Über Socken. Und Sommer.

Juni 11, 2015

Es ist so. Sie kennen mit Sicherheit das viel beschrieben Bild des männlichen deutschen Touristen. Nicht das von Hans Söllner, nein, einfacher, den mit den kurzen Hosen und den hochgezogenen Socken in den Sandalen. Geben Sie es zu: Sie haben darüber auch schon mehr oder minder versteckt gelacht.

Es ist kein Grund zu lachen. Es müssen hoch schutzbedürftige Wesen sein. Ich weiß das. Ich habe so ein Exemplar zu Hause.
An einem der ersten warmen Tage habe ich dem Zwack eine neue, schicke, aber eben kurze Hose angezogen. Mit Baggerdruck. Als er begriff, was da geschah, versuchte er, die Hosenbeine nach unten zu ziehen. „MAMA!“ Dann, die Socken noch weiter nach oben zu ziehen. „MAAAMAAA!“ Es blieb ein Stück freies, nacktes Bein. „MAAAMAAA! Ich will eine lange Hose anziehen!“ Es sei doch warm, Nein, er wolle nicht, keine kurze Hose, eine lange Hose. Neinneinnein. Ob er dann die Socken ausziehen… „NEIN!“

Ich habe letzten Sommer gelernt, dem Zwack bereits morgens so wenig anzuziehen, wie es nachmittags warm werden soll. Denn, was er einmal anhat, zieht er nicht mehr aus. Wählt man die Kleidung nicht nach der Wetterprognose, stolpert der Zwack in voller Montur bei 33 Grad über den Spielplatz. Nicht, dass er keine Haare hätte oder mager wäre oder aus sonstigen Gründen bei 33 Grad fröre. Nein, er ist ein haarpelziger Schwitzer. Je wärmer es wird, desto mehr wird verhandelt. „PULLI! SOCKEN!“ – „Heute ist es so warm: Pulli ODER Socken?“ – „Beides. Mh. Socken! Und eine lange Hose!“
Zum Glück haben wir eine Badehose geerbt, die drei Nummern zu groß ist und die der Zwack als lange Hose durchgehen lässt. Aber am liebsten wollte er seine Winterjacke anziehen, als wir erstmals in Richtung Schwimmbad los sind.

Ich habe überlegt, was es ist. Eine Ausprägung von Stilbewusstsein? Oder schützen Hosenbeine und Pulliärmel und Socken vor der zugegebenermaßen grusligen Panade aus Sonnencreme und Sand? Vielleicht schützen die vor allem. Vor dem da draußen. Schiebe ich einen meiner Ärmel hoch, wenn es warm ist, kann ich mir sicher sein, dass irgendwann der Zwack kommt und ihn mir runterzieht. Wo er hingehört.
Jedenfalls, tun Sie mir einen Gefallen. Sehen sie ein Kind in Winterjacke oder mit höchstgezogenen Socken und längstgezogenen Hosenbeinen schwitzend, aber fröhlich über einen Spielplatz räubern: lachen Sie nicht. Es wird schon richtig sein.

(Sie fragen sich, was Strizzi macht? Strizzi zieht seit jeher bei erster Gelegenheit – je nach eigenem Koordinationsvermögen – Socken und Hose aus. Sieht er ein Kind, das irgendetwas nicht anhat, das er anhat, kommt er gelaufen, zerrt am betreffenden Kleidungsstück und ruft ärgerlich „Aus! Aus! Aus!“ Das habe ich nicht erfunden.)

Advertisements

Eine Antwort to “Über Socken. Und Sommer.”

  1. […] und auch keine Jacke. Er wütet. NEEEIIIN Schuhe! Der Zwack – der ja, wie Sie wissen, gerne mal viel Kleidung anhat, weil es Natur gibt – zieht ihn ans Fenster. Ob das vielleicht Regen sei, eigentlich. Und […]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s