Miau! Mio! Das Gefahrenpotenzial angelutschter Hustenbonbons.

Januar 24, 2012

Es ist so. Die zentrale Servicestelle schickt eine Mail, Betreff: Nagerproblematik. Zwar habe man diese in den meisten Teilen der Firma nun in den Griff bekommen, noch immer aber stehe man ihr gegenüber. Um der Nager, bei denen es sich vor allem um Mäuse handelt, Herr zu werden, mögen bitten alle die im Folgenden dargestellten Empfehlungen beherzigen.

Alles, alles, aber auch wirklich ALLES Essbare biete einen Anreiz für die Mäuse, angelutschte Hustenbonbons ebenso wie der kleinste Kekskrümel. Selbiges und anderes möge man bitte noch zu den Arbeitszeiten in den Kaffeeküchen fachgerecht entsorgen, damit das Servicepersonal dies vor Dienstschluss aus dem Haus schaffen könnte. Nur so könnten die Köder in den ausgelegten Fallen ihre Wirkung tun.

Desweiteren möge man privat bevorratete Lebensmittel nur noch in sicher verschließbaren Behältnissen auf für Nager unzugänglichen Sideboards aufbewahren. Zu beachten sei hierbei, dass Rollcontainer keine Sideboards seien und darüberhinaus von ihrer Unterseite her zugänglich. Büros, die nicht über solcherart Sideboards verfügten, würden in den nächsten Tagen damit ausgestattet.

Vor meinem geistigen Auge schaffen Männer in Schutzanzügen bergeweise angelutschte Hustenbonbons und Kekskrümel in gelben, mit Totenköpfen bezeichneten Tüten aus dem Haus, während schreiende Mitarbeiter sich verzweifelt an ihre Vorratsdosen klammern – erfolglos, sie werden gewaltsam getrennt. Außerdem frage ich mich, ob das Nagerproblem vor allem darin besteht, dass die Mäuse sich über private Vorräte hermachen, die aus unerklärlichen Gründen im Büro gelagert werden. Und, ob besonders ausgehungerte Mitarbeiter nun ihrerseits die Köder aus den Fallen fischen.

Ich entwerfe eine Antwortmail an alle, auf Französisch, Deutsch, Englisch, Spanisch, Russisch, Chinesisch, Sorbisch und Latein, frage, ob ich denn demnächst auch mit einem ähnlich hilfreichen Merkblatt gegen die Ameisenproblematik rechnen dürfe. Und ob sicher verschließbare Behältnisse im Sinne der allgemeinen Hygiene künftig über Büromittel abgerechnet werden dürften, als ein Maunzen meine Konzentration unterbricht.

Vor meinem realen Auge fläzen sich die Bürokatzen die Feuertreppe entlang. Sie stehen unter dem persönlichen Schutz von La Directrice, wohnen in ihrem Büro, werden auf ihre Anweisung von Büromitarbeitern gefüttert, deren eigene Kinder nur an Feiertagen ein Mittagessen bekommen. Gleichzeitig ernähren wir so alle Ratten der Nachbarschaft. Vor Kurzem habe ich gelesen, dass man pro entdeckte Ratte mindestens zehn weitere vermuten muss. Ich habe lieber aufgehört zu zählen und zu rechnen. Tierliebe, entgegnet La Directrice. Bemerkungen lokaler Kollegen, man habe durchaus auch Katzenesser im Team, werden strafleidenden Blickes ignoriert.

Flöhe haben die Katzen trotzdem und Junge kriegen sie auch. Ich überlege, ob ich der Servicestelle besser einen Deal anbieten soll. Katzen – Projektkatzen! Die gehören quasi schon zum Team! – gegen Nager. Dafür unterstützt mich die Zentrale Servicestelle beim Start-Up meiner Tischameisenbärenzucht. Diese Mail schicke ich lieber nicht an alle. Beim Rausgehen gurre ich die Katzen freundlich an. Wer weiß, wie oft ich sie noch sehe.

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