Pasta e basta. Und Pubertät.

Juni 30, 2014

Es ist so. Der Zwack mag Nudeln. Das ist nichts Bemerkenswertes, er ist ein Kind. Er mag Nudeln mit allem und in allen Variationen. Und man kann ihm nicht vormachen, es gebe keine Nudeln mehr, wenn in der Küche noch welche im Topf liegen. Er weiß das. Wahrscheinlich hat er eine Art Radar.

Bei Bekannten führte das zu der etwas peinlichen Szene, dass unser Sohn beim Mittagessen die Portion der Tochter des Hauses gleich mitverdrückte, weil die unvorsichtigerweise Mittagsschlaf hielt. Und unsere Bekannte den zwackschen Nudelverbrauch irgendwie falsch berechnet hatte. Danach fragte er nach Nachtisch.
Auch meine Schwiegermutter guckte ein wenig ungläubig, als wir bei ihr zum Essen eingeladen waren. Wie viel Nudeln sie denn nun kochen solle, ob alle 500 Gramm oder doch lieber weniger. Weniger? Für vier Erwachsene und einen Zwack?
Ich könnte Ihnen auch nicht sagen, wer wozu Kinderportionen erfunden hat. Oder wer „2-3 Portionen“ auf die Raviolipackung im Kühlregal schreibt. Aber egal. Wir sind gesegnet mit einem Kind, das gerne isst.

Strizzi isst zwar noch nicht selbst, stürzt sich aber – wie berichtet – gerne in mein Essen und blickt neidisch jedem Löffel hinterher, der in irgendeinem Mund verschwindet. Geschwisterlicher Mundraub lässt nicht mehr lange auf sich warten.

Ich muss gestehen, ich habe deswegen ein wenig Angst. Tütenweise karre ich Nudeln nach Hause. Stehe ich vor einem Nudelregal mit Sonderangebot, greife ich zu. Alle Sorten, alle Packungsgrößen, alle Vorräte. Vor Kurzem sprach mich jemand an, So ein Fahrradanhänger sei ja sehr praktisch zum Einkaufen, was der an Platz biete, vor allem, wenn man gar kein Kind dabei habe. Die Nudelpackungen hatten unglücklich den im Anhänger schlummernden Strizzi verschüttet.
Die Kassiererin wies mich anschließend darauf hin, dass Nudeln nur in „haushaltsüblichen Mengen“ abgegeben würden. Ja, das wisse ich. Sie erwartete daraufhin, dass ich den Strizzi wieder ausgrübe und die Nudeln zurück ins Regal räumte. Hören Sie mal, haushaltsüblich, haushaltsüblich. Nur, weil München vor Singlehaushalten strotze, könne man mir doch nicht verwehren, meine Kinder zu ernähren. Schließlich hätte ich zwei Söhne und die kämen irgendwann in die Pubertät! Ob sie auch Söhne hätte, fragte ich sie, in der Pubertät vielleicht. Die Dame betrachtete Strizzi und bezweifelte, dass der sich schon in der Pubertät befinde. Dabei weiß jeder, dass das schneller geht, als man gucken kann. Einmal umdrehen und schwupps – sind sie alle in der Pubertät. Für immer. Und das einzige, was sie dann tun: essen. Nudeln.
Ich konnte sie nicht überzeugen. Nicht mit der tradierten Mär, dass Tim in seiner Pubertät im Gegensatz zu allen anderen jahrelang immer aus Schüsseln aß, weil sich Teller nicht lohnten. Nicht mit der Hochrechnung des aktuelle zwackschen Nudelverbrauches auf Nahrungsnotwendigkeiten im Wachstumsschub mal Hormone plus Stimmbruch. Nicht mit der topaktuellen Diskussion um das abzuschaffende Mindesthaltbarkeitsdatum. Nicht mit der Größe unseres Kellers und meiner platzsparenden Nudelstapelstrategie (Spaghetti zum Beispiel: einzeln stapeln. Fussili: ineinander drehen). Die Dame blieb hart und verkaufte mir nur zwei Packungen Nudeln.
Zwei Packungen! Ein Kilo! Das reicht vielleicht zurzeit in einer Woche, in der wir gar keine Nudeln kochen.

Was soll ich sagen. Seither bin ich viel beschäftigt. Können Sie sich vorstellen, wie viele Einkaufsgänge und Geschick es benötigt, bis man ein aktuelles Nudelsonderangebot in Zweierschritten aus einem Rewe-Markt gekauft hat? Aber gut. Ein bisschen Zeit habe ich ja noch bis zur Pubertät.

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2 Antworten to “Pasta e basta. Und Pubertät.”

  1. minulinu said

    …ich hab auch Angst. Wir müssen dringend auf einen Bus sparen! Ich kann ja nicht jeden Tag einkaufen gehen! Wenn es hier Tortellino für uns alle gibt, koche ich inzwischen 750g frische Tortellino. /50g. Für zwei Kleinkinder, meinen 193cm-Mann und mich (…ich bin mir nicht sicher, ob ich satt werde oder einfach aufgebe…)

    Wer soll das denn bezahlen? Ich kann echt nur auf Ganztagsschulen mit Mittagsversorgungen hoffen und dann beten, dass den Lehrherren erst nach zwei Jahren auffällt, wieviel meine Kinder verdrücken…

    • Haha, genau!
      Um mögliche Nachforderungen der Mittagsversorgung zu umgehen, kann man sich ja vielleicht mit Eltern von „Wenigeressern“ zusammen tun?

      Ich gebe tatsächlich manchmal einfach auf. Und esse dann nach dem Essen Schokolade. Heimlich.

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