Es ist so. Zwei Fragen. Sind sie beeindruckt, wenn Dreijährige schwierige Sätze sagen, zum Beispiel „Er bleibt ruhig und konzentriert“? Ja? Finden Sie es rührend bis entzückend, wenn Dreijährige Faxgeräte kennen? Ja? Lassen Sie mich raten: Sie haben keine Kinder, die sich sonderlich für Feuerwehr interessieren.

Der Zwack wollte gerne ein Faxgerät zum Geburtstag. Grund war der Held, der „ruhig und konzentriert“ bleibt. [Einschub: als ich das das erste Mal hörte, vermutete ich den armseligen Versuch, Jungs mittels eines Liedes ruhigstellen zu wollen. Wäre es nur sowas gewesen!]
Der Held. Feuerwehrmann Sam. Gegen ihn ist Conni eine Revoluzzerin. Sam, Held von nebenan, Retter in der Not. Ich weiß, er wurde erfunden von Feuerwehrmännern. Brandprävention für Kinder. Kinder, wenn es brennt, wählt den Notruf! In der Serie wählt niemand den Notruf, alle rufen Feuerwehrmann Sam. Dann piepst es in der Feuerwache, Hauptfeuerwehrmann Steele trottet zum Faxgerät (!), der Alarm geht los und ab zum Einsatz.
Ehrenwerte Idee hin oder her, Feuerwehrmann Sam nervt.

Jetzt aber. Zwack und Strizzi sind große Fans von Feuerwehrmann Sam. Der nervt überhaupt nicht. Er bleibt ruhig und konzentriert. Er löscht jeden Brand! Dafür ist er bekannt! Was immer Dich bedroht, Sam hilft Dir in der Not! Noch besser als Sam findet Zwack Tom. Den mit dem Hubschrauber. Strizzi steht auf Penny. Vor Kurzem habe ich mich breitschlagen lassen und erstand eine CD. Vier Folgen Feuerwehrmann Sam. Zwack und Strizzi saßen eine Stunde in trauter Zweisamkeit im Kinderzimmer vor dem CD-Player.
Zwack hörte den ganzen Nachmittag die CD. Strizzi fing an, mit dem Rutschauto diverse Notfälle in unserer Wohnung zu bearbeiten. Derer gibt es genug! Ich lege Wäsche zusammen, auf einmal raunt mir Strizzi beruhigend ins Ohr. „Komm, kleines Kätzchen, komm, ich bring Dich wieder runter. Du musst keine Angst haben. Komm zu mir.“ Kinderarme schlingen sich um mich, es folgen ein paar technische Geräusche. „So, hier bist Du wieder unten. Ich hab Dich gerettet. Tschüs, kleines Kätzchen!“ Iuuuiuuuiuuu. Wäre Feuerwehrmann Sam SO, ich wäre auch verliebt. Aber so ist nur Feuerwehrmann Strizzi.

Als Strizzi sogar nachts im Schlaf noch Notrufe absetzte, kassierten wir  die CD. Strizzi hat uns eine geschlagene Stunde angebrüllt. Als es klingelte, hatte ich Angst, jemand habe einen Notruf gewählt und Feuerwehrmann Sam stehe vor der Tür, um mir großväterlich zu erklären, wie ich meine Kinder zu erziehen habe. Und fragen Sie nicht, wie viele Diskussionen Zwack beim Lagerfeuer letztes Wochenende erstmal führen musste, bevor er anfing, drin rumzustochern.

Aber tatsächlich. Besserwisser Sam hat gut Seiten. Otto tanzt grinsend zum Titellied, Zwack und Strizzi spielen einen Einsatz nach dem anderen. „Notfall am silbernen Luftballon! Zwack, wir brauchen den Hubschrauber!“ – „Feuerwehrmann Strizzi! Einsatz unter der Heizung! Bitte kommen!“ Iuuuiuuu! Ich werde nur manchmal als Otto-Räum-Kommando benötigt. In der Zwischenzeit kann ich Texte schreiben. Diesen hier zum Beispiel. Ruhig und konzentriert.

 

 

[Der Zwack bekam kein Faxgerät zum Geburtstag. Aber WalkieTalkies. Die gibt’s nämlich auch immer noch. Und sehen sehr wichtig nach Notruf aus. Ende.]

 

 

Es ist so. Quality Time. Haben Sie bestimmt schon gehört, es geistert irgendwo zwischen Vereinbarkeit und Helikoptern durch die Feuilletons und über die Spielplätze. Spielplätze – ein Hort der Quality Time. Quality Time, so die These: nicht die Menge der Zeit ist entscheidend, die man mit den eigenen Kindern verbringt, sondern die Intensität, die Qualität also. Quality, verstehn S‘.

Jetzt ist die Frage von Qualität ja auch immer eine Frage der Möglichkeit, Window of Opportunity for Quality, quasi. Also: wann kann denn diese Quality Time überhaupt stattfinden. Und ich fürchte, hier haben meine Kinder und ich unterschiedliche Auffassungen. Strizzi läutet derzeit das Window of Opportunity for Quality morgens um fünf ein. „MAAAAMAAAA! MAAAAAAAAAAAAMAAAAAAAAAAAAAA!“ tönt es aus dem Kinderzimmer. Wenn der Zwack nicht auch wach werden soll, tue ich gut daran, zu Strizzi ins Bett zu kriechen. „Ich mag Frühstück!“ Ja, eigentlich sprechen unsere Kinder mit „bitte“ und „danke“. Aber morgens um fünf ein „Wie heißt das?“ erzieherisch zu entgegnen, bringt mir nix. Außer einem hörbar verständnislos dreinschauenden Strizzi, der auf „Wie heißt das?“ lauthals und schlecht gelaunt „FRÜHSTÜCK! Oh Mann! FRÜÜÜHSTÜÜÜCK!“ antwortet.
Beim Abendessen finde ich sowas lustig. Morgens weniger. Aber weil ich bisher versäumt habe, ihm sein Frühstück so vorzuportionieren, dass er es selbst zusammenschütten kann, mache ich also Frühstück. Mit gestreiftem Löffel, eh klar. Außerdem sitzt er eh nicht gern alleine am Frühstückstisch. Sondern unterhält sich mehr oder weniger gut gelaunt. Quality Time. Wenigstens quatscht er weniger als der Zwack, der morgens gerne mal erörtert, ob man ein Feuer jetzt auspieseln kann oder nicht und wenn ja, wie. Und ob es auf dem Mars U-Boote gibt. Wenn Strizzi sich lustig unterhalten will, rülpst er erstmal kichernd. Oder weist mich darauf hin, dass draußen eine Pupsmöhre vorbeiflöge. Hihihihihi.

Egal. Sie fragen sich, wieso ich mich nicht einfach wieder ins Bett lege, spätestens, wenn der Zwack auch Frühstück hat. Habe ich versucht. Es ist aber nicht erholsam. Alle 10 Minuten brüllt es von irgendwoher oder einer kommt „ICH SAAAGS!“ angesockt. Dann lieber aufstehen. Vorlesen. LEGO bauen. U-Boote und Pupsmöhren auf dem Mars erörtern. Quality halt.
Gestern wachte Strizzi schon um viertel nach vier auf, wollte zwingend aufstehen, frühstücken und auf seine Gäste warten. Kindergeburtstagsfeier. Um sechs waren die Gäste noch immer nicht da. Meine Qualität bestand darin, Strizzi ab und zu mit einem Saftbärchen ruhig zu stellen, damit er nicht seinen Geburtstagskuchen EBEN JETZT! ALLEINE!! AUF!!!aß.

Ob natürlich eine morgenmuffelige, müde Mama überhaupt als Quality zählt oder aber Saftbärchen, weiß ich nicht. Zeit genug jedenfalls haben wir morgens und ich habe mir angewöhnt, mit den Kindern aufzustehen. Einmal haben wir morgens sogar was gebastelt. Es muss ja nicht immer Nachmittag sein.

Abends haben wir weniger Zeit. Mindestens einmal in der Woche schläft mindestens Zwack beim Abendessen ein. Will heißen, er mümmelt im Schlaf sein Käsebrot. Wir haben einen Film, in dem ich die schlafenden Kinder abwechselnd von ihren Broten abbeißen lasse. Der Film hat auch Qualität, anders. Auf dem Film sieht man übrigens auch Otto, die ausgeschlafen auf meinem Schoß sitzt und jedesmal juchzt, wenn Strizzi seinen Kopf zurückhält, kurz, bevor er in seinen Teller knallt.
Ich weiß jetzt auch nicht genau. Am Besten gehe ich jetzt schlafen. Ohne Schluss, ohne Moral, ohne Qualität, ohne nix. Wenn Sie morgens mal was basteln wollen, kommen Sie gern vorbei.

Es ist so. Ich wollte schon lange mal wieder über Essen schreiben. Eigentlich natürlich irgendwas, wo Strizzi ganze gegrillte Knoblauch-Thunfische isst. Aber das geht jetzt nicht. Weil wegen Mara. Mara geht beim Zwack in den Kindergarten, ich habe vielleicht schon von ihr erzählt, die atheistische Elfe.
Jedenfalls, Mara kommt in allen zwackschen Essens-Fragen vor. Vokabeln wie „Essen vertragen“ und Dinge wie „darf kein xy essen/ trinken“ kennt Zwack von Mara. Und jetzt sitzt Zwack beim Essen, schaut seiner dritten Dampfnudel zu, wie sie gemütlich in der Vanillesauce schwimmt und fragt, ob es stimme, dass man stürbe, wenn man zuviel esse. Das sage Mara. So eine Frage bei irgendeinem waghalsigen Kirchererbseneintopf als kreative Ich-mag-nicht-Ausrede, okay. Aber bei Dampfnudeln? Ich frage den Zwack also, ob ihm die Dampfnudeln diesmal nicht schmeckten und dass er auch einfach aufhören könne zu essen, wenn er satt sei. Nein, sagt er, Mara sage, man stürbe, wenn man zuviel esse. Ich versuche, ihm zu erklären, dass der Körper Essen brauche, weil er sonst weder Muskeln noch Energie noch sonst irgendwas Brauchbares zustande brächte. Dass es aber natürlich Essen gebe, das mehr Energie liefere und Essen, dass weniger gut Energie liefern könne. (Jaja, ich weiß. Und nein, die Dampfnudeln sind nicht aus Vollkornmehl. Aber: es gibt immer Gemüsesuppe davor.) Der Zwack überlegt und denkt und senkt eine vierte Dampfnudel in die Vanillesauce.

Das Thema war dann längere Zeit nicht mehr interessant, es ging wieder mehr um Raumschiffe und Räuber und U-Boote und Vulkane. Zwack weigert sich, mit uns in Urlaub zu fahren, weil es auf Izilien einen Vulkan gibt und er sich außerdem nicht sicher ist, was passiert, wenn die Fähre auf der Überfahrt auf ein U-Boot trifft. Oder Mama.

Und dann kommt Bertl zu Besuch und bleibt zum Abendessen, weil es zu Hause einen kreativen Eintopf  aus Hülsenfrüchten gibt und bei uns Nudeln mit Hackfleischsauce. Die Dynamik will, dass auf einmal niemand Sauce essen mag, sondern nur Nudeln mit Käse. (Nein, keine Vollkornnudeln.) Die Dynamik will auch, dass der Zwack sich einen Riesenberg Nudeln in den Mund stopft, den er kaum zu kauen vermag. Das wiederum verleitet mich, zu sagen, dass sie wahrscheinlich gleich zu Ohren wieder rauskämen, woraufhin Bertl seinen Finger in sein Ohr bohrt, um zu verkünden, dass HIER das Ohr zu Ende sei und die Nudeln deswegen nicht rauskommen könnten. Als der Zwack wieder Platz im Mund hat, röhrt er, er würde so viele Nudeln essen, weil er dann stark werde. Komm, wir essen ganz viele Nudeln, Bertl, dann werden wir gaaaanz stark!!! Oder!!!
Da guckt Bertl auf seine zweite Nudelportion ohne irgendwas mit Käse und wird ein bissl traurig. Weil das gar nicht stimme, mit dem stark werden. Weil, wenn man zuviel esse, dann würde man dick. Nein! röhrt der Zwack, man würde stark, dann verstummt er wieder einige Minuten, um den nächsten Riesenberg Nudeln zu bändigen. In dieser Zeit schaffe ich es, Bertl davon zu überzeugen, dass – zum Glück hat er diesen Wikingerpulli an – bei dieser Wikinger-Serie die dicksten Wikinger doch auch besonders stark seien. Weil, der Bertl ist nämlich gar nicht dick. Der Bertl ist vier und spielt jeden Tag nach dem Kindergarten eine Stunde Fußball. Dann reden wir endlich einfach über Wikinger.

Nach dem Essen steht der Strizzi auf, streckt seinen Bauch raus, guckt stolz und ruft, Boah, was für ein dicker Bauch das sei, der sei bestimmt auch schon vier und nicht erst fast drei! Und dass keiner so einen dicken Bauch habe wie er! Tschaka!

Jetzt hoffe ich, dass mir die Geschichte vom gegrillten Thunfisch nicht flöten geht, nur weil die Jungs auf einmal Angst vor Essen haben. Vorsichtshalber sollte es am Wochenende wieder mal Dampfnudeln geben.

Es ist so. Ich habe schonmal über Wut geschrieben. Und Autonomie, es ist ja Autonomie, nicht Trotz. Ich verstehe Autonomie also als Eigengesetzlichkeit und wenn man diese Eigengesetze annimmt, dann wird es auch ein wenig leichter. Der Strizzi also.

Morgens auf keinen Fall das Wasser in einen anderen Becher schütten als den, den der Zwack gerade hat. Überhaupt, das Wasser auf keinen Fall in einen falschen Becher schütten. Oder in ein Glas. Und Tee nur in die Eulentasse, aber die orange. Das ist ja einfach. Wobei: „falsch“ ist schwierig. Das ändert sich nämlich gerne spontan. Im Zweifelsfall ist alles falsch.

Müsli nur mit genügend Schokostücken, die Beliebtheitsreihenfolge der Schüsseln: erst Rennautos, dann Schafe, dann Schildkröten. Und immer immer immer den gestreiften Löffel. (Er ist von Ikea und wir haben trotzdem noch nur einen einzigen davon.) Und seit letzter Woche auf keinen Fall den Joghurt mit dem Müsli mischen, höchstens auf das Müsli draufsetzen und wenn Milch dran kommt, dann ist das Frühstück gelaufen. Bitte nicht die Serviette vergessen, ja nicht die Stühle verwechseln. Und beim Frühstück lieber nicht hingucken. „Der Swack hat mich anschaut! DAS SOLL ER NICHT!“ Zum Glück scheint derzeit keine Morgensonne in das strizzische Antlitz. DIE SOLL WEGGEHEN!

Bloß nicht versuchen, dem Strizzi das T-Shirt mit den Giraffen anzuziehen oder gar den grauen Pulli. Weil der doof ist. Und gut erspüren, ob man jetzt helfen soll beim Anziehen oder aber nicht. Abends dann andersrum und die Frage Decke oder Schlafsack immer in Richtung Decke auflösen, weil man mit dem Schlafsack nicht Rutschauto fahren kann. Auch wenn man das nachts eigentlich nicht soll.

Jetzt kann es aber vorkommen, dass der Strizzi nachts aufwacht, findet, es könnte jetzt Frühstück und Rutschauto geben und brüllt, weil niemand bereit ist, ihm den gestreiften Löffel und Schokomüsli in die Rennautoschüssel zu platzieren. Auch nicht nachts bin ich manchmal nicht dazu bereit, weil . Bisschen viel Eigengesetzlichkeit für halb sechs Uhr morgens, das alles.

Große böse Wutausbrüche. Weil die Mama nämlich doof ist. (Nur Otto kommt hier immer ganz gut weg.) Manchmal fährt Strizzi richtig große Geschütze auf. Wenn er zum Beispiel keinen weiteren allerletzten Schoko-irgendwas kriegt. Gefangen in den Eigengesetzlichkeiten des Daseins, wirft er wüst um sich: DANN GEHE ICH ALLEINE INS KINDERZIMMER! UND SPIELE NICHT! Auf meinen Hinweis, dass er im Moment ohnehin nicht in der Lage scheine zu spielen, greift er wutentbrannt irgendein herumliegendes Auto und fährt es demonstrativ zwei Zentimeter auf dem Sofakissen. DOCH!!! DOOOOCH!!! SCHOOOKOOOLADEEEE! Und natürlich: PAAAPAAA!

Irgendwann löst sich alles in Wohlgefallen und Käsebrot auf, abends haben auch die Wassergläser weniger Bedeutung. Ich glaube, Eigengesetzlichkeit macht den Strizzi müde. Und morgen ist ja ein neuer Tag, der wieder ganz eigene Gesetze hervorbringt. Aber nennen Sie es auf keinen Fall Trotz, gell!

 

Es ist so. Autofahren mit Kindern ist so eine Sache. Dabei könnte es so schön sein. Man plant die Autofahrt so, dass die Kinder spätestens auf der Autobahn einschlafen und fünf Minuten vor Ankunft wieder gut gelaunt aufwachen.

Als ich das erste Mal mit dem Zwack alleine Auto fuhr, kotzte er sofort, als ich die Rampe aus unserer Tiefgarage hochfuhr. Jetzt kommt was Lustiges: ich hielt an und ich glaube mich zu erinnern, dass ich ihn umzog. Seien Sie nachsichtig, erstes Kind, erste Autofahrt allein. Ach so – Sie finden das gar nicht lustig? Nun denn.
Es ist vieles leichter geworden, man kann mittlerweile mit Zwack und Strizzi kommunizieren. Bisweilen beschäftigen sie sich auch im Auto. Strizzi zum Beispiel baut mit Hingabe Spielzeugautostaus. Die zerfetzt es in jeder Kurve und bei jedem Anfahren, was zu großem, lautstarkem Entsetzen führt. Und dazu, dass ich vom Fahrersitz aus versuche, wenigstens das ein oder andere Auto wieder aus dem Fußraum zu angeln.

Zwack hört beim Autofahren gerne Hörspiele. Gerne öfter hintereinander das gleiche. Jetzt meine Frage: was war Ihr Negativrekord auf der Strecke München – Frankfurt? Meiner liegt bei sechseinhalb Stunden und 35 Grad. Rechnen Sie das selbst in Hörspiele um. Besser: in ein einziges Hörspiel.

Aber das ist jetzt unfair. Denn natürlich schlafen die Kinder auch beim Autofahren. Nur nie alle gleichzeitig. Zwack schläft erst jenseits der 70 km/h, aber nicht verlässlich (aber verlässlich bis zu dem Punkt, an dem er aufs Klo muss. SOFORT.). Natürlich schläft Strizzi im Stau, ist aber auf freier Strecke wach, völlig genervt von der Tatsache Kindersitz und will alle drei Minuten irgendwas, was mich zu waghalsigen Manövern verleitet. Ebenfalls selbstverständlich habe ich immer zu wenig, immer das falsche Essen dabei. Letztens habe ich sogar mein Notfall-Snickers geopfert – Strizzis Laune war ganz eindeutig ein Notfall. Es half. Bis er Snickersreste auf seiner Hand klebend bemerkte und mit dem Feuchttuch nicht abbekam. Der arme Bub.

Das einsetzende „MAMA! ES IST AUF MEINEM FINGER!“ rief Otto auf den Plan, die lautstark fand, sie habe sich jetzt lange genug rückwärts gelangweilt. (Ich stille. Ich wünschte manchmal, man könnte die Evolution ausschalten. Dann könnte ich mich nämlich trotz schreienden Babys auf etwas konzentrieren. Eine Straße zum Beispiel.)
Das wiederum nervte Strizzi, der von einem reizenden „Ruhig, Süßi-Baby“ (das hat er sich selbst ausgedacht) zu „RUUUHIIIG! ODER ICH SCHNALL MICH AB!!!“ überging, was den Zwack alarmiert aufweckte, der sich sodann mit mir über Tiefseelebewesen und Vulkane unterhalten wollte. Gleichzeitig rief die Stimme des Navis mir zu, ich hätte den sich vor mir auftürmenden Stau doch besser umfahren. (NAVIGATIONSGERÄTE! Eine ganze andere Geschichte.) Begleitmusik war nicht das Hörspiel – das hatte ich unbemerkt gekillt – sondern das sanfte *Pling* der Müdigkeitserkennung. Ich solle doch eine Pause machen. Im Stau. Scherzkeks.

Jajaja, das nächste Mal schicke ich dringend benötigtes Spielzeug und Gepäck per Kurier voraus und fahre Zug. Dann laufe ich mit den dreien die ganze Fahrzeit über durch den vollgepackten ICE und muss im Nachhinein nichtmal eine Geschichte schreiben. Das übernehmen dann alle anderen, von uns genervten Fahrgäste. Sie vielleicht. Packen Sie genug zu essen ein.

(Finden Sie es jetzt nicht auch überaus komisch, dass ich den Zwack wegen ein bisschen Kotzen auf der Rampe tatsächlich noch vor dem Mittleren Ring umzog? Nein? Immer noch nicht? Vielleicht wollen Sie mal mitfahren?)

nein,Es ist so. Der Zwack wartet sehnsüchtig auf Weihnachten. Er versucht, über das Sichvorlesenlassen von Weihnachtsbüchern, das lauthalse Singen von Weihnachtsliedern und das Einfordern von Plätzchen das Fest herbeizuzwingen. Wieso? Weil Winter cool sei, weil er auf einmal Schnee gerne habe, Ski fahren lernen wolle, blabla – kurz: er wünsche sich einen Polizeihubschrauber aus kleinem LEGO und an Weihnachten gebe es Geschenke.
Weil es Sonntagmorgen halb sechs ist, schlage ich vor, er solle schonmal anfangen, seinen Wunschzettel an das Christkind zu malen. Er wolle aber keinen Wunschzettel, nein, doof, er wolle einen Polizeihubschrauber. Ich frage, wie das Christkind ohne Wunschzettel wissen solle, was es mitbringen solle. Und dass das Christkind vielleicht der Meinung sei, er brauche unbedingt einen kratzenden Wollpulli oder ein Bibi und Tina-Hörspiel, wenn er keinen Wunschzettel male. Er schaut mich ungläubig an, einen kurzen Moment denke ich, ich habe übertrieben und er hält das Christkind nun für völlig unzurechnungsfähig. Er geht schweigend LEGO spielen und singt „O Tannenbaum“.

Später am Vormittag, Weihnachten noch immer in weiter Ferne, fragt der Zwack mit Blick auf Otto, ob er auch keinen Schnuller gehabt habe. Und wieso. Weil nämlich, der Bertl, der habe einen Schnuller gehabt. Und dann. KAM DIE SCHNULLERFEE! Und habe den Schnuller mitgenommen und dem Bertl ein GESCHENK dagelassen. EIN GESCHENK! Nämlich das große Feuerwehrauto mit den Blinkern, das diese Geräusche macht. Und nur, weil er, Zwack, nie einen Schnuller gehabt habe, habe er, Zwack, auch nie ein Geschenk von der Schnullerfee bekommen. Das sei voll unfair, eigentlich, und ob die Schnullerfee ihm jetzt nicht noch ein Geschenk bringen könne. Müsse. Einen Polizeihubschrauber aus kleinem LEGO zum Beispiel. Ich frage ihn, ob er sich daran erinnere, dass der Bertl am Anfang das Feuerwehrauto ignoriert oder angeschrien habe, weil er lieber seinen Schnuller zurückwollte und die Schnullerfee ziemlich doof fand. Hmpf.

Nachmittag. Mama, wie man sich eigentlich einen Zahn ausschlagen könne. ?! Vielleicht mit dem Skateboard, oder, Mama? Ja, weil der Paul, der habe sich jetzt einen Zahn ausgeschlagen. Mit dem Skateboard. Und der Tom aus der Vorschulgruppe, der habe auch einen Zahn verloren. Ohne Skateboard. Aber dann. KAM DIE ZAHNFEE! Und habe den Zahn mitgenommen und dem Tom ein GESCHENK dagelassen. Deswegen, wenn er sich jetzt einen Zahn ausschlüge, dann könne ihm die Zahnfee ein Geschenk bringen. Er habe ja ziemlich viele Zähne, eigentlich. Oder. Aber er habe keinen Polizeihubschrauber aus kleinem LEGO.
Der Wunsch war ziemlich dringend, an diesem Sonntag.

Am Montag aber will der Zwack auf einmal dringend ein Laserschwert. Ob er eins haben könne. Ein großes, mit so einem Knopf, das dann leuchte und Geräusche machte. Wie StarWars. Zum Kämpfen. Und dann wolle er gerne in einem Verein, in dem man Kämpfen lernt, kämpfen mit dem Laserschwert lernen, ob es einen StarWars-Verein in München gebe. Ich schlage vor, er solle das Laserschwert auf seinen Wunschzettel an das Christkind malen. Wieder ein ungläubiger Blick. Nein, doof, weil das Christkind bringe nur Frieden und er wolle aber so ein Schwert. Dann wünsche er es sich lieber zum Geburtstag. Oh Mann, so spät!

Nun denn. Bis Weihnachten ist ja noch ein bisschen Zeit.

[Epilog Strizzi auf die Kombination: Brav sein – Christkind – Geschenke: „Wenn ich Geschenke kriege, bin ich brav. Sonst mach ich Quatsch.“]

 

Es ist so. Ob Oma auch die versprochenen Rohrnudeln mache, wenn sie jetzt hier übernachte. Und die Vanillesauce. Vor allem die Vanillesauce. Es ist drei Uhr morgens, draußen gewittert es den ersten Herbst des Sommers. Der Zwack weiß, dass es Rohrnudeln erst gibt, wenn es wieder kühler wird. Also jetzt. Also spätestens morgen.
Die Sorge rund um die Rohrnudeln treibt ihn um, nicht ganz unberechtigt,  Hefeteig ist nicht ihrs, Vanillesauce auch nicht – aber für die Enkel, natürlich. Irgendwann schläft der Zwack wieder ein, um gleich nach dem Aufwachen seine Oma zu wecken und zu klären, ob sie denn dann heute die Rohrnudeln mache, ja, mit Vanillesauce und in diesem Buch sei das Rezept und jetzt könne man doch Marmeladenbrote frühstücken.
Strizzi frühstückt kaum an diesem seltsamen Morgen, er wirkt besorgt, auch das Mittagessen lässt er ausfallen. Erst als Tim wiederkommt, bekommt er wieder Appetit.

Irgendwann zwischen Gewitter und Vanillesauce und von all dem nichts ahnend schlüpft ein paar Straßen weiter Otto auf die Welt. Die Kleine heißt natürlich nicht Otto, sondern nur hier für Sie und ein bißchen für den Zwack, der gerne wollte, dass sie Otto hieße. Wenn sie schon einen Strich durch seinen „Ich will fünf Jungs sein!“-Wunsch macht. Und irgendwann vielleicht rosa mag. Oder ihm die Vanillesauce wegfuttert. Noch bleibt was übrig. Und es bleibt spannend.
Herzlich willkommen.

Es ist so. Im Drogeriemarkt gibt es Schaumbäder. Das ist praktisch, denn ich bin auf der Suche nach einem Schaumbad für die Kurzen. Die meisten Schaumbäder allerdings sind für Prinzessinnen. Oder von Elfen. Oder einfach so rosa. Oder voller Glitzer. Nicht, dass ich etwas gegen Glitzer hätte. Aber der Zwack. Der Zwack ist nämlich ein Junge. Und das ist ihm wichtig, spätestens seit dem Kindergarten. Und rosa ist eine Mädchenfarbe. Lila auch. Glitzer sowieso. Und Mädchen sind doof, nein, anders: „Jungs sind cool, Mädchen sind stuhl!“ So jedenfalls bringt es der Zwack aus dem Kindergarten mit, zusammen mit „Jungs gegen Mädchen – Mädchen gegen Jungs“. Das nämlich rappen die Horties.

Mädchen sind also seltsam. Am Spielzeugtag zum Beispiel. Jeden Freitag darf man Spielzeug mit in den Kindergarten bringen. Ein schlimmer Tag. „Mama, der Marcel hatte einen Dinosaurier dabei, der von selbst laufen und brüllen kann! Wann ist wieder Weihnachten?“ Spielzeug aus der Hölle. Der Zwack steckt meistens sein Lieblingsauto in die Tasche oder einen Gespensterschlüsselanhänger. Das Gespenst heißt Gert. Irmela hingegen, berichtet der Zwack, habe nie richtiges Spielzeug dabei. Immer nur eine Puppe. Ob eine Puppe nicht auch Spielzeug sei, frage ich. Zwack guckt mich an, als wäre ich nicht ganz dicht. Eine Puppe? Spielzeug? Nein! Damit könne man doch nicht spielen. Die könne man nur immer so rumtragen.

Und überhaupt, ungerecht sei das mit den Mädchen. Er nämlich wolle auch mal ein Baby im Bauch haben. Und nur, weil er ein Junge sei, ginge das nicht. Er wolle auch mal Mama werden. Oder wenigstens Oma. Schließlich sei das auch viel praktischer, weil Männer nämlich ohnehin schon den größeren Bauch hätten, da passe ein Baby viel besser rein.

Strizzi hingegen versteht die ganze Aufregung nicht. Er ruft angesichts dicker Männer gerne mal „MAMA! Der hat ein Baby im Bauch!!!“ und wahrscheinlich hätte er auch nichts gegen ein rosa Schaumbad mit Glitzer. Er würde wohl hoffen, dass ihm davon endlich auch so „große Haare“ wie der Bella wachsen. Oder Ohrringe. Wünsche, die der Zwack wütend wegschnaubt, wobei er traurig auf seinen Bauch guckt.
Schaumbad habe ich übrigens keins mehr gefunden, schon gar keines, das hier zur Auflösung hätte beitragen können. Aber das Feuerwehrshampoo habe ich auch im Regal gelassen. Vielleicht finde ich ja irgendwo mal ein Kinderschaumbad. In grün. Nicht für Prinzessinnen oder Piraten. Für Kinder.

Fetzen I

„Weißt Du, Mama, Salif und ich sind Pirat.“
Strizzi (unqualifiziert von der Seite – „unqualifiziert“ merkt man an Zwacks augenrollender Antwort): „Was piraten Piraten?“
„Die können mit ihren Schwertern alles zerstören!“
„Was zerstören die?“
„Nichts.“
„Ist der Bertl auch ein Pirat?“
„Nein, der ist ein Ritter.“
„Und wieso bist Du ein Pirat und kein Ritter?“
„Weil Ritters zerstören den ganzen Tag nur Roboters und das mag ich nicht.“

 

Fetzen II

„Weißt Du, Mama, was ist Barbie?“
„Wer hat Dir von  Barbie erzählt?“
„Keiner.““Barbie ist eine Puppe, ungefähr so groß. Mit der kann man spielen, die kann man anziehen, ausziehen, umziehen, anziehen, ausziehen, umziehen, anziehen, ausziehen, umziehen, bürsten.“
„Mama – Warum gibt es Barbie?“

 

Fetzen III

„Weißt Du, Mama, Strizzi und ich sind Piraten mit einem geheimen Schatz und jetzt spielen wir FußballSterndesSüdens und dann dürfen die Baby-Igel alle in meinem Bett übernachten!“

 

 

Es ist so. Es wird gefragt.

Zum Beispiel kurz nach Ostern, kurz nach sechs.

Ob Gott eigentlich auch tot sein könne. Und ob Gott, wenn er kein Mensch sei, dann in den Menschen drin sei. Und wie.

Ich frage vorsichtshalber zurück, ob er sich mit anderen Kindern über Gott unterhält und wenn ja, mit wem. Man will ja nicht riskieren, dass eine Fundamentalisten-Elfe sich durch protestantische Lästereien provoziert fühlt. Im Gegensatz zur ersten Frage (ich muss gestehen, Jesus samt der Dreifaltigkeit lasse ich mal außen vor, morgen ist ja auch noch ein Frühstück) vermische ich beim zweiten Fragekomplex altes und neues Testament, 10 Gebote und Bergpredigt, als wir von der Idee von und Glaube an Gott zum Handeln kommen. Es scheint einleuchtend genug. Außerdem klebt der Honig an den Fingern und lenkt von den großen Fragen der Menschheit ab.

Aber. Wie das denn jetzt eigentlich sei mit den Kanonen, weil die Horties und der Paul, die sagen, Kanonen seien gut. Zum Beispiel, wenn sie gar keine Menschen kaputt machten, sondern nur Häuser. Und weil die Ritter die Kanonen haben.  Und wenn wir eine Kanone hätten. Und wer eigentlich die Ritter seien. Und wieso die Mama vom Bertl erzählt habe, sie seien auf einer Kanone gesessen, in England, aber da sei doch gar kein Krieg, habe ich gesagt. Wieso. Und wie man mit den Händen eigentlich eine Pistole mache, weil er mache immer so (mit dem Zeigefinger), aber einer von den Horties, der mache immer so (mit Zeige- und Mittelfinger).

Und überhaupt, wie komme der Osterhase eigentlich in unser Wohnzimmer.

Dann ist Kindergarten und Blumen kaufen und Strizzi abholen und Eis essen und Spielplatz und erster Sonnenbrand und überhaupt viel Frühling. Erschöpfend schön.

Die letzte Frage des Tages, der Zwack schläft fast auf dem Küchenboden: „Mama, was ist eigentlich StarWurst?“

Es bleibt viel zu ergründen.