Dach mit unserem Gartenschlauch gelöscht? Alle Achtung. Ich erinnere mich nur entfernt an so etwas wie Wasserdruck.

Innen sieht man nichts, einerseits ist es dunkel, andererseits hat das Feuer nicht durchgeschlagen und die Stromkabel hingen schon vorher recht belanglos von der Decke. In weihnachtlicher Teelichtatmosphäre wird uns wieder klar, dass Alltag hier immer ein bisschen anstrengender war, das neue Jahr mit dem Elektriker beginnen wird, unsere mitgebrachten Käse- und Schokoladenvorräte bei 30 Grad schneller zu essen sind. Sofort.

Am nächsten Tag beginnen die Verschwörungstheorien. Wieso die Nachbarn so schnell da gewesen seien, ob es wohl ihr Querschläger war, der das Vordach schmolz, bevor sich die Strohauflage entzündete? Egal. Aber! Als man die Kinder das letzte Mal sah, bereiteten sie das Sankt Martins-Feuer vor, das sich in den Mangobaum schlug, während den Freunden mitgeteilt wurde, man sei bei diesem „German thing with the fire“. Auch egal. Sie haben unser Haus gelöscht. Quelle chance, freut sich Oumar, es hätte auch ganz abfackeln können! Wahrscheinlich hat er Recht. Und kein Strom ist ja auch eine alte Bekannte.

Frohes Neues und willkommen daheim. Ab morgen kühlen wir unseren Käse im Bürokühlschrank.

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