Espresso. Und über Ungeschriebenes.

September 3, 2015

Es ist so. Leute fragen, wieso ich in letzter Zeit so wenig schriebe. Zum Beispiel in der Zeit, in der ich nicht arbeitete. Ich musste kürzlich daran denken, als ich eine Mutter in einem Café sitzen sah. Sie saß da und schrieb in ein Buch, sah ab und zu sinnierend auf, nippte an ihrer großen Schale Milchkaffee und schrieb weiter. Neben ihr saß ihr Kind. Malend. Mit Glitzerstiften in ein Buch, sah nie auf. Malte.

Mein hehres Ansinnen in diesem Café war: ein Espresso. Ich hielt das für realistisch. Noch bevor ich das Wort „Espresso“ aussprechen konnte – von „bitte“ ganz zu schweigen – war Strizzi zum ersten Mal von oben bis unten nass. Tropfnass. Mit dem Laufrad in den Brunnen gekippt. Zwack stand daneben und juchzte. Innerhalb dieses Espressos – „Ich möchte gerne gleich zahlen“ – konnte ich ihn noch weitere zwei Mal umziehen und ihn ebenfalls zweimal davon abhalten, mit seinem Laufrad über eine Treppe nach unten aus dem Park zu fahren. Beim Zwack bin ich schon froh, wenn ich analog zu seiner Geschwindigkeit rufen kann.

Solche Dinge mache ich in meiner Freizeit. Kinder aus Brennesseln pflücken. Schienbeinweise blaue Flecken und Schürfwunden wegtrösten. Hosen kaufen. Und, ganz wichtig: den beiden auf keinen Fall Glitzerstifte in die Hand drücken. Dem Strizzi nicht, weil er sie aufisst, dem Zwack nicht, weil er weitermalt. Das Bücherregal an der Wand fortsetzt, beispielsweise. Wir hatten einmal einen Edding im Wohnzimmer liegen gelassen und uns morgens über das ruhige SPIELEN des Zwacks gefreut. Fragen Sie nicht.
Überhaupt Spielen. Spielen ist ein Haufen. Ein Haufen Kinder. Ein Haufen aus Dutzenden Armen und Beinen und Schreien und wenn man sie entwirrt, sind es doch nur wieder die beiden unter irgendwelchen Kissen, Decken, Möbeln. Zu zweit eine Bande. Das klingt jetzt verboten stereotyp, ebenso die Stock- und Steinesammlung auf dem Balkon, Jungs, die wild sind blablabla und Mädchen, die Bibi Blocksberg blablabla. Das ist mir alles egal.

(Zumal: aus dem Haufen an Armen und Beinen hörte ich vor Kurzem ein „Hex! Hex!“ und dann ein „Enemene Hex! Hex! Du weg!“ Das hatte der Zwack von einer Kita-Freundin, die eine große Schwester hat. Es dauerte nicht lange, bis Strizzi mit ausgestrecktem Zeigefinger durch die Gegend lief, laut „Hes! Hes! Wed!“ rufend. Daraus ergab sich die nächste Verfolgungsjagd, an deren Ende lautes Gebrüll stand, weil der Zwack sein Laufrad weggehext hatte. Oder das Müllauto. Oder.)

Jedenfalls, ich schreibe gerade nicht. Aus Gründen. Nicht, weil hier nichts los wäre. Und jetzt gehe ich in das Café, um meinen Espresso vom letzten Mal weiterzutrinken.

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4 Antworten to “Espresso. Und über Ungeschriebenes.”

  1. wiycc said

    Schreiben Sie, wann Sie können, ich lese es auf jeden Fall gerne und gehe jetzt mit einem Schmunzeln ins Bett.

  2. Da kann ich Wiycc nur zustimmen. Du hast einen super Schreibstil und verfasst tolle Geschichten. Und keine Zeit zum Schreiben, obwohl man die so gern hätte, das kenne ich nur zu gut. LG Mate

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