ÜberWut. Und Entwütung.

September 11, 2015

Es ist so. Strizzi wacht auf und ist wütend. Mich weckt ein energisches Pieksen im Auge, begleitet von entzürntem „NEIN! Nicht Augen zu! NEIN! Mamamamamamamamamamama NEINNEINNEIN!“ Dann flutscht er aus dem Bett und stampft wütend im Schlafsack durch die Wohnung. Halb drei. Aber nächtliche Uhrzeiten sind ohnehin bedeutungslos geworden.

Strizzi konnte stampfen, bevor er laufen konnte. Er warf sich auf den Boden, bevor er krabbelte. Kurz: manchmal nenne ich ihn Wutzwerg. Es gibt täglich unzählige Wutanlässe. Windeln. Socken. Hosen. Pullis. Jemand, der SEINEN Stuhl oder SEIN Laufrad berührt. (Die beiden Dinge, die ausschließlich ihm gehören.) Das Ende der Kletterroute Bücherregal. Zwack. Mama. Jemand hält ihn davon ab, eine Raupe zu essen. Der Tisch steht im Weg. Der Staubsauger existiert. Solche Dinge.

Vor Kurzem schrie Strizzi ein anderes Kind an, weil es ihm im Weg stand, als er wutentbrannt aus dem Zimmer stürmen wollte. Wunderbare Wutanfälle! Man weiß sofort, woran man ist. Und dann: sind sie vorbei.

Vielleicht ist diese Wut auch so gut auszuhalten, weil man schon ein bisschen Kinderwut kennt. Aber vor allem, weil der Strizzi ansonsten eine ziemlich liebenswerte Socke ist. Wenn er nicht stampft oder einen Haufen mit dem Zwack bildet, kuschelt er den Zwack. Baut Eisenbahn. Singt Lieder. Kocht Kissen. Drückt Knete in alle Ritzen, die so eine Wohnung zu bieten hat. Malt seinen Bauch an. Trägt das Töpfchen als Hut. Übertönt die großen Fragen der zwackschen Abendphilosophie mit konstantem „Möööh mööh mööh MÖÖÖÖH“.

Ich habe aufgehört, mich in kindliche Wutanfälle zu wickeln. Manchmal tätschelt der Strizzi den wütenden Zwack recht beiläufig, von Mann zu Mann, wenn der gar nicht mehr rausfindet aus der großen Emotion. Oder er schaut ihn fragend an und nutzt die Chance, das zwacksche Liebligsauto zu fladern. Überhaupt sind Kinder meist die besseren Ent-Wüter.

Neulich. Zwack und ich holen den Strizzi ab, es regnet. Ergiebig. Strizzi mag seine Schuhe nicht anziehen und auch keine Jacke. Er wütet. NEEEIIIN Schuhe! Der Zwack – der ja, wie Sie wissen, gerne mal viel Kleidung anhat, weil es Natur gibt – zieht ihn ans Fenster. Ob das vielleicht Regen sei, eigentlich. Und ob man da eine Jacke brauche, eigentlich vielleicht. Schau mal, schau doch mal. Da! Strizzi grummelt irgendwas, stampft ein bisschen sinnlos im Kreis, Schau mal da, eigentlich!, stampft auf mich zu, ignoriert mich demonstrativ und versucht dann, sich seine Schuhe anzuziehen, nicht ohne NEIN SCHUHE! zu grummeln.

Der nächste Wutgrund ist erst wieder die Kapuze. Weil sie nicht so will wie der Strizzi, der seine Kapuze sehr  mag. So sehr, dass er sie sich gerne über die Augen zieht, nichts mehr sieht und stolpernd irgendwo landet. In einer Pfütze zum Beispiel. Wenigstens aber nicht barfuß und entwütend bejuchzt vom Zwack.

Ja, es ist wunderbar, wenn man sich so rausnehmen kann, ganz entspannt, weil Kinder ihre Situationen ganz von alleine lösen. Man kann einfach da sitzen, Kaff… EH! Nein! Das ist doch nicht so schl- OH MANN!

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