„He robbed the rich to help the poor.” Frühstücksphilosophie.

März 15, 2016

Es ist so. Der Zwack hat sich nun lange mit Leben, Tod, Wiedergeburt und dem Geheimnis des Lebens in Bäuchen beschäftigt. Dazu gehört natürlich auch die himmelschreiende Ungerechtigkeit, dass er nie ein Baby im Bauch wird haben können, also weder Mama noch Oma werden kann. Dabei hätten Männer doch viel mehr Platz für Babies im Bauch, schließlich seien sie dicker! Oder, Mama!
(Es gibt ja diese dreijährigen Skinny-Jeans-Jungs. Der Zwack gehört nicht dazu. Er hat einen Freund, der gerade auf Fastenzeit gesetzt wird. Sogar Strizzi verdrückt mehr als dieser Freund – zum Beispiel in Pfannkuchen – , vom Zwack ganz zu schweigen. Aber davon ein ander Mal.)

Jedenfalls, nach diesen großen Themen sitzt der Zwack am Frühstückstisch und sagt: „Mama, Robin Hood.“ Jajaja, endlich leichte Kost, werden sie denken. Helden in Strumpfhosen! Disney! Abenteuerspaß! Und mir fällt auch prompt einer von zwei feststehenden Sätzen aus dem Englischunterricht ein: „He robbed the rich to help the poor“. Was der gemacht habe.
Ich übersetze meinen Satz und veranschauliche das mit einem schlechten Beispiel. Dann fällt mir ein besseres ein, Zwacksche Autos. Dass es doch aber den Robin Hood gar nicht mehr gebe und dass er deswegen auch nicht zehn Zwacksche Autos (also ungefähr die Menge, die er jeden Tag in seinen diversen Jackentaschen rumschleppt) einem Kind geben könne, das gar keine Autos habe. Überhaupt, er kenne nur Kinder, die mehr Autos hätten als er. Zum Beispiel der Paul.
Ich erwidere, dass es Leute gebe, die die Idee von Robin Hood aber durchaus noch für nachahmenswert hielten, auch wenn es Robin Hood selbst nicht mehr gebe. Der Zwack kaut nachdenklich sein Brot.

Pfffff, was soll das, denken Sie. Easy, oder.

Mama, was macht die Polizei zu Robin Hood? Stören Sie sich nicht an der Grammatik. Der Zwack nutzt diese Formulierung für alles. Was machen Astronauten zu Kindern? Was machen Hunde zu Katzen? Und so weiter. Stellen Sie sich vielmehr vor, dass da ein Kind am Frühstückstisch sitzt, das mich seit viertel nach fünf wach hält. Jetzt stellt dieses Kind mich vor die Aufgabe, in dreijährig-gerechtem Happen den Unterschied zwischen „Recht“ (verkürzt Polizei) und „Gerechtigkeit“ (verkürzt Robin Hood) zu erklären. Und der Zwack natürlich selbst im Grunde seines Herzens noch in der Polizisten-Phase.
Seltsamerweise schluckt der Zwack meine Ausführungen zwischen „richtig“ und „gut“ ohne große Widerworte mit nur wenig Nachfragen.

Ein Brot später die Frage: „Mama, gibt es böse Polizei? Und gute?“ Ich bin ja davon überzeugt, dass dem so ist, einfach auch, weil’s menschelt. Vielleicht hätten wir ihm auch Jan Böhmermann vorenthalten sollen – „Polizei macht, was Polizei will“.
Aber statt tiefer in „gut“ und „böse“ zu dringen, möchte der Zwack nur wissen, was böse Polizisten zu Kindern machen. Endlich wirft Strizzi sein Glas um und unterbricht die Litanei. Jedenfalls bis 30 Minuten später, wo ein Zwack aus dem Fahrradanhänger penibel eine Frage nach der anderen zu Recht, Gesetz und Strafe stellt. Alles erst der Anfang. Wenn Sie mir gut Philosophen empfehlen wollen, nur zu. Wenn Sie mir außerdem verraten können, welche Birne Dreijährigen von Robin Hood erzählt – JEDERZEIT!

Gleichwohl, der Nachmittag verläuft unethisch, kindlich-kreativ. Zwack malt Fensterbilder. Aus Schnupfen. Ich freue mich fast darüber, reiche Taschentücher und Kekse.

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3 Antworten to “„He robbed the rich to help the poor.” Frühstücksphilosophie.”

  1. alter said

    Ich würde mir den Zwack als Enkel wünschen!

  2. […] (Ich verkläre das jetzt natürlich auch. Im Allgemeinen stellt der Kindergarten natürlich das Ende der Erziehung dar. Aber dazu habe ich ja schon in Ansätzen beschrieben.) […]

  3. ladykluck8 said

    mei, das hab ich auch sehr gern gelesen.
    ich hab ja einen kleinen robin-hood-fan daheim.

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