Buchstabenkekse im Haar. Und Müsli. Und wieder nix.

November 13, 2017

Es ist so. Ich komme überhaupt nicht mehr dazu, irgendwelche Texte zu schreiben. Genauer gesagt: ich komme überhaupt nicht mehr dazu, auch nur einen texttauglichen Gedanken zu fassen. Aber ich kann Ihnen sagen, wieso. Nehmen wir heute. Heute ist also ein Tag, an dem ein Kind krank ist. Der Zwack ist krank, der Strizzi hormongebeutelt und deswegen noch grantiger als sonst und da ist Otto. Otto findet ab fünf Uhr morgens, sie müsse auf mir schlafen. Und brüllend erwachen, wenn ich versuche, mich unter ihr davon zu stehlen. Um beispielsweise duschen zu gehen.
Ich versuche dennoch duschen zu gehen. Strizzi wird damit beauftragt, Otto nicht zu wecken und Bescheid zu geben, falls sie brülle. SCHNELL Bescheid zu geben, also idealerweise, BEVOR Otto aus dem Bett fällt. Ich gehe duschen, Strizzi stürzt ins Badezimmer. ER HABE NUN GEGUCKT, OB OTTO NOCH SCHLAFE, MAMAAAA!!!! SIE SCHLAFE!! ABER GANZ QUER IM BETT!!! Brüllt’s und nebenan fängt Otto lautstark an aufzuwachen. Nun denn. Fast fertig geduscht. Zwack murmelt irgendetwas aus seinem Bett, schlendriant aus selbigem und verkriecht sich in der LEGO-Kiste. Strizzi sucht seine Socken, findet und zieht verschiedene irgendwie an.

Ich jongliere Otto, Geschirr und Müsli. Otto scheint wach, aber nicht so wach, als dass man sie irgendwo hinsetzen könnte. Irgendwann Frühstück. Ich träume von besseren Zeiten, Zeiten, in denen ich ohne Kind auf dem Schoß beziehungsweise ohne Kind in meiner Müslischüssel mal frühstücken könne. Ja, in der Schüssel. Damit meine ich nicht den Löffel. Otto schafft es im Laufe des Frühstücks zweimal, sich eine Müslischüssel aufzusetzen. Dafür bringt sie sie anschließend auch in die Küche. Wo sie ihr ein drittes Mal auf den Kopf kippt, weil Otto einfach zu kurz ist, um die Schüssel auf die Arbeitsfläche zu stellen. Frust.
In der Zwischenzeit auch bei Strizzi Frust, wahrscheinlich lag die Zahnbürste schief. Zwack schlendriant immer noch rum, wirkt erstaunlich ausgeglichen und meditiert LEGOsteine zu einem Boot.

Oma kommt, bleibt bei Zwack, Strizzi, Otto und ich stolpern in den Schneeregen. Schneeregen und ein Kind, das nix anziehen möchte ergibt auch eine Lautstärke. Kindergarten, Kita, Tram, U-Bahn, Büro. Im Büro ist auch irgendwas, dann einkaufen, dann rückwärts die Kinder einsammeln. Zwack hat Opa einen Wunschzettel schreiben lassen und führt aus, dass das Christkind praktischerweise in seinem Kopf wohnt. Strizzi findet es unfair, dass er einen eigenen Wunschzettel basteln solle, er könne doch einfach den vom Zwack nehmen, der wolle den aber nicht hergeben. Der Doofmann sei immer so gemein. (Hören Sie einen Dreijährigen „DU DOOFMANN!!!“ brüllen und versuchen Sie, nicht zu lachen.)

Otto findet es unfair, dass ihre Brüder schneller Buchstabenkekse essen können als sie, bunkert welche mit mäßigem Erfolg, den Rest bröselt sie sich in die Haare, bevor sie selbst rücklinks in die Legokiste kippt. Schadenjuchzende Hilfeschreie aus dem Kinderzimmer. Otto rächt sich später, indem sie einige Uno-Karten verschlingt. Dies wiederum frustriert Strizzi, der sich auf den Boden wirft, statt Streicheleinheiten wird er zum Schlagzeug umfunktioniert. Und jetzt weiß er nicht, ob er das lustig finden soll, weil Otto juchzend trommelt oder ob er noch beleidigt ist wegen der Karten. Abendessen ist auch noch und Zähneputzen und Telefon und mehr Geschichten vom Christkind, der Zwack hat wohl vor Kurzem mit ihm gesprochen und noch mehr Weihnachtswünsche und gute Nacht und noch mehr von allem und am Ende hat auch Otto Fieber und findet, sie schläft nur auf mir ein.

Und weil das ein ganz normaler Tag ist und ich immer vergesse, Ohropax zu kaufen, lesen Sie hier halt leider nix.

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5 Antworten to “Buchstabenkekse im Haar. Und Müsli. Und wieder nix.”

  1. chrinamu said

    Also, dafür dass du nix schreibst, hab ich viel gelacht. Danke! 🙂 Und das unter Schlafenden Wegstehlen übe ich auch schon länger mit unserer kleineren Katze, klappt ebenfalls selten.

  2. pitz said

    Sehr schön 🙂 (Ich hab manchmal beim Essen vorgelesen, damit mal etwas Ruhe ist. Schont die Ohren, macht aber hungrig).

  3. Sigi said

    Ich hoffe Du kannst so cool bleiben wie Du schreibst.Deine Texte zaubern immer ein Grinsen in mein Gesicht. Ich beneide Dich um Deinen Nachwuchs, allerdings würden mich die Drei sicher ziemlich überfordern.

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