In der Weihnachtsbäckerei. Von unerschrockener Leidenschaft.

Dezember 5, 2013

Es ist so. Manche Leute backen ihre Plätzchen wie Rolf Zuckowski singt: beschwingt und immer gleich. Meine Oma zum Beispiel, ungeachtet der Tatsache, dass sie gelernte Fleischerin ist, wie Sie wissen. Seit Jahrzehnten  backt sie die gleichen Sorten, ein Plätzchen sieht aus wie das andere und auch wie die Jahre zuvor und tatsächlich schmecken sie jedes Jahr gleich. Von Weihnachten bis Ostern. Meine Oma backt nämlich viele Plätzchen.

Weil Oma backt, ist es wohl diesem Umstand zu verdanken, dass ich mich nur an ein einziges, kindheitliches Plätzchenbacken mit meiner Mutter erinnere. Meine Mutter backt nicht sonderlich gerne und dazu kommt eben Oma, die jedes Gebäckstück kritisch beäugt, um dann mit der Frage „Was hast’n da reingetan?“ größte Mißbilligung auszudrücken.
Mama und ich buken Vanillekipferl, das hatte ich mir gewünscht. Die Kipferl wurden mürbe, aber ungefähr so groß wie Croissants. Ich habe sie geliebt und die Abmachung „Das erzählen wir nicht der Oma!“ bis heute beherzigt.

Ich backe wahrscheinlich so gerne wie meine Oma. Am liebsten Kuchen, aber weil Plätzchentausch ist, eben Plätzchen. Weil alle klassischen Plätzchen sowohl in Aussehen und Geschmack von den Plätzchen meiner Oma bereits besetzt sind, backe ich keine Klassiker. Zur Leidenschaft meiner Oma gesellt sich leider die Kunstfertigkeit meiner Mutter: meine Plätzchen backen zusammen, sehen alle unterschiedlich aus und werden am Ende immer zu knusprig. Gut, ich mag das. Und Herr Kugel isst tapfer alles, wenn genug Zucker drin ist.
Hinzu kommt meine eigene Unerschrockenheit. In Ermangelung von Klassikern backe ich gerne mit Brigitte. Wenn Brigitte es möchte, mische ich tapfer schwarze Linsen mit Schokolade, Rosmarin mit Aprikose und schütte Backpulver in Butter-Marmeladen-Schmelze. (So hätte ich mir Chemie-Unterricht gewünscht!)

Dieses Jahr sitzt beim Backauftakt zusätzlich zu Leidenschaft, Kunstfertigkeit und Unerschrockeneit der Zwack vor der Küchenmaschine und schüttet mit lauten „Butha! Eia!“-Rufen große Mengen Salz in den Walnussteig. „Was hast’n da reingetan?“ höre ich meine Oma und sehe, wie gleichzeitig die Pfefferminzplätzchen im Ofen zu einer einzigen Teigplatte zusammenwachsen. Mit großem Bedauern denke ich an meine Plätzchentauschpartnerin. Ich überlege, ihr ein paar Schokoherzen meiner Oma ins Päckchen zu legen. Und mich tröste ich damit, dass der Advent noch lange ist und ich ja nochmal was backen kann. Zu den Klängen von Rolf Zuckowski. Dann klappt’s vielleicht auch mit den Kipferln.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s