Vorzeichenumkehr. Von Hippos und Energy Drinks.

Februar 21, 2012

Alltagewoche 1.

Ich schlafe schlecht, aber dafür zu wenig. Um fünf ist Schluss. Um Tim nicht aufzuwecken, versuche ich, weiter im Steinmodus zu verharren, lausche den Imamen und warte, bis Aufstehzeit ist. Tim schläft aber auch nicht. Seltsam. Nach einer Zeit kann man den Leuten anhören, ob sie schlafen oder nur regelmäßig atmen.

Ansonsten verläuft dieser Montag, wie so ein Montag verlaufen muss. Übergabe, Bericht, Augenringe, immer noch Genesungswünsche, der Versuch, mir ein beeindruckendes Zeugnis zu formulieren, Nachricht über Abfindung im Zuge meiner Vertragserfüllung. Später deshalb eine Diskussion mit Tim über den Club Med und Abfindungspolitiken.

Egal, alles, was an diesem Montag zählt sind: die Nilpferde. Es sind fünfundsiebzig und wir sollen sie abholen. Auf der Fahrt zum Markt berichtet mir Tim neu Grusliges aus dem Norden, nicht mal für die Nachrichten hatte ich heute Zeit.

Wir stolpern über den Markt, finden den Laden wieder, ohne uns vorher schon zu einem Kunsthandwerkkauf nötigen zu lassen. Ca va, klar erinnere er sich, er sei zwar nur der Bruder (und war letzte Woche gar nicht da), aber, kein Problem, er rufe Amadou an, ahahaha, ach, wir seien die, voilà, gut eingepackt, gute Arbeit, fünfzehn Familien Holznilpferde. Man rechnet in Familien. Überhaupt rechnet man Dinge lieber in Fünferschritten, weswegen Rechnen außerhalb der Fünf manchmal lange dauert.

Die Nilpferde sind der Hit. Alle unterschiedlich groß, dick und schief – einfach perfekt. Wir stellen sie auf den eineinhalb Quadratmetern Laden auf, der Verkäufer von gegenüber guckt ein wenig ungläubig. Vor allem später, als wir bei ihm wirklich keine Lederschachtel für unseren neuen Zoo erstehen wollen.

Fünfzehn Familien, ich fische das Post-it heraus, das unsere Anzahlung dokumentiert, zahle den Rest. Dann fragen wir nach noch zwei Nilpferden, grösser, anders, Amadous Bruder bringt gleichmal fünfzehn, pardon, drei Familien. Wir wollen nur zwei, eines hinkt, verhandeln nicht ganz gut, aber egal.

Tim will weg, ich noch eine Sonne für Mama kaufen, verschwinde einfach in einer Verkaufshöhle, das einzige Mittel, ihn aufzuhalten. Wir verhandeln die Sonne, bis der arme Verkäufer nicht mehr genau weiß, welche Zahl jetzt nach achtzehn kommt, wenn er uns einen Schritt entgegen kommen möchte, nein, wir wollen nicht auch noch den Bronzeskorpion, die zweite Maske oder die Bronzefischerstatue. Gute Laune. A la prochaine, les Allemands.

Deutsches Brot gleich gegenüber, wir versuchen, welches zu kaufen, aber die Leute in der Bäckerei sind so in ihre Diskussion vertieft, dass das gar nicht so leicht ist. Aber für hier so untypisch, dass ich lachen muss, bis auch die Diskutanten kichern.

Nach erfolgreichem Geshoppe und Feierabendverkehr bezwingen: Essen. Ich bin viel zu müde, aber letzte Woche, letztes Fonio, letztes Saka Saka, letzter Bissap. Wobei den gibt es jetzt auch als Energy Drink. Aus Deutschland. Bizz’Up. Vielleicht finde ich den ja in München. Die Liste lautet nun nicht mehr InDeutschlandUnbedingtKonsumieren, sondern: InDeutschlandVielleichtFinden.

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