Wie macht der Löwe? Und andere Reizwörter.

August 15, 2013

Es ist so. Eigentlich wollte ich eine Reizwortgeschichte aus Zwacks erstem Wortschatz tippen. Aber ich muss einsehen, ihn nicht genug gefördert zu haben. Manche Eltern betreiben Aufwand, wenn es um die ersten Worte des Kindes geht. Eine Bekannte hat mit ihrer Tochter das Wort „Mama“ geübt, damit ihr das Trauma ersparen blieb, das sie mit ihrem Sohn durchlebt hatte: der sprach zuerst „Papa“. Am Muttertag.

Gut, „Mama“ ist vielleicht ein Reizwort, aber auch nicht immer eine sonderlich spannende Geschichte. Und eine trainierte Reizwortgeschichte („Apfelbaum“, „Leiter“, „knacks“, „Gips“) ebensowenig.
Das erste Wort des Zwacks war eines, dass ihn seit jeher in Hochstimmung brachte: „Nein.“ Ein Zauberwort der ungeteilten Aufmerksamkeit. Als ich das erste Mal „Nein“ sagte, fing der Zwack fröhlich an zu glucksen und steckte den Finger gleich nochmal in die Steckdose.

Im Wortschatz folgte: „Da.“ Ein praktisches Wort und eine gute Verbindung, nun konnte er auf alle Fragen antworten. Auf alle Wo-Fragen mit „Da“ und auf alle anderen mit „Nein“.

Eines Morgens, der Zwack bestaunt ein Bilderbuch und spricht: „Auto.“ Das Kind sei also ein Junge, meinte Tim, drehte sich um und schlief weiter. Auf Auto folgte „Tatütata.“

Bis dahin hätte ich mein Vorhaben, eine Reizwortgeschichte daraus zu basteln vielleicht recht öde vollbringen können. Als nächstes aber folgte „Hatschi.“ Und dann „heiß!“ Je nach Laune übt er, wie ein Löwe zu fauchen. „Uah.“ Wie ein sehr kleiner Löwe. Manchmal übt er auch einen sehr kleinen Hund.

Spätestens seit „Hatschi“ möchte mir nichts mehr einfallen, was eine Geschichte hergeben könnte. „Nein! Da!“, ein Auto, ein Unfall, der Krankenwagenfahrer muss nießen? Obwohl es so ein heißer Sommer ist? Und um die Ecke dackelt ein Hund? Gähn. Das weitere Repertoire macht es nicht besser: „Busssss“ und seit Kurzem „Moto“. Massenkarambolage? Jedenfalls wohnen wir doch nicht so ruhig, wie ich dachte. Als nächstes müssen wir uns ein zwackfähiges Wort für „Hubschrauber“ einfallen lassen.

So oder so – es gibt also keine Geschichte. Vielleicht aber sollte ich die Straßenverkehrisierung des Wortschatzes als Chance begreifen und den Zwack entsprechend fördern. Falls das Wunderkind nun in zwei Jahren eine Oper bestehend aus Motorengeräuschen inszeniert – gehen Sie hin. Es wird ein Knaller. Und seien Sie sich sicher: Mama und Papa kommen nicht darin vor. Aber vielleicht ein sehr kleiner Löwe.

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Eine Antwort to “Wie macht der Löwe? Und andere Reizwörter.”

  1. […] ist so. Sie erinnern sich vielleicht, dass „Nein“ das erste Wort des Zwacks war. Interessanterweise folgte diesem Nein nie ein Ja. Stellen Sie sich einen Zwack vor, […]

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