Betreutes Bauen. Über Aussichten.

März 14, 2015

Es ist so. Der Zwack hat sich gut in seiner neuen Kita eingelebt. Außerdem fasziniert ihn die Sprache dort. Zwar lässt ihn ein „Solang mer Bescheid wissen, is eh ois täik it isi“ relativ kalt, aber die Feinheiten fordern ihn heraus. „Mama“, fragt er beim Abendessen, „heißt es Käse oder Kese oder Kas eigentlich?“

Ein Grund dorthin zu wechseln war auch, dass es hieß, ab spätestens Mai könne der Strizzi die Kita besuchen. Darauf hatten wir uns verlassen, kein idealer Zeitpunkt, aber doch ausreichend, um uns zu organisieren. Kürzlich traf ich die Einrichtungsleiterin und bat um einen Termin, wir wollten gerne ein paar Details klären und die Sache fix machen. Worum es denn ginge, Nun, um den Strizzi. Wer das sei. Ich ahnte Arges. Nun, man habe gesagt, Strizzi – Zwacks kleiner Bruder – könne ab Mai die Kita besuchen und deshalb – NEIN! Sie habe das ja wohl immer mit Fragezeichen gesagt und deswegen mache auch ein Termin, nein, also, man könne die Dinge ja auch so besprechen. Und überhaupt, man habe einen spontanen Personalengpass und deswegen, nein, Mai auf keinen Fall, wie wir darauf kämen, aber es tue ihr leid, sie müsse nun, auf Wiedersehen. Und verschwand in ihren Papierstapeln.

(Diese Papierstapel müssen von Kafka persönlich erschaffen worden sein. In ihnen befinden sich irgendwo mindestens drei Durchschläge einer Einzugsermächtigung für die Zwackschen Besuchsgebühren, eine Tatsache, die mir vor Kurzem eine Mahnung ins Haus flattern ließ. Aber darum geht es hier leider nicht.)

Ich muss in dem Satz „Ab spätestens Mai können wir dann den Strizzi aufnehmen.“ das Fragezeichen überhört haben. Werfen Sie einen Blick in Ihren Kalender. Es ist Mitte März. Es ist München. Es ist ein Witz. Der „spontane Personalengpass“ resultiert daraus, dass drei Erzieherinnen in Rente gehen. Ganz spontan. Egal. Ich rufe die U3-Servicestelle an, Rechtsanspruch etc. Die Dame fragt, ob wir ihren Brief erhalten hätten. Ich erinnere mich an den Brief Ende September, in dem stand, man habe einen Platz für unser Kind in einer Einrichtung, die voraussichtlich Anfang September im Industriegebiet XY aller Wahrscheinlichkeit eröffnet werden könne.
Wir suchten damals für den Zwack. Nein, sagt die Dame, mit „unser Kind“ habe man damals beide gemeint, der Rechtsanspruch sei somit abgegolten. Ob die Einrichtung allerdings wirklich eröffnet habe, konnte sie mir nicht mitteilen.

Wir suchen nun also einen Betreuungsmöglichkeit ab Mai für Strizzi – ich arbeite, Herr Kugel ebenfalls, aber in einer anderen Stadt. Darüber hinaus suchen wir einen Kindergartenplatz für den Zwack.
Ich ziehe das kürzere Streichholz und gehe zu einem „Tag der offenen Tür“ bei uns ums Eck, Kinderkrippe, Kindergarten und Hort unter einem Dach. Ja, sagt die Dame, kein Problem, es sehe gut aus, nach Abzug der Geschwisterkinder habe sie noch drei Plätze im Kindergarten frei. Ob ich Mitarbeiterin sei? Nein? Hm. Alleinerziehend wenigstens? Tja. Aber wir beide berufstätig, nun ja. Nein, weder in Kinderkrippe noch Hort seien dieses Jahr Plätze zu vergeben, aber ich könne mir gerne nun die Einrichtung ansehen.
Ich sollte halt eine größere Spende in Aussicht stellen, raunt eine Bekannte mir beim Rausgehen zu. Das habe ihren Nachbarn damals in einem anderen Kindergarten auch geholfen.

Auf dem Heimweg komme ich an der Kinderkrippe vorbei, die nagelneu mit sechs Kindern gestartet hat. Drei vormittags, drei nachmittags. Weil sie kein Personal finden. Dann fahre ich an einer Baustelle entlang. In Gedanken setze ich sie auf meine Liste. Dann lernt der Zwack halt nicht Papierblümchen schnipseln, sondern Fenster setzen. Ist eh lebensnäher. Und der Strizzi kann dort dann mit irgendwelchen Steinen Fußballspielen. Oder den Bauarbeitern die Leberkassemmeln holen. Wird schon.

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2 Antworten to “Betreutes Bauen. Über Aussichten.”

  1. minulinu said

    Ich schicke Euch gedanklich eine große Kiste Glück!!

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