Erst der Anfang. Und Belangloses.

Mai 7, 2015

Es ist so. Es war das erste Mal, dass ich keine Angst davor hatte. Vor der Zeit allein mit den Kindern. Ich dachte, das krieg ich hin. Wie immer. Das war Sonntag. Heute ist Donnerstag. Die Familientrennung ist keine Woche alt und ich fürchte: wahrscheinlich kriege ich das nicht so gut hin.
Ich bin müde. Hinter meinem Auge nistet sich mein Kopfschmerz ein. Ich bin unfair zu den Kindern. Ich verabrede mich viel, weil es mir Pausen schenkt. Es führt jedes Mal zu anstrengenden Trotzszenen. Ich sage Leuten ab, die ich gerne getroffen hätte, weil ich keine Kraft habe, freundlich zu sein oder irgendetwas zu reden. Ich bin dankbar für Kinderbetreuungsunterstützung, aber weil ich darauf angewiesen bin, stresst es mich gleichzeitig. Ich arbeite nachts, damit ich pünktlich Feierabend machen kann. Ich registriere Verschleiß allerorten.
Um das alles zu durchbrechen, muss ich jetzt eine Reihe schöner Sachen aufschreiben, die zum Großteil völlig belanglos sind.

Strizzi fängt an zu reden und antwortet auf jede Frage mit „Ja“.
Auf dem Balkon blüht der Mohn.
Ich strawanze mit dem Zwack zum Standl, wir kaufen Eis. Später essen wir es auf dem Balkon und zählen Blüten.
Trotz allem treffe ich diese Woche mehr Freundinnen als in den letzten beiden Monaten.
Der Brunnen plätschert wieder.
Wir singen Weihnachtslieder.
Zwei Stunden Zweisamkeit mit einem hochvergnügtem Strizzi und einem Frosch.
Ich mag meine Kolleginnen.
Zwack spricht und denkt unglaublich abstrakte Dinge.
Schwiegervater verlässt das Krankenhaus.
Zwack verspricht dem Strizzi, dass auch er mal groß würde.
Strizzi piekst dem Zwack quietschend ins Ohr.
Wir kochen täglich gemeinsam, backen Kekse, und essen alle auf, noch bevor wir sie mit Schokolade überziehen können.
Quatsch-Musik.
Strizzi versucht, sich selbst anzuziehen („Ose! Uhe!“) und sieht immer recht extravagant aus.
Vorfreude auf das Erdbeerfeld.
Ich möchte unbedingt einen Text über ESSEN schreiben.
Die Wohnung versinkt nicht im Chaos.
Zwack fragt, wann endlich wieder Wiesn sei.
Strizzi beißt mir jeden Abend vor dem Einschlafen genüsslich in die Nase.

Und: es ist Kita-Streik. Vielleicht sollte ich mit den Kindern in die Berge fahren.

Advertisements

2 Antworten to “Erst der Anfang. Und Belangloses.”

  1. minulinu said

    Du kriegst das gut hin! Du beschreibst quasi die „normale Härte“ und drückst aus, was sich viele gar nicht trauen zu denken.
    Zwei kleine Wiesel sind ein Knallerjob (auch ohne Job und Haushalt) und sie bedeuten immer die unmittelbare Nähe von Glück und Unglück (ist bei den Kleinen ja genauso).

    Du machst das wunderbar. Und Deine Beobachtungen berühren andere und trösten ganz arg.

    *geschrieben aus der gegenteiligen Situation: Schwiegermutterbesuch seit Samstag mit gesteigerter kindlicher Agitation und apokalyptischen Frustanfällen

    Liefs,
    Christina

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s