Happy Bürste. Und Kinderewigkeiten.

Juni 19, 2014

Es ist so. Irgendwann abends beim Schlafengehen sagt der Zwack: „Zwack Burtstag.“ Ich erschrecke ein bisschen. Nicht, weil ich seinen Geburtstag vergessen hätte, nein, eher, weil es noch mindestens eine Kinderewigkeit bis zu diesem Geburtstag dauert.
Ja, sage ich, er habe Geburtstag, bald, aber es dauere auch noch ein bisschen. „Zwack Burtstag!“ lächelt er. Was denn passiere am Geburtstag, frage ich ihn. Der Zwack lächelt verlegen und murmelt „Sungen“. Es wird also gesungen. Und sonst? Noch verlegener sagt er: „Ein Geschenk. Ein Geschenk Danielle.“ Aha. Daher weht der Wind. Danielle ist die Kinderpflegerin in der Krippe. Alle haben also Geburtstag in der Kinderkrippe, nur der Zwack nicht. Wir reden noch ein bisschen über „Kuchu“ und der Zwack schläft ein.

Ab diesem Zeitpunkt fragt der Zwack jeden Abend nach seinem Geburtstag, betont „sungen“ und murmelt noch manchmal vom Geschenk. Manchmal, wenn er ein Fahrzeug sieht, das ihm gefällt, aber nicht gehört, sagt er auch „Zwack Traktor. Burtstag!“. Die Grundprinzipien sind schnell begriffen.
In der Woche vor seinem Geburtstag fischt er die Krone aus dem Regal, die er zum ersten Geburtstag bekam und möchte sie den ganzen Nachmittag aufbehalten. Wie auch damals. Mit dem Unterschied, dass sein Kopf mittlerweile zu groß ist, die Krone ständig vom Kopf rutscht. Wir beginnen, beim Zubettgehen neben Kuchu und Sungen noch über Soundsovielmalschlafen zu reden. Schwierig. Der Zwack zählt zwar, allerdings konstant ohne drei und sechs und ich weiß nicht, ob er das auch mit Mengen oder Zeiträumen verbindet. Meist habe ich den Eindruck, er zählt vor allem, bevor er sich rückwärts irgendwohin plumpsen lässt. (Gerne: „acht neun zehn neun“ – plumps.)

Dann ist es geschafft. Zwack Burtstag. Er kriecht morgens zu uns ins Bett und wir singen ihm ein Ständchen. Er lächelt verlegen. Er lächelt oft recht verlegen, wenn er im Mittelpunkt steht. Zum Frühstück gibt es Kuchen, mit Kerzen. Die Kerzen sind die Attraktion. Er liebt Kerzen. Diese sind auch noch bunt und er soll pusten und sie sind klein und und und so faszinierend, dass der Zwack gar nicht merkt, dass da noch ein Geschenk steht. Irgendwann reißt er ein Stück Papier ab und wir packen es aus. Zu diesem Zeitpunkt – sieben Uhr – ist der Zwack vor lauter Überschwang schon wieder bettreif. Eigentlich ging er wohl davon aus, dass Geburtstag nur in der Kinderkrippe stattfindet.
Da geht es dann auch hin und es wird gefeiert. Samt Sungen und Kuchu und Geschenk Danielle, Krone und verlegenem ImMittelpunktSitzen.
Wir holen ihn vor dem Mittagsschlaf ab, um in Urlaub zu fahren. Er sitzt mit Krone im Auto und singt. Happy Birthday. Um genau zu sein, singt er Happy Bürste. („Bürste“ ist eines seiner liebsten Worte. Es kam auf, als er „Kehrmaschine“ noch nicht sagen konnte.) Birthday oder Bürste, völlig egal. Der Zwack ist happy.

Am Ziel angekommen, ist immer noch Geburtstag, diesmal singt die Tante, wir verschieben das Geschenk auf den nächsten Tag. Der Zwack ist so geburtstagsgeschlaucht, dass er nichtmal mehr essen kann und unheimlich schnell froh einschläft.
Irgendwie schade, dass Kinder so selten Geburtstag haben. Wenn man aber bedenkt, wie viele Kinderewigkeiten es dauert, bis sich der Zwack von seinem erholt, vielleicht auch ganz gut. Bürsten-Lieder kann man ja trotzdem singen.

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