Stellvertreter an der Leine. Und ein kotzender Hund.

Februar 1, 2013

Es ist so. An diesem Abend kotzt der Hund. Er kotzt einen Nougatcrêpe und zwei halbe Wiener verbunden von undefinierbarem curryfarbenen Gemisch. Es ist wichtig zu wissen, dass es der Hund ist, der kotzt. Sie fragen vielleicht, wer ist denn der Besitzer, wieso muss der Hund Wiener und Crêpe und Curryfarbenes essen. Nein, der Hund kotzt. Nicht der Besitzer. Das ist ein Unterschied.

Der Hund meiner Eltern beispielsweise mag keine Leckerli. Zwar mag er auch Wiener, aber man kann ihn weder belohnen noch locken. Anstatt mein Diplom zu machen, ging ich mit diesem Hund stundenlang spazieren, um ihn aus dem Tierheim heraus zu zähmen. Er hatte schon angefangen, die Fliesen zu fressen. Auf diesen Spaziergängen traf ich viele Leute. Sie glauben gar nicht, wie viele Leute da draußen unterwegs sind und Hunde-Leckerli in der Tasche haben. Manche hielten sich auf Abstand und warteten, dass der Hund auf ihre Jackentasche zuspurtete, um dann triumphierend lobend Leckerli zu verteilen. Manche stürzten auf ihn zu, So ein Schöner, Du bist ja ein Schöner, so ein Schöner, hier, ein Leckerli, Du Schöner. Zugegeben, man steht ganz schön blöd daneben. Fremde Leute reden mit einem Hund, wedeln mit Leckerli vor seiner Nase herum und man selbst: steht ungesehen daneben und weiß, was passieren wird. Nämlich nichts.
Dann erst wird man wahrgenommen, als wäre man dafür verantwortlich, dass dieser Hund keine Leckerlis nimmt, das muss an der Person am anderen Ende der Leine liegen, schließlich hat noch kein Hund diese Leckerli verschmäht. Da kann was nicht stimmen. Mit dem Besitzer, wohlgemerkt. Nicht mit dem Hund. Oder den Leckerlis.

Und nun der Zwack. Doch, man darf über Babys und Hunde im gleichen Text schreiben, wer Hunde und kleine Kinder nicht mag, könne kein schlechter Mensch sein, heißt es, deshalb kann man auch anderweitig die beiden zusammen bringen.
Der Zwack schaut. Von Geburt an schaut der Zwack und er schaut kritisch. Jetzt ist der Zwack das süßeste Baby der Welt, logisch, und nun kommen Leute auf ihn (!) zu, Hallo Baby, Du bist ja ein süßes Baby, so ein süßes Baby, wie heißt Du denn meine Kleine. Der Zwack schaut. Ja, da schaust Du, gell, süßes Baby, hallo Baby. (Ich muss nicht erwähnen, dass die Leute Hunde und Babies gleichermaßen übertrieben angrinsen.)
Der Zwack schaut und wenn man genau hinsieht, merkt man, dass er ganz langsam seine Augenbrauen zusammenzieht. Er schaut kritisch. Und spätestens beim nächsten „süß“ schreit er ein lautes MBAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA.
Das finden die Leute meist weniger süß und sehen dann mich entsetzt an, was denn wohl mit diesem Baby los sei, vielmehr, mit mir. Eine Bekannte nahm es regelrecht persönlich, dass der Zwack sie nicht zurückangrinste und war dann schlecht auf mich zu sprechen.

Aber sehen Sie, es ist der Hund, der den Crêpe frisst. Und hätte der Hund den Crêpe nicht gefressen, gäbe es keinen Text.

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