Lustig, lustig tralalalala. Und andere Ermahungen.

Dezember 10, 2013

Es ist so. Es ist Nikolausfeier in unserer Kirchengemeinde. Ja, Sie haben richtig gelesen. Nikolaus bei den Protestanten mitten in München. Was manche als populistisch geißeln – und wir gingen auch noch hin! – tun andere recht pragmatisch ab: vielleicht gefällt‘s dem Zwack. Schadet auch nicht. Ich würd ja auch mit ihm in den Zwergerlgottesdienst gehen, aber er schläft Sonntagvormittag lieber ein. Ich dachte immer, das käme erst in der Pubertät, aber gut. Gehen wir Sonntagnachmittag halt zum Nikolaus.

Nikolaus ist super. Wir sitzen inmitten von Josephines, Paulas, Matteos und Fritzis, trinken Punsch und die Kinder üben ein Gedicht mit Bewegungen. Der Zwack beäugt die fuchtelnden Kinder recht neugierig, bestaunt das Gedicht, das er irgendwoher schon kennt und klatscht bei „Lustig lustig tralalalala“ mit großer Geste in die Hände. Nur ich darf nicht singen. Um mir das mitzuteilen legt er seine Hand auf meinen Mund und guckt recht ernst. Dabei singe ich gern, aber vielleicht verhält sich das wie mit der Kunstfertigkeit beim Plätzchenbacken.

Vor allem aber interessiert sich der Zwack für die Keksteller. Meine Versuche, ihm Mandarinen anzutragen, scheitern kläglich. Alle Kinder stehen im Kreis und üben das Nikolausgedicht, während der Zwack zu den Tischen läuft und „Ah! Ah! Ah!“ bei diversen Eltern einen Keks einfordert. Oder zwei.

Dann kommt der Nikolaus. Dem Zwack stockt der Keks im Mund. Und das, obwohl der Nikolaus slapstickartig seine Mütze verliert (Zufall? Evangelische Absicht?) und auch sonst ein bisschen schlurfi wirkt. Er liest ein Gedicht, das anfängt wie Knecht Ruprecht, dann aber von Advent und Schokolade erzählt („…und ohne Schokolade/ wäre alles schade“). Schließlich fragt er nach dem Heiligen Stuhl, auf den er sich nun gerne setzen möchte.
Die Kinder sagen das Gedicht, der Zwack kaut wieder und dann schaut der Nikolaus in sein goldenes Buch. Er liest die Namen der Kinder vor, die stöpseln zu ihm hin, bekommen eine Tüte und geben dem Nikolaus die Hand. Einige Kinder bekommen noch ein paar extra Zeilen vorgelesen, die der Engel dem Nikolaus aufgeschrieben hat. Johannes zum Beispiel soll seine Brille öfter auf der Nase lassen und nicht immer in die Hosentasche stecken. Johannes‘ Mutter nickt ihrem Sohn mit diesem „Siehst Du, sogar der Nikolaus sagt das“-Blick zu. Der Sohn schnappt sich seine Tüte und scheint auch sonst recht unbeeindruckt. Ob er eine Brille aufhat, vermag ich gar nicht zu sagen.

Die Ermahnung allerdings, die Tim und mir (und sichtlich auch dem Nikolaus) die größte Selbstdisziplin abfordert, ist die an Emanuel, der nicht so traurig sein solle, nur weil er jetzt aus seinem Kinderzimmer ausziehen müsse. So ein Umzug sei nichts Schlimmes und bestimmt werde es ihm im neuen Haus in der Osterwaldstraße gefallen. Unser ungläubiges, unterdrücktes Lachen ruft die zwacksche Empathie auf den Plan, der laut loskichert. Wir schauen sofort recht ernst und bedeutungsvoll mit diesem „Hör mal, was der Nikolaus sagt“-Blick. (Wir kennen hier niemanden. Auch nicht Emanuels Eltern.)
(Kennen Sie die Osterwaldstraße? Nein? Dann finden Sie das vielleicht nicht sonderlich lustig. Fragen Sie mal google maps oder einen Makler Ihres Vertrauens.)

Als der Zwack aufgerufen wird, schaut er den Nikolaus an, dreht sich über meine Schulter weg und ruft „Papa! Papa! Ah! Ah“ in Richtung Tim, der vor einem Keksteller sitzen geblieben ist. Sobald ich mich artig beim Nikolaus für die Tüte bedankt habe, wie sich das gehört, nimmt er sie mir ab und ruft „Auf! Auf!“. Er meint damit bestimmt nicht die Mandarine.

Nach getaner Bescherung singen wir noch einmal „Lustig, lustig tralalalala“ – ich singe nicht –, der Zwack spuckt Kekskrümel auf die Kerze, der Nikolaus geht zu seinen Hirschen, irgendwann gehen wir auch nach Hause. Schaden tut so eine Nikolausfeier tatsächlich nicht. Der Zwack hat sich an Keksen übergessen, Tim und ich wissen wieder, wo wir hier eigentlich zu Hause sind – auch, wenn die Osterwaldstraße recht weit von uns weg liegt.

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