Stollen und staade Zeit. Tage in Dosen.

Februar 3, 2012

Der Präsident spricht. Am dritten Abend der Unruhen in der Hauptstadt und über zwei Wochen nach den ersten Angriffen im Norden meldet er sich erstmals öffentlich zu Wort. Er spricht nicht viel über den Norden, kondoliert den Familien der gefallenen Soldaten und spricht löblich über die Armee. Weiterhin ruft er dazu auf, nun nicht die Tuareg, die mitten unter allen wohnten, die Sorgen, Nöte und Hoffnungen teilten, mit denen zu verwechseln, die im Norden die Waffen erhoben hätten gegen die Einheit der Nation.
Eine Zeitung schreibt ähnlich, man dürfe die Dinge nun nicht vermischen und die hiesigen „peaux rouges“ nicht mit den anderen verwechseln; die hier hießen schließlich auch Traoré oder Cissé.

Da aber nicht alle heißen, wie man hier zu heißen hat, hört man auch von vielen, die versuchen, das Land oder zumindest die Stadt zu verlassen und von solchen, die vom Militär dazu bewegt werden, sich lieber abzusetzen. Universitätsprofessoren, ehemalige Minister, Minister.
Man liest „Pogrom“ und die Entgegnung, diese Unterstellung sei nur eine weitere rassistische Unverschämtheit gegen die einheimische Bevölkerung, die weiße Presse würde die Tuareg eben für weiß halten.

Dazwischen die Nachricht, die Regierung verhandle mit den Tuareg-Rebellen in Algier. Allerdings seien die Rebellen nicht von allen kämpfenden Gruppen als Sprachrohr oder gar Verhandelnde anerkannt.

Der Tag schleppt sich zwischen Nachrichten und Gerüchten weiter. Zu den sichtbarer werdenden Zerstörungen des Vortages kommen neue Tränengasmeldungen, Polizeieinsätze, Polizeirückzüge, Plätze, die den Demonstranten gehörten, geschlossene Geschäfte, gesperrte Straßen und Brücken, Demonstrationen in anderen Städten, die Rückübernahme einer Stadt durch die Tuareg, fliegende Steine, Plünderungspläne, getötete Polizisten.
Hinweise, lieber auf dieser Seite des Flusses zu bleiben, die Stadt zu meiden, irgendwann, man solle lieber nach Hause gehen und den Abend dort zu verbringen.

Spekulationen über Putschabsichten verlaufen im Sande, der Militäroberste ist Katholik und gehört der falschen Ethnie an, ein etwas kernigerer Präsidentschaftskandidat ruft bei einer Wahlveranstaltung in Timbuktu ebenfalls zum Frieden auf und arbeitet wohl lieber auf die Wahlen hin.

Die islamischen Gemeinschaften rufen zum friedlichen Miteinander auf, ein Aufatmen scheint hörbar, vielleicht beruhigt sich die Lage nach dem Freitagsgebet und über das Wochenende, an dem die Geburt des Propheten gefeiert wird.

Andere gute Zeichen: das Tuareg Kulturzentrum in Bamako wurde bisher nicht angegriffen. Der Poolmann kommt und will sein Geld haben. Das Viertelfinale des CAN am Samstag bestimmt weiterhin die Schlagzeilen mit. So weit, so normal. Wir beschließen, es sei der richtige Zeitpunkt, unseren Christstollen anzuschneiden. Die Nacht bleibt ruhig.

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