Kleinkindschwimmen. Über Angebote.

Januar 13, 2014

Es ist so. Es heißt, das erste Kind könne sich kaum retten vor den ganzen Kursen, in die es im Säuglingsalter geschleppt würde, das zweite könne nur noch besuchen, was gemeinsam mit dem älteren Geschwister möglich ist und das dritte Kind dürfe mit zum Einkaufen.

Der Zwack darf nichtmal mit zum Einkaufen, das mache ich, wenn er nicht da ist. Wobei – einmal hatte ich ihn mit zur Rückbildung, da rollte er durch den Raum auf andere Kinder zu, deren Mütter mich ängstlich ansahen, während er fröhlich quiekend mit einer Hantel fuchtelte.

An den ersten verregneten Herbstnachmittagen also überlege ich, ob ich mir mit dem Zwack für das Winterhalbjahr etwas vornehmen solle. Damit man rauskommt. Etwas unternimmt. Regelmäßig. Trotz Wetter. Ich surfe mich durch die Angebote. Es gibt nur noch Angebote. Statt klassischem Eltern-Kind-Turnen gibt es nun Bewegungsangebote. Spielangebote. Kursangebote. Gruppenangebote. Sinnliche Wahrnehmungsangebote. Kreative Phantasieangebote. (Wie bitte?) Es gibt goldene Morgenstunden, indische Babymassagen, Musikpavillons, Schatzkisten und kreativen Kinderausdruckstanz. Am Lustigsten finde ich die Zehnerkarte für das Angebot geschwisterähnlicher Konstellationen in der Spielekiste. Wo leben wir denn. (Verstehen Sie mich nicht falsch – es ist mir völlig egal, wer aus welchen Gründen wie viele Kinder bekommt oder nicht. Ich finde es nur verstörend, was man so kaufen kann.)

Der Zwack begreift die ganze Wohnung als Angebot – ein externes Angebot, das mir meine Küche wiederbringt, finde ich nicht.
Ich entscheide mich schließlich für Kleinkindschwimmen. Städtisch. Ohne Chichi. Keinerlei Angebot. Keine Situation. Dabei hasse ich Schwimmlogistik, wenn ich für mehr als für mich denken muss. Aber wir haben nunmal nur eine Badewanne und keinen Pool zu Hause, deswegen erscheinen mir Hallenbad und Planschen irgendwie gut.
Als wir das erste Mal im Bad ankommen, ist es hallenbadheiß, die Umkleide voll quäkender Babyschwimmbabies. Der Zwack schaut mich verunsichert an. Als ich ihn umziehen möchte, schreit er verzweifelt „Hose! Hose! Hose!“. Ich ziehe ihn trotzdem aus und um und schleppe ihn zum Becken. Er krallt sich fest. Statt durchs Wasser zu strampeln, stellt er seine Füße auf meinem Bauch ab. Statt sich in einer Schwimmnudel rumtreiben zu lassen, schaut er vorwurfsvoll und ruft „Nune! Nune! Ah! Ah!“. Das soll in etwa zum Ausdruck bringen, dass er jetzt durchaus die eine oder andere Nudel würde essen wollen, was aber nicht das Geringste mit diesem roten Styropording zu tun hat, das ihn am Bauch stört. „Mamaaa! Nuneee!“
Es bessert sich erst, als er einen Waschlappen werfen soll. Leidenschaftlich platscht er ihn durchs Wasser – und auf andere Kinder – und ruft jedesmal begeistert aus, wo ihn die Wassertropfen erwischt haben: „Ohr! Ohr! Auge!* Auge! Backe! Ohr! Mama! Auge!“ Lucia schaut weniger begeistert, als ihr der Waschlappen ins Gesicht platscht. Ich hoffe, dass Lucias Vater das als Zusatzangebot geschwisterähnlicher Konstellation verbucht.

Das bringt mich auf eine Idee. Für den nächsten Herbst überlege ich, Zehnerkarten auf den Markt zu bringen. Ich setze mich mit dem Zwack und verschiedenen Wurfgeschossen in einen Raum, wahrscheinlich unsere Küche, lasse die Kindlein zu mir kommen und den Zwack Geschwisterähnliches inszenieren. Immer donnerstags. Damit man im Winter was unternimmt. Na, wäre das ein Angebot?

*zum besseren Verständnis bereinigt. Im Original: „Aku!“

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