Onboarding. Und Wölkchen.

August 22, 2014

Es ist so. Ich denke an Wölkchen. Meine neue Kollegin sagt „Teamworkshop“ und ich denke an Wölkchen. An Pinnwände, bunte Karten, Nureingedankeprokartebitte, Teilchen, Stuhlkreis, Blitzlichter, Stimmungsbarometersmileys, Themenspeicher. An Dokumentationen, die darin bestehen, dass irgendeine Praktikantin die Stellwände sowie die Kaffeepause fotografiert und die Fotos in eine Worddatei kopiert. Ich überlege, wer aus unserem neuen Team wohl in Tränen ausbricht, wer es schon immer wusste und wer mit verschränkten Armen seinen Stadtplan auswendig lernt. In der Pause verschwinden alle in ihrem Büro, um irgendwas zu arbeiten. Diese Stimmung zwischen „Keiner mag“, „Alle nörgeln“ und „Irgendwie sind wir doch ein tolles Team“. Meine neue Kollegin sagt „zweiter Teil von drei“ und meint also eine Serie von Teamworkshops, der Termin für den dritten sei der folgende, ich könne mich anhand der Dokumentationen ja auf den Workshop vorbereiten.

Sie öffnet eine Datei. Eine Powerpointpräsentation. Kein Foto, nirgends. Sie klickt auf eine Folie, um mir zu zeigen, wie das Team sich selbst analysiert hat. Bubble Chart nennt sie das und wenn man drauf klickt, erscheint eine Excel-Tabelle. In die kann man eintragen, wie sich die eigene Arbeitszeit prozentual verteilt, ob man – auf einer Skala von 1 bis 10 – diese Dinge gerne macht, ob sie planbar sind oder nicht und wie häufig sie auftreten. Zurück auf der Folie formieren die Zahlen sich zu Blasen. Die Blase „Onboarding“ – so nennt sich das, was die Kollegin gerade mit mir macht – ist mittelklein, blau („mache ich gerne“) und hochgradig planbar. Bis zum nächsten Teamworkshop jedenfalls könne ich wahrscheinlich kein solches Chart ausfüllen, aber vielleicht nächstes Jahr. Was ich aber schaffen könne, sei, folgendes Template auszufüllen. Auch ihm liegt eine Excel-Tabelle zugrunde, die sich in Farben verwandelt.

Im Verlauf meines Onboardings stoße ich auf viele weitere Folien. Bergeweise Charts, Templates, Präsentationen, Kennzahlen, Hyperlinks, Reminder, Dates, Feedback. Es sei ja ganz nett, dass ich diese Datei zu meinem Jobprofil wie besprochen erstellt habe, es sei nur, nun, sie sei in Word. Ob ich das vielleicht auch als Folie erstellen könnte?

Tatsächlich kann ich das nicht. Meine Deutschlehrerin predigte gerne die Form als den höchsten Inhalt. In die Form einer Folie scheinen meine Gedanken gerade nicht zu passen. Und Hintergedanken. Und Nebengedanken.

Ich sitze vor Powerpoint, versuche, meine Word-Gedanken auf die Folie zu meditieren. Stichpunkte unter einer Überschrift? Dann kann ich es auch bleiben lassen. Mindmap? Unlesbar. Am Ende entscheide ich mich für Wölkchen. Und farbige Kästchen. Nureingedankeprokasten, logisch.  Zwei Fotos. Die vorletzte Folie der Themenspeicher, die letzte ein Blitzlicht. Es war eben nicht alles schlecht, früher.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s