DEINER! Die Schwierigkeit des Possessivs.

April 3, 2014

Es ist so. Der Zwack hat diverse Begegnungen mit „MEEEEEEIIIIIINS!“ hinter sich – Kinder, die einfach gerne mit ihrem eigenen Spielzeug spielen. Oder mit Spielzeug, das niemandem gehört, sie aber zuerst hatten und es nicht hergeben wollen. Ersteres kennt der Zwack nicht: kaum sind wir auf dem Spielplatz, wird dieser nach mehr oder weniger verfügbaren Fahrzeugen abgegrast, der eigene Bagger steht irgendwo. Für andere Kinder. In der zweiten Situation beäugt der Zwack so lange das ersehnte Spielzeug, bis es schließlich frei ist, um es sich zu schnappen und dann nicht mehr herzugeben.

Jetzt spricht der Zwack zwar, allerdings nicht sonderlich elaboriert. Das hat Vorteile. Ein größeres Kind versucht den Zwack argumentativ davon zu überzeugen, dass es gerne selbst mit dem Betonmischer spielen möchte. Der Zwack schaut und dann: „Mischer!“ Viele Kinder haben eine Art Beißhemmung und lassen ihre Mama das Problem lösen. Oder mich. Manche nehmen dem Zwack das Fahrzeug einfach weg. Passiert seltener, zeigt aber der Nachteil von Noch-nicht-sprechen-können: der Zwack hat keinen Ausdruck für „Das hab ich zuerst gehabt“. Er weint.

Zurzeit kommt eine Verwirrung hinzu: der Zwack übt „Ich“ und „Du“ und „dein“ und „mein“. Wir sitzen beim Essen, ich vergesse, in der dritten Person zu sprechen, sage also nicht: „Möchte der Zwack das noch essen oder kann die Mama das aufessen?“
Mit Verlaub, das mag einfacher sein, aber so spricht niemand. Ich frage also: „Möchtest Du das noch essen oder kann ich das essen?“ Nun gibt es verschiedene Möglichkeiten: Antwortete er „Ja“, würde ich es essen. Riefe er auf dem Weg des Essens zu meinem Mund „NEIN!“, kriegte er es. Antwortet er „Nein“, würde ich es auch essen. Riefe er auf dem Weg des Essens in meinen Mund „Nein!“, kriegte er es. Ist doch einfach. („Ja!“ würde er nicht rufen. Vielleicht „Ja! Essen.“ Mit viel Glück „Ja! Essen. Zwack.“ Dann kriegte er es auch.)
Ich frage also, ob er das noch essen wolle oder ob ich es essen könne. Der Zwack entscheidet sich nicht wie sonst bei Oder-Fragen für ja oder nein, sondern deutet auf mich und sagt: „Ich.“

Ähnlich zurück auf dem Spielplatz. Manchmal, wenn der Zwack ein Fahrzeug hat, dessen er sich nicht sicher ist und dann aber schnell ein weiteres holen möchte oder klettern oder oder oder, bringt er das Fahrzeug zu mir und sagt: „Nehmen.“ Dann muss ich auf fremde Fahrzeuge aufpassen, denen manchmal schon ein Kind nachweint. Super. Aber eine gute Strategie, Dinge in Sicherheit zu bringen.
Die andere Strategie ist das gesprochene Wort. Der Zwack weiß, dass andere Kinder „meins“ sagen, wenn ihnen was gehört und „deins“, wenn es seins ist. Was passiert? Genau. Der Zwack umklammert das Fahrzeug und ruft „DEINER! DEINER!“. Die Kinder, die davon ausgehen, dass sie dann ihren Mischer wiederbekommen, liegen falsch und bleiben verwirrt zurück. Der Zwack bleibt ebenfalls verwirrt, weil die Kinder nach „DEINER! DEINER!“ weiter am Fahrzeug ziehen und ihn erwartungsvoll anschauen. Am Ende ist alles gut, falls er es behalten kann. Oder falls er schnell nach dem Verlust ein neues findet.

Es ist wirklich schwierig, ihm das zu erleichtern. Ich fürchte, er muss das selbst rausfinden. Zum Glück stehen im Normalfall ja genug Bagger, Mischer und Kipper rum. Und wirklich wegessen tu ich ihm auch nichts.

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