Hupf in Gatsch. Und Pfützenbildung.

Juli 14, 2014

Es ist so. Es gibt diese Kinder, die gerne barfuß in Pfützen springen, im Gatsch wühlen und mit Fingerfarben malen. Der Zwack gehört nicht dazu.
Blinzelt morgens die Sonne durch die Vorhänge und sieht ganz verheißungsvoll sommerlich aus, läuft er „Pfui! Staub! Pfui! Lauter Staub!“ rufend durch die Wohnung. Bröselt er einen Keks auf den Boden, folgt ein: „Oh nein! Überall Brösel!“ Landet beim Essen Müsli an seinem Finger, wischt er sie schneller ab, als man gucken kann.
Draußen nicht anders. Als der Zwack noch krabbelnd unterwegs war, war es ein Leichtes, Nachmittage mit ihm im Park zu verbringen: Decke ausbreiten, Spielzeug verteilen, sich daneben legen, lesen. Der Zwack wich nicht von der Decke. Auch, wenn sein Lieblingsspielzeug im Gras lag. Aber ich bitte Sie: Gras! Nicht mit dem Zwack. Kein Schritt.
Noch heute steht er im Sandkasten manchmal einfach nicht auf, sondern streckt mir unglücklich seine Hände entgegen: „Mama! Sahaaaand!“ Den wenigen Schnee des Winters betrat er nichtmal mit Schuhen und wurde regelrecht hysterisch, wenn ihm jemand Schnee unter die Nase hielt. „Nein! WEEEEG!“
Von Fingerfarben oder Basteln mit Kleister muss ich Ihnen nichts erzählen. Oder von dem arglosen Versuch einer Erzieherin, ihn zu schminken. „Mag nicht Zwack“ eine harmlose Reaktion.

Seit Kurzem robbt das Grauen durch unsere Wohnung. Strizzi. Bei Strizzi muss alles im Mund landen. Luftballons, Plüschtiere, Rasseln, Autos, der Zwack. Vor Kurzem schleckte er genüsslich eine halbe Stunde am Reifen des Tretautos herum, Pfützenbildung inklusive. Zwack versucht sich in der Strategie, den Strizzi mit halb-spannenden Dingen von den spannenden Dingen abzulenken. Tretauto und Strizzi trennte er durch ein langweiliges Holzbuch, das er Strizzi in den Mund steckte, rollte das Auto angewidert von Strizzi weg. Weit. Dann fasste er es zwei Tage nicht mehr an. „Strizzi angesabbert“ murmelte er jedes Mal dunkel im Vorbeigehen. Wenn die Strategie nicht aufgeht, höre ich ein „NEEEIIIN! Nicht angesabbern! Meine Buch! Mamaaaa! Nein! NEEEIIIN! Strizzi angesabbern!“
Strizzi folgt diesen Ausbrüchen aufmerksam. Dann sabbert er statt des Buches den Zwack von hinten an. Oder dreht sich in eine andere Richtung und robbt sabbernd dem nächsten Ziel entgegen.
(Der Frust übrigens wird dadurch nicht kleiner. Zwar kommt er nun vorwärts, macht seinem Ärger aber lauthals Luft, wenn er herausfindet, dass ein Tretauto eben nicht auf einmal in den Mund passt. Oder ein Schrank. Oder ein großer Bruder.)

Natürlich fände ich es praktischer, wenn man Sabber zum Putzen verwenden könnte. Aber nun, ich sehe es pragmatisch und rate Besuchern zu Gummistiefeln. Und so langsam verstehe ich auch, wieso der Zwack seine so gerne mag. Nur heute Morgen haben sie ihm nicht geholfen, als der Strizzi ihn wachsabberte, weil er den Schlafsack so interessant fand. Ich fürchte, dass der Zwack künftig in Matschhose und Gummistiefeln ins Bett geht. Aber: alles nur eine Phase. Bestimmt. Oder?

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2 Antworten to “Hupf in Gatsch. Und Pfützenbildung.”

  1. minulinu said

    wunderbar 🙂 Danke…

  2. pitz said

    Erinnert mich an das Kind, das seinen Pfannkuchen mit Messer und Gabel aß. 😉

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