Framesheet im Windkanal. Und ein Rucksack.

April 19, 2013

Es ist so. Leider habe ich versäumt, Sie in Sachen Fernseherkauf auf dem Laufenden zu halten. Ich dachte, das sei schwierig. Aber nun schlimmer: wir brauchen einen Rucksack.

Von vorne: Mein Rucksack hat ein Loch – genauer: der Boden löst sich ab. Das ist unpraktisch – man verliert Thermoskannen im Schnee und das Shampoo in der U-Bahn. Schade, ich mag meinen Rucksack. Im Schnee, im Fels, auf dem Berg, einfach so im Zug fürs Wochenende. Oder zum Einkaufen. Ich weiß gar nicht, ob das erlaubt ist: mit einem Rucksack, der nicht explizit als Einkaufsrucksack ausgewiesen ist, einkaufen zu gehen. Einmal wurde ich beim Klettern darauf angesprochen, dass ich mit einem Skitourenrucksack unterwegs sei. Was soll ich sagen: ich kletterte deshalb nicht schlechter. Auch nicht besser. Dass mein Rucksack nicht klettern konnte, fiel nicht sonderlich ins Gewicht. (Stellen Sie sich vor, sie haben einen kletternden Rucksack und unterfordern ihn ständig. Wer weiß, welch übermütige Sachen ihm aus lauter Langeweile einfielen! Ein ganz neues Kapitel alpiner Gefahren!)

Wir sind also auf der Suche nach einem neuen. Und hier liegt das Problem. Wir wollen einen Rucksack. EINEN.

Unbedarft stehen wir in einem Fachgeschäft. In einem unbedachten Moment können wir nicht verhindern, beraten zu werden. Manchmal wünscht man sich in die viel zitierte Servicewüste.
Wozu er denn sein solle, der Rucksack. Mei, ein Rucksack halt. Hm. Der Verkäufer wird präziser: Skitouren? Klettern? Wandern? Hochtouren? Über 3000 Meter? Mehrtagestouren? Steigeisen? Klettersteige? Freizeitdaypack? Wir nicken. Äh – aha. Und ob wir beide einen Rucksack wollten? Ja, beide. Einen. Nur einen.

Der Verkäufer wird blass. Schließlich seien die Anforderungen der verschiedenen Sportarten blabla und die weibliche Ergonomie blablabla. Nicht zu vergessen, die Jahreszeiten bla. Seitentaschen, unterbricht Tim ihn. Er hätte gerne Seitentaschen. Und was, was am Rücken nicht schwitze.

Mit welchem Trinksystem wir unterwegs seien, möchte der Herr wissen. Adelholzener, meint Tim. Manchmal auch Rhönsprudel. Ob ihm das etwas sage? Rhönsprudel? Allerdings nur beim Trekking. Auf Skitour immer Adelholzener oder eben die Thermoskanne. Je nach Lawinenwarnstufe. Aber natürlich nie über 2739 Metern.
Der Verkäufer nickt, wirft sich zwischen die Rucksäcke und stellt Zwischenfragen: Swing Arm Schulterträger? Contact Fit? Air Stream Schaumpolsterung oder lieber Backdraft? Unsere Rückenlängen? Comfort Clip? HDPE Framesheet? Am Ende hält er erschöpft und triumphierend drei Modelle in der Hand.

Der eine passt mir, der andere Tim und der dritte macht einen recht ordentlichen Eindruck. Ob er den mal testen könne, fragt Tim. Im Windkanal. Oder auf der Kanustrecke im Keller. Oder ob er das gar nicht könne, der Rucksack, Wasser. Neinnein, also von der Wassersäule her… Tim nickt. Jaja, apropos: Wassersäule. Ob der Rucksack tropentauglich sei. Und über Anti-Malaria-Imprägnierung verfüge.

Der Herr schüttelt den Kopf. Er sieht müde aus. Tim zuckt entschuldigend die Schultern. Wir kaufen Tape und kleben den Boden wieder an meinen alten Rucksack. Da weiß man, was man hat.

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