Nudeln. Und über die Freisetzung von Aromen.

Januar 12, 2013

Es ist so. Ich kapiere nichts mehr. Und erschreckenderweise handelt es sich meist um ganz banale Dinge. Essen zum Beispiel.

Vor Kurzem sitze ich in einer Pizzeria. Ja, ganz recht, kein Italiener, eine Pizzeria, auf der Karte gibt es vorwiegend Pizza. Auf der Tageskarte bisweilen Pasta. Ich warte auf meine Nudeln und einer der Herren am Nebentisch möchte von der Bedienung wissen, welcher Art die Pasta sei. Stehe da doch, meint sie, mit Salsiccia, Fenchel und Tomate. Nein nein, er könne durchaus lesen, lächelt er milde, um welche Art von Pasta es sich handele. Penne wohl kaum, wegen der Salsiccia, mutmaßt er. Spaghetti? Linguine? Makkaroni? Orechiette? Er blickt ernst. Pasta, erwidert die Bedienung ähnlich ernst. Er bestellt daraufhin eine Pizza Margherita. Damit könne man vielleicht nichts falsch machen, zwinkert er seiner Begleitung zu.

Die Pasta schmeckt gut.

Ich komme zu diesem wenig differenzierten Urteil, während man am Nebentisch diskutiert, dass man Pasta eigentlich nicht nur Pasta nennen dürfe, weil es ja durchaus Unterschiede gebe. Wegen der Sauce. Und ob die hier überhaupt selbst gemacht werde? Vom Pastalatein gehen die beiden zum Dekantieren über. Ob der hiesige Hauswein wohl irgendwann geatmet habe. Es gebe Weine, die müsse man quasi einen ganzen Tag atmen lassen. Wobei man darauf achten müsse, welche weiteren Aromen im Wein-Zimmer freigesetzt würden.

Ich zahle, als es um Aqua Panna geht und darum, dass man hier zum Espresso das gleiche Leitungswasser bekäme wie zum Wein. Wo man doch wisse, dass gerade das Münchner Leitungswasser jegliche Geschmacksempfindungen unsäglich verfälsche, ja geradezu verboten gehöre. Und Gerolsteiner würde ausgeschenkt. Gerolsteiner! Nicht mal San Pe! SAN PE.

Ein weiteres Beispiel? Ich hätte gerne einen neuen Fernseher. Der jetzige hat weniger Bildschirmdiagonale als der Laptop, vor dem ich gerade sitze, dafür hinten dran noch ein gutes Stück Röhre. In der kleinen Wohnung störte das nicht weiter, hier aber kann man keinerlei Einblendungen mehr lesen und Flugbahnen des Fußballes nur erahnen.

Wieso ich bisher keinen neuen Fernseher habe, hat einen einfachen Grund: ich möchte einen Fernseher. Nicht sieben verschiedene Receiver, Decoder und Fernbedienungen. Außerdem verstehe ich die Artikelbeschreibungen nur zur Hälfte.

Ich frage einen Freund um Rat. Der meint, mindestens siebenundvierzig Zoll solle er schon haben. Das sei der gängige Mindeststandard. Ich rechne nach. Siebenundvierzig Zoll? Ich staune noch, da hat er seine Empfehlungen fertig heruntergerattert und empfiehlt mir ein Cloud-Abo.

Seither stelle ich mir vor, dass da draußen Leute bei Aqua Panna vor Ihrem Heimkino sitzen, womöglich Kochsendungen sehen, und darauf warten, bis der Wein fertig geatmet hat. Dabei bemühen Sie sich redlich, keinerlei störende Aromen freizusetzen.

Diese Vorstellung deprimiert mich. Sagen Sie mir, dass es anders ist. Sagen Sie mir, dass Sie zum Beispiel einfach nur einen Fernseher haben. Oder Nudeln essen. Oder Chips. Einfach nur so.

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Eine Antwort to “Nudeln. Und über die Freisetzung von Aromen.”

  1. […] ist so. Leider habe ich versäumt, Sie in Sachen Fernseherkauf auf dem Laufenden zu halten. Ich dachte, das sei schwierig. Aber nun schlimmer: wir brauchen einen […]

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