Bagger, Bagger, Gurke. Und düss.

Januar 27, 2014

Es ist so. Sie erinnern sich vielleicht, dass „Nein“ das erste Wort des Zwacks war. Interessanterweise folgte diesem Nein nie ein Ja.
Stellen Sie sich einen Zwack vor, der munter brabbelnd vor sich hinstöpselt, „Bagge bagge Guki“ singt („Bagger Bagger Gurke“?) seine Begeisterung zwischen „A Mooond“ und „Mischä!“ teilt, keinen Wauwau unkommentiert lässt und seine Meinung gerne mal mit „Nein!“ kund tut. Mit „Nein“, wohlgemerkt. Nie mit „Ja“. Als Antwort auf „Möchtest Du noch Nudeln?“ kommt also entweder „Nein!“ in Frage oder „Nein!“ (mit trotzdem Weiteressen) oder „Ah! Ah!“ (stellen Sie sich ein Vogelnest hungriger Piepmätze vor) oder „Nune! Nune!“. Kein Ja, nirgends. Obwohl der Zwack diese Frage immer positiv beantwortet. Vielleicht finden Sie das sympathisch, kein Ja-Sager. Aber tatsächlich würde so ein Ja an der einen oder anderen Stelle den Alltag erleichtern, so manche Raterei überflüssig machen.

Es heißt, der Wortschatz von Kleinkindern explodiere, sobald sie 50 Worte sprechen. Für das Explodieren beim Zwack macht Herr Kugel mich verantwortlich, ich habe lieber nicht nachgefragt, wie er das genau meint.
Wie auch immer – der Zwack taucht also in die Welt der Worte ein, die mittlerweile mehr umfasst als „Nein“ und „Ato“. Er kann Stunden damit zubringen, einen Baustellenfuhrpark aufzuzählen oder eine Tramfahrt lang hörbar und sehr ernst „Am!“ sagen. Nicht zu verwechseln mit „Ahm“ für Arm, das ist klar.

Bisweilen gilt es im – nun ja – Dialog mit dem Zwack, glücksrad-gleich Worte zu raten: „Bipa“ kann Birne, Kipper oder Biber meinen, „Guki“ Kuchen, Wolke, Kugel, Flugzeug, Gurke. Oder sonstiges.
Neben dem Wortfeld „Guki“ sind meine Lieblinge: „Drago“ für Traktor (obwohl mein Bemühen, „Bulldog“ weiterzugeben hiermit als gescheitert anzusehen ist), „dwarf“ für scharf und „Eische“ für Eichhörnchen. Manche Worte mag ich wegen ihrer Begeisterung, die sie beim Zwack auslösen. „EIA!“ „Pißa! Pißa!“ (Pizza! Pizza! Nicht, was Sie denken.) „A Mooond.“ „Nnnnüsse.“

Gut, das haken Sie jetzt vielleicht unter nicht nachvollziehbarem Mamagetue ab. Vielleicht denken Sie auch, dass jemand, der mit Wortfeldern wie „Guki“ arbeitet, niemals auf eine Wortschatzexplosion kommen kann und Eltern einfach irgendwas aus dem Gebrabbel heraushören. Wollen. Oder wie sonst käme man von Eische auf Eichhörnchen.
Tatsächlich bin ich geneigt, Ihrer Sichtweise etwas abzugewinnen. Dann nämlich, wenn es um berühmte erste Sätze geht. Ein weiterer Auswuchs von Mama-Getue meinerseits ist nämlich die Skepsis, ob „Düss, Mama! Düss, Mama!“ als Satz zu verstehen ist. Als erster Satz, wohlgemerkt. Schnief. Was soll das überhaupt heißen, „düss“.

Aber gut. Ob nun elterliche Kaffeesatzleserei oder tatsächliche Erschließung der Welt, gestern beim Abendessen hat der Zwack jedenfalls nach den Worten „Auf! Auf! Butha! Däse!“ ein aufgeschnittenes Breznstangerl mit Butter und Käse bekommen und war’s zufrieden. Vielleicht wollte er uns auch zum Buddha nach Taizé aufbrechen machen. Das Breznstangerl schien mir machbarer.
Wie dem auch sei. Was ich eigentlich erzählen wollte: heute. Heute explodierte der Wortschatz des Zwacks. Nicht, weil ich allein dem Wortfeld „Guki“ über fünfzig Bedeutungen andichtete. Nein, heute Abend wollte der Zwack noch Käse. Ja. „JA.“

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