Es ist so. Seit zwei Jahren denkt der Zwack über Schule nach. Ob man eigentlich nur in den Pausen Spaß haben dürfe. Schlau, aber das redeten wir ihm natürlich aus. Weil man ja auch Dinge im Unterricht interessant finden könne. Zum Beispiel. Je länger wir redeten und seine kritischen Nachfragen mit Begeisterung parierten, umso kritischer wurde er.

Kurze Zeit darauf die Frage, wie die Lehrer so zu Neuen seien und überhaupt, die anderen Kinder zu neuen Kindern. Das war relativ leicht zu beantworten. Leichter als die wiederkehrende Frage nach dem Spielendürfen. Irgendwann aber war Ruhe. Lange Ruhe.

Dann, wieso man Schule überhaupt brauche. Er wolle ja nicht unbedingt arbeiten, später. Kurz atmete ich auf, als die Idee Konjunktur hatte, dass es vielleicht hilfreich sei, Lehrer zu haben, die einem eine gute Eselsbrücke beibringen könnten, um sich endlich zu merken, was fünf mal sechs sei. Das könne er sich immer nicht merken. Aber mehr wolle er eigentlich gar nicht lernen. Er wolle, MAMAAAAAAAA, ER WOLLE EIN MIKROFON!!! Ob er den Eindruck habe, ich könne ihn nicht verstehen, weil er so leise spreche. Nein, er brauche ein Mikrofon, dringen, weil: er wolle Rapper werden. Und ob man dazu die Schule brauche. (Wenn Sie darauf eine Antwort haben, schicken Sie mir gerne eine Nachricht!)

Ob er eigentlich dann da hin MÜSSE, zu diesem ersten Schultag. Ja. Zum ersten, zum zweiten und zum dreihundertfünfundsiebzigsten auch. Diese Antwort zeigte wenig beruhigende Wirkung.

Dann die ehrliche Panik. Ich war nämlich nicht da. Ich war nicht da, als im Kindergarten die Schultüten gebastelt wurden. Natürlich habe ich die Schultüte noch gebastelt. Logisch. Und zwar in der Nacht vor unserem Urlaub. Weil der Zwack sich weigerte, mit uns in Urlaub zu fahren, wenn die Schultüte nicht gebastelt sei. Denn nach dem Urlaub sei ja Schule. Und mit einer ungebastelten und damit unbefüllbaren Schultüte könne er nicht in die Schule gehen. Er hatte sich eine schöne ausgesucht, mit vielen Details, die man aus unterschiedlichen Papieren ausschneiden sollte. Es war eine kurze Nacht, die Nacht vor dem Urlaub. Aber die Schultüte fertig und der Zwack fuhr mit. Ohne Schultüte. Baute sich ein Schlagzeug für seine Rapper-Karriere.

Nach diesen zwei aufregenden Jahren dann Dienstag. Der erste Schultag. Die Schultüte groß wie das Kind und schwer wie ein Haus. Der Ranzen, diese erste Physik-Einheit in Sachen Schwerkraft. Die Lehrerin. Die erste Hausaufgabe. Der kleine MC Zwack. Dieses unglaublich große Kind.

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Es ist so. Der Zwack liebt Skifahren. Ich weiß nicht genau, woran es liegt – ob am Essen in der Hütte oder am Schnee, an der frischen Luft, an der Brotzeitbox. Oder an der Skischule. Er war nun zum zweiten Mal in einem Zwergerlkurs einer hiesigen Skischule: die Kinder werden am Kindergarten abgeholt, fahren mit dem großen Bus zum Skihügel, kommen nachmittags wieder. Fünf Tage die Woche. Ganz ehrlich: ich war mir anfangs nicht sicher, ob der Zwack überhaupt in diesen Bus steigen würde. Er stieg ein. Jeden Tag. Und kam mit den besten Skilehrersprüchen und schlimmsten Kinderohrwürmern zurück. Jeden Tag glücklich, jeden Tag motiviert. Zufrieden, ausgeglichen, müde. Und mit Spaß am Skifahren. Das Abschlussrennen verbringt er damit, mir zu winken. Und am Ende bekommen alle eine Medaille.

Der letzte Kurs endete Freitag. Am Samstag stand ein missmutiger Zwack im Zimmer, wieso heute kein Skikurs sei. Und am Sonntag SCHON WIEDER KEIN SKIKURS. Am Montag war dann leider auch nur Kindergarten. Ich meldete den Zwack also für den Folgekurs an. Und als in der Whatsappgruppe gefragt wurde, ob jemand den Folgekurs buchen wolle, antwortete ich: Zwack. Oje. Wie naiv.

Das ginge nicht! Am Freitag des Folgekurses sei doch Wilhelms Geburtstag! (Den hatte ich tatsächlich nicht auf dem Schirm.) Und man habe schon alles mit dem Kindergarten besprochen, die Kinder würden pünktlich zum Essen geschickt, damit man sie dann pünktlich abholen könne, damit man pünktlich im Zoo sei, wo es eine Führung mit Tierbesuch geben solle. In der Tat eine nette Idee. (Ich habe mal mit meiner Mama fauchende Riesenschildkröten gefüttert.)
Ich bin der Überzeugung, dass man das wird schaffen können und dass es ein bisschen unser Problem ist, diesen Skikurs mit diesem Geburtstag zu vereinbaren. Und dass es nur ein Skikurs und nur ein Kindergeburtstag ist. Ich schrieb also nix.
Also rief Julia an – eine Mutter, die ihren Sohn auch gerne in den Folgekurs schicken möchte, aber deren Sohn auch zu Wilhelms Geburtstag eingeladen ist. Ich bot an, dass ich die Kinder gerne vom Abschlussrennen in den Zoo bringen könne, das sei mehr als machbar.  Sie war meiner Meinung. Die Frage sei natürlich, ob es genügend Schnee für den Folgekurs gebe. Diese Entscheidung wollte ich gerne der Skischule überlassen. Und die Siegerehrung? Könne man mit den Skilehrern besprechen. Natürlich, natürlich, am Besten, sie riefe jetzt Henni, also Wilhelms Mutter und die Skischule an. Vielleicht in der umgekehrten Reihenfolge, was ich denke. Ich dachte: bloß nicht. Und sagte: Mei.

In den nächsten 35 WhatsApp Nachrichten versuchte Henni, Wilhelms Geburtstag zu verschieben, das sei entspannter für alle. Aber sie könne erst in drei Minuten im Zoo anrufen. Ob aber überhaupt alle wann anders könnten? Der Zoo jedenfalls könne leider wahrscheinlich nicht, aber vielleicht doch, das wisse man erst in zwei Tagen. Erst in zwei Tagen, wie die sich das vorstellten. Julia antwortete, man könne die Siegerehrung zu anderen Zeitpunkten nachholen, außerdem könne man auch Wilhelm einpacken und vorher sein Rennen filmen und ihn dann pünktlich zu seinem eigenen Geburtstag fahren. Falls Henni bei dieser Vorstellung nicht in Ohnmacht falle. (Tat sie bestimmt.) Ich schrieb irgendwas von „von der Piste zur Party und Après Ski“, kam jedenfalls nicht so gut an. Auch nicht, dass Wilhelm dann ja mit Krone statt Helm fahren könne.

Ob die Kinder wieder am Kindergarten eingesammelt würden, ob sich hierfür genügend Kinder angemeldet hätten, ob der Skikurs wirklich stattfände. Und dass sie das alles jetzt mit der Skischule habe klären wollen, die Dame aber leider so unmöglich gewesen sei, dass sie das Telefonat habe unterbrechen müssen. Die arme Dame! Da ruft erst Julia an und fragt, ob genügend Schnee für die Siegerehrung liege, dann ruft Henni an und fragt, ob alles auch ganz pünktlich geplant stattfinden könne, trotz Geburtstag.

Ich habe beschlossen, dass mir das alles wurscht ist. Zur Not bringe ich den Zwack jeden Tag selbst an den Skihügel, mache Stüberl- statt Homeoffice und verbringe dafür noch eine Woche mit einem unglaublich glücklichen, zufriedenen Zwack. Wenn Henni und Julia nicht vorher die Skischule und Frau Holle in den apokalyptischen Wahnsinn treiben. Drückt uns die Daumen!

Es ist so. Seit wir Strizzi Strizzi nennen, werden wir gefragt, wieso. Man könne doch ein Baby oder Kleinkind nicht Strizzi nennen. STRIZZI. Jetzt verstehe ich vielleicht unter Strizzi ein bisschen was anderes, als die, die das fragen. Für mich sind Strizzis nicht zwingend zuhälterische Kleinkriminelle. Unser Strizzi ist ein Strizzi im Sinne von Zenetti-Kid. Halbstarker Möchtegern. Liebenswert. Strizzi halt. (Tja, da staunen Sie jetzt, gell, was Google so ausspuckt. Dass es den Leitmayr mal ganz anders gab.)

Und vielleicht war das eine Ahnung, der Strizzi ein Strizzi. Manche Leute sehen das auch, da erschrickt der Strizzi, wenn fremde Leute sagen, Ah, schau her, so ein Strizzi.
Das ist alles nicht weiter wichtig, für mich zentral ist: ich rechne beim Strizzi vor allem mit einem: dass wir ihn ab seinem 13. Lebensjahr ungefähr regelmäßig entweder in der Notaufnahme oder dem Direktorat werden abholen müssen. Nicht, weil er als Erster doofe Sachen macht. Eher, weil er als Zweiter doofe Sachen noch doofer macht. Vielleicht ist er auch Strizzi genug, sich nicht erwischen zu lassen. Vielleicht hat er aber auch manchmal ein bissl Pech. Oder dann doch strizzitypisches Glück.

Neulich, zum Beispiel, als wir nach vier Wochen Italien auf dem Weg zurück nach München waren. Auf dem Brenner, logisch. Vier Wochen war nichts Bemerkenswertes passiert und dann, Mama, er kriege den Knopf nicht mehr raus. Ich dachte mir nix dabei, Das sei doch nicht so schlimm, so ein Knopf, jetzt im Auto und wo der Knopf denn nun sei. In der Nase. IN DER NASE? In der Nase. Ich bat – so ruhig wie möglich, Strizzi möge doch bitte Luft durch die Nase ausschnauben. Und prompt – nehmen wir es ihm nicht krumm, es ist schon eine Weile her – zog Strizzi geräuschvoll die Nase hoch. Ruhig atmen, erneuter Versuch, erneutes Hochziehen, ein Parkplatz, eine Pinzette, nochmaliges gemeinsames Ausschnauben, ah, jetzt, fast, Luft raus. Irgendwann war der Knopf raus aus der Nase.

Oder auch, letzte Woche, wieder im Auto, wir stehen im Stau nach Ismaning, ein langer Stau, eine schmale Straße, auf der Rückbank startet eine von Strizzis Jammertiraden und irgendwann der Satz, der Gurt kratze so am Hals. Ich bitte ihn, den Gurt in Ruhe zu lassen, sich bitte auch nicht abzuschnallen und so weiter und so weiter, ein Gurt sei halt manchmal ein bisschen unbequem. Ha, unbequem. Ich drehe mich um, um dem Kind aufmunternd zuzulächeln und merke, dass es nicht die Dunkelheit ist, die hier komisch aussieht. Fragen Sie mich nicht wie, Strizzi hatte es durch gelangweilte Gurtanaus-Spiele geschafft, sich eine Schlinge um den Hals zu legen. Eine Schlinge aus Sicherheitsgurt. Ob er noch Luft bekäme. Ja, haucht das Kind, aber dann würde es enger. Keine Chance, irgendwo ran zu fahren, nur nicht bremsen, Kind, nur nicht atmen, nicht bewegen. Es kratze, beschwert sich Strizzi. Und er dachte wirklich, Kratzen sei sein Problem.

Sie sehen, das ist die emotionale Ruhe eines Strizzi, derzeit noch überdeckt durch die emotionalen Eskapaden der Dreijährigkeit. Aber meistens paart sich diese Ruhe mit der Dreistigkeit eines beißenden Flohes und dass der Bub so selten eine mitkriegt, liegt wahrscheinlich daran, dass alle anderen Kinder so gut erzogen sind.

Alle, bis auf seine kleine Schwester. Ihre Versuche, Strizzi zu bzw. von irgendetwas zu bewegen, zum Beispiel von meinem Schoß, quittiert der große Bruder zwar noch mit Lachen. Da steht Otto und zupft ihn am Pulli und schreit wüste Laute – und er bleibt lachend auf meinem Schoß sitzen. Aber auch – sie ist eine gelehrige Schülerin. Da kommt was auf uns zu.

Es ist so. MONATELANG ist hier nix passiert, das stimmmt. Und zwar weniger, weil hier nix passiert, sondern eher, weil soviel passiert. Und weil wir soviel Zeit mit Urlaub verbringen.

In kurz: Zwack ist nun ein Vorschulkind. Im April waren wir bei einer vorgezogenen Schuleingangsuntersuchung, die ich ihm als ich weiß nicht mehr genau, aber als irgendwas anderes verkauft habe. Zwack wollte nämlich nicht zur Schuleingangsuntersuchung, weil er gehört hatte, dass man da ein besonders schönes Bild malen müsse. Und darauf hatte er keine Lust. Aber dann saßen wir in diesem Zimmer und Zwack musste kein Bild malen. Sondern Dinge sprechen und zählen und sowas. Nach einer halben Stunde war seine gute gelaunte Nervosität dann erschöpft und er begann wahllos zu raten. Deswegen solle ich ihn jetzt Unterhosen und Socken sortieren lassen, damit er sich auf Unterschiede konzentriert. Was soll ich sagen: bisher zieht er seine Socken immer da an, wo sie hingehören.

Unser Kinderarzt hingegen findet, Zwack müsse zur Logopädie. Damit er nicht gehänselt würde. Weil er lispele. Zwar habe er, der Kinderarzt, auch fünfmal sehr genau hinhören müssen, aber dann, doch, ein Lispeln. Ich vertage die Entscheidung darüber, weil ich mir nicht sicher bin, ob zu Hänseleien geneigte künftige Mitschüler auch fünfmal segr genau hinhören oder einfach beim ersten Mal gleich einen anderen Schwachpunkt erfinden. Was bin ich froh, noch ein Jahr zu haben, in dem nicht ständig fremde Leute mein Kind beurteilen – da bin ich ganz klassische Mutter.
Egal. Der Zwack also ist groß und die Hormone scheinen ein wenig Pause zu machen, er wirkt schier ausgeglichen. Er schnitzt gerne.

Strizzi rutscht logisch nach und ist nun Kindergartenkind. Er hängt viel bei Zwack und dessen Freunden rum, weil er die in seiner Gruppe leider langweilig findet. Leider langweilig – das sagt er so. Vielleicht müssen wir warten, bis Zwack in die Schule kommt, damit Strizzi sich eigene Freunde sucht, die er durchaus auch gerne hätte. Aber eben keine langweiligen. Sein bester Freund ist in einem anderen Kindergarten und tatsächlich alles andere als langweilig. Ich kenne wenige Kinder in diesem Alter, die so aus sich heraus witzig sind wie er.
Strizzis Hormone machen keine Pause, es schüttelt ihn regelmäßig in stampfende Wutausbrüche und wenn Zwack dann mit Argumenten kommt, muss er ihn einfach beißen. Oder treten. Dann wiederum kuschelt er stundenlang und spricht unglaubliche Dinge, die nur Dreijährige sagen können. Die Sonne zum Beispiel sei gar keine Sonne, sondern ein Propellerflugzeug, doch. Was will man da entgegnen?
Ansonsten steht er auf schnelle Fahrzeuge und will mal Motorradmann werden, eine Yacht und einen Aston Martin besitzen. (Ja, wir sind im letzten Urlaub mal durch St. Tropez gefahren.)

(Haha – ich komme mir gerade vor, wie in einem dieser Jahresrundbriefe, Sie auch? Macht nichts, ich schreibe trotzdem weiter. Bald gibts dann wieder anlassbezogene Geschichten. Toitoitoi.)

Otto wurde von Strizzi in der Kita eingewöhnt, er hat wohl recht genau kontrolliert, was in der anderen Gruppe da mit ihr gemacht wird. Die Erzieherinnen wiederum sind in erster Linie damit beschäftigt, sie einzufangen. Sie schaut sich ihre Gruppe wohl am liebsten von außen an. Ansonsten scheint ihr erstes Wort ihr Lieblingswort zu bleiben: „DABEN!“ So ist das mit den Mädchen, von Natur aus so sozial, dass das erste Wort ein Verb ist. „DABEN“ meint vor allem „ESSEN HABEN“ und während bei Zwack alle andächtig von „gut im Futter“, „stark“ und „das braucht man auch als Kleiner“ sprachen, ertönen bei Otto verhaltene Fragen, Was denn der Kinderarzt „dazu“ sage. Und man fragt sich, wieso Mädchen so schnell körperliche Komplexe entwickeln.
Otto steht auf Schafe und Hunde, böht und bellt gerne aus dem Kinderwagen heraus und kann leider mittlerweile aufs Zwacksche Stockbett klettern. Dort werden dann die Kuschels gekuschelt und von oben juchzend auf Legohäuser gepfeffert. Ihre regelmäßigen Godzilla-Besuche in Lego-City werden mit „OTTO-ALAAARM!“ abzuwenden versucht. Aber eigentlich haben sich die drei ganz gern. Was sollten sie auch ohne einander tun.

So sieht es aus bei uns und ich gelobe neue Geschichten. Wir haben uns neu eingependelt zwischen Arbeit und Kindergarten und Kita und neuer Arbeitsform von Tim und und und. Und es ist immer noch oft lustig.

Es ist so. Ich war unterwegs. Mit Otto. Wir sind mit dem Zug gefahren. Ein bisschen Notarzt-Chaos, ein bisschen Hitze, ein bisschen Anschlusszugssprinten. Das stört Otto nicht weiter. Otto ist unglaublich. Sie beschäftigt sich die erste Stunde im Zug mit einer Breze, eine Papiertüte, zwei Servietten und der Schwerkraft. Auf ihrem Sitz. Eine weitere Stunde schläft sie. Eine dritte guckt sie den Hund hinter uns an oder klopft ans Fenster. Die Rückfahrt am nächsten Tag verläuft ähnlich spektakulär, nur minus Bahnchaos. Plus Beschäftigung mit der eigenen Trinkflasche und meiner Nase. Würden sich Zwack und Strizzi so aufführen, machte ich mir ernsthaft Sorgen.

Zwack und Strizzi übernachten bei den Großeltern. In der nächsten Nacht kommen wir zurück. Gegen halb sechs kriecht Zwack in mein Bett und erzählt, was er in den letzten zwei Tagen gegessen hat. Germknödel, der so groß war, dass er ihn nicht geschafft hat. Gummibärchen als Abendbrot-Nachtisch. Joghurt mit Erdbeerstückchen, weil Oma nicht mehr so viele Erdbeeren hatte. Dass Oma und Opa erzählt hätten, in Schweinfurt hätten sie mal ein Schnitzel gegessen, das SOOOO GROSS war. SOOOO! Und dass sie es gar nicht ganz hätten essen können. Dass es so viele Pommes gewesen wären, dass nichtmal der Strizzi sie hätte essen können. SO VIELE! SOOO GROSS! Und ob wir mal in Schweinfurt Urlaub machen könnten.

Als Strizzi aufwacht und mich sieht, sagt er: nix. Er guckt. Kuschelt sich auf meinen Schoß. Offensichtlich kuschle ich auch sein Knie. MAMA! Da habe er ein neues! schlimmes! Aua! Dann schaut er auf seine Füße und zeigt mir, wo man seinen Nagellack ausbessern müsse. Strizzi trägt gerade roten Nagellack. Erzählt bekommt Otto. Später. Die kann nix erzählen, zieht ihre Brüder aber voller Wiedersehensbegeisterung an Haaren und Nase und juchzt und törötörötörö.

Als alles Wichtige gesagt ist, machen wir Frühstück.

Es ist so. Es wird gebacken. Die Küchenmaschine rotiert, Herr Kugel rotiert um die Küchenmaschine, Zwack und Strizzi jonglieren die Zutaten und Otto zerrt an Herrn Kugels Hosenbein, weil sie von da unten nix sieht. Ein Geburtstagskuchen muss her, ich schmelze am nächsten Tag die Schokolade dafür. Und dann. Landen in liebevoller Kleinarbeit je ein Päckchen Gummibärchen und Smarties in der Schokolade. Und in die Mitte malt der Zwack mit Zuckerschrift „ganz viel Glück“. In bunt.
Strizzi sucht Blumen im Supermarkt aus, weil das auf dem Weg liegt. Und weil auch ein Freund vom Zwack auf dem Weg liegt und Eis verschenkt, essen wir Eis. Otto isst in der Zwischenzeit die Geburtstagsblumen und als wir ihr die Reste wegnehmen, lässt sie sich nur widerwillig mit türkischer Pizza trösten.

Wir decken den Geburtstagstisch, stecken Kerzen in den Kuchen, packen gemalte Bilder ein. Was ich mir eigentlich wünschte, fragt Strizzi. Ich rede wahrscheinlich irgendwas über Gesundheit und gesunde Kinder, er unterbricht mich, Nein, was Richtiges müsse man sich wünschen, Kochsachen oder sowas. KOCHSACHEN. Aber gut, er meint es lieb, das weiß ich. Tatsächlich wünscht sich ja der Zwack einen Grill. Für mich. Für sich. Für den Balkon jedenfalls. Und für Würschtl.

Welches Lied sie eigentlich singen sollten, überlegt er noch. Es fällt ihm aber kein Geburtstagslied mit Sirenen ein und tatsächlich lassen sie es am nächsten Morgen dann auch bleiben, das Singen. Es wäre auch ein wenig früh, aber für Kuchen genau richtig. Sie pusten die Kerzen aus und dann Gummibärchen und Smarties in Schokolade zum Frühstück. Auf den Bildern sind eine Feuerwehrwache und ein Traktor, der vor dem Einpacken noch ein Schneckenhaus war und am Nachmittag ein Vulkan werden wird.

Ich verbringe den Vormittag mit Wald und Berg und See, hole die Kinder ab, noch mehr Kuchen. Dann pflanzen wir Sonnenblumen auf dem Balkon, Strizzi duscht von oben Fußgänger. Zwack erfindet für mich eine Geschichte von Darth Vader und Prinzessin Lillifee auf einem Schleimplaneten. Otto isst Balkonblumen und Blätter, kriegt dann aber seltenen Ärger, als sie Strizzis Stocksammlung annagt.

Abends lassen wir uns Essen bringen, Gulasch und Schnitzel und Salat und Kaiserschmarrn, meine Schwester kommt und bringt Blumen vom Mittelstreifen mit. Wir trinken Wein und lesen den Kindern vor, bis sie ins Bett fallen. Strizzi wünscht sich vor dem Einschlafen noch, mit mir in Urlaub zu fahren. Alleine.
Mit Otto.
Und Zwack.
Und Papa.
Nur wir. Alleine!

Ein herrlich unaufgeregter, wunderschöner Tag. Endlich vorbei, findet der Zwack leise, denn der nächste Geburtstag ist seiner. Bald. Und er hat nun einen neuen Wunsch, doch keinen Grill, sondern ein Faxgerät.

Ja, der Zwack wünscht sich ein Faxgerät. Er sagt das auch so. Faxgerät. Es klingt ganz wunderbar und geheimnisvoll und wichtig und ich habe den Verdacht, dass ich hierzu mal eine Geschichte schreiben sollte. Die faxe ich Ihnen dann. Oder Prinzessin Lillifee.

Es ist so. Quality Time. Haben Sie bestimmt schon gehört, es geistert irgendwo zwischen Vereinbarkeit und Helikoptern durch die Feuilletons und über die Spielplätze. Spielplätze – ein Hort der Quality Time. Quality Time, so die These: nicht die Menge der Zeit ist entscheidend, die man mit den eigenen Kindern verbringt, sondern die Intensität, die Qualität also. Quality, verstehn S‘.

Jetzt ist die Frage von Qualität ja auch immer eine Frage der Möglichkeit, Window of Opportunity for Quality, quasi. Also: wann kann denn diese Quality Time überhaupt stattfinden. Und ich fürchte, hier haben meine Kinder und ich unterschiedliche Auffassungen. Strizzi läutet derzeit das Window of Opportunity for Quality morgens um fünf ein. „MAAAAMAAAA! MAAAAAAAAAAAAMAAAAAAAAAAAAAA!“ tönt es aus dem Kinderzimmer. Wenn der Zwack nicht auch wach werden soll, tue ich gut daran, zu Strizzi ins Bett zu kriechen. „Ich mag Frühstück!“ Ja, eigentlich sprechen unsere Kinder mit „bitte“ und „danke“. Aber morgens um fünf ein „Wie heißt das?“ erzieherisch zu entgegnen, bringt mir nix. Außer einem hörbar verständnislos dreinschauenden Strizzi, der auf „Wie heißt das?“ lauthals und schlecht gelaunt „FRÜHSTÜCK! Oh Mann! FRÜÜÜHSTÜÜÜCK!“ antwortet.
Beim Abendessen finde ich sowas lustig. Morgens weniger. Aber weil ich bisher versäumt habe, ihm sein Frühstück so vorzuportionieren, dass er es selbst zusammenschütten kann, mache ich also Frühstück. Mit gestreiftem Löffel, eh klar. Außerdem sitzt er eh nicht gern alleine am Frühstückstisch. Sondern unterhält sich mehr oder weniger gut gelaunt. Quality Time. Wenigstens quatscht er weniger als der Zwack, der morgens gerne mal erörtert, ob man ein Feuer jetzt auspieseln kann oder nicht und wenn ja, wie. Und ob es auf dem Mars U-Boote gibt. Wenn Strizzi sich lustig unterhalten will, rülpst er erstmal kichernd. Oder weist mich darauf hin, dass draußen eine Pupsmöhre vorbeiflöge. Hihihihihi.

Egal. Sie fragen sich, wieso ich mich nicht einfach wieder ins Bett lege, spätestens, wenn der Zwack auch Frühstück hat. Habe ich versucht. Es ist aber nicht erholsam. Alle 10 Minuten brüllt es von irgendwoher oder einer kommt „ICH SAAAGS!“ angesockt. Dann lieber aufstehen. Vorlesen. LEGO bauen. U-Boote und Pupsmöhren auf dem Mars erörtern. Quality halt.
Gestern wachte Strizzi schon um viertel nach vier auf, wollte zwingend aufstehen, frühstücken und auf seine Gäste warten. Kindergeburtstagsfeier. Um sechs waren die Gäste noch immer nicht da. Meine Qualität bestand darin, Strizzi ab und zu mit einem Saftbärchen ruhig zu stellen, damit er nicht seinen Geburtstagskuchen EBEN JETZT! ALLEINE!! AUF!!!aß.

Ob natürlich eine morgenmuffelige, müde Mama überhaupt als Quality zählt oder aber Saftbärchen, weiß ich nicht. Zeit genug jedenfalls haben wir morgens und ich habe mir angewöhnt, mit den Kindern aufzustehen. Einmal haben wir morgens sogar was gebastelt. Es muss ja nicht immer Nachmittag sein.

Abends haben wir weniger Zeit. Mindestens einmal in der Woche schläft mindestens Zwack beim Abendessen ein. Will heißen, er mümmelt im Schlaf sein Käsebrot. Wir haben einen Film, in dem ich die schlafenden Kinder abwechselnd von ihren Broten abbeißen lasse. Der Film hat auch Qualität, anders. Auf dem Film sieht man übrigens auch Otto, die ausgeschlafen auf meinem Schoß sitzt und jedesmal juchzt, wenn Strizzi seinen Kopf zurückhält, kurz, bevor er in seinen Teller knallt.
Ich weiß jetzt auch nicht genau. Am Besten gehe ich jetzt schlafen. Ohne Schluss, ohne Moral, ohne Qualität, ohne nix. Wenn Sie morgens mal was basteln wollen, kommen Sie gern vorbei.

Es ist so. Ich wollte schon lange mal wieder über Essen schreiben. Eigentlich natürlich irgendwas, wo Strizzi ganze gegrillte Knoblauch-Thunfische isst. Aber das geht jetzt nicht. Weil wegen Mara. Mara geht beim Zwack in den Kindergarten, ich habe vielleicht schon von ihr erzählt, die atheistische Elfe.
Jedenfalls, Mara kommt in allen zwackschen Essens-Fragen vor. Vokabeln wie „Essen vertragen“ und Dinge wie „darf kein xy essen/ trinken“ kennt Zwack von Mara. Und jetzt sitzt Zwack beim Essen, schaut seiner dritten Dampfnudel zu, wie sie gemütlich in der Vanillesauce schwimmt und fragt, ob es stimme, dass man stürbe, wenn man zuviel esse. Das sage Mara. So eine Frage bei irgendeinem waghalsigen Kirchererbseneintopf als kreative Ich-mag-nicht-Ausrede, okay. Aber bei Dampfnudeln? Ich frage den Zwack also, ob ihm die Dampfnudeln diesmal nicht schmeckten und dass er auch einfach aufhören könne zu essen, wenn er satt sei. Nein, sagt er, Mara sage, man stürbe, wenn man zuviel esse. Ich versuche, ihm zu erklären, dass der Körper Essen brauche, weil er sonst weder Muskeln noch Energie noch sonst irgendwas Brauchbares zustande brächte. Dass es aber natürlich Essen gebe, das mehr Energie liefere und Essen, dass weniger gut Energie liefern könne. (Jaja, ich weiß. Und nein, die Dampfnudeln sind nicht aus Vollkornmehl. Aber: es gibt immer Gemüsesuppe davor.) Der Zwack überlegt und denkt und senkt eine vierte Dampfnudel in die Vanillesauce.

Das Thema war dann längere Zeit nicht mehr interessant, es ging wieder mehr um Raumschiffe und Räuber und U-Boote und Vulkane. Zwack weigert sich, mit uns in Urlaub zu fahren, weil es auf Izilien einen Vulkan gibt und er sich außerdem nicht sicher ist, was passiert, wenn die Fähre auf der Überfahrt auf ein U-Boot trifft. Oder Mama.

Und dann kommt Bertl zu Besuch und bleibt zum Abendessen, weil es zu Hause einen kreativen Eintopf  aus Hülsenfrüchten gibt und bei uns Nudeln mit Hackfleischsauce. Die Dynamik will, dass auf einmal niemand Sauce essen mag, sondern nur Nudeln mit Käse. (Nein, keine Vollkornnudeln.) Die Dynamik will auch, dass der Zwack sich einen Riesenberg Nudeln in den Mund stopft, den er kaum zu kauen vermag. Das wiederum verleitet mich, zu sagen, dass sie wahrscheinlich gleich zu Ohren wieder rauskämen, woraufhin Bertl seinen Finger in sein Ohr bohrt, um zu verkünden, dass HIER das Ohr zu Ende sei und die Nudeln deswegen nicht rauskommen könnten. Als der Zwack wieder Platz im Mund hat, röhrt er, er würde so viele Nudeln essen, weil er dann stark werde. Komm, wir essen ganz viele Nudeln, Bertl, dann werden wir gaaaanz stark!!! Oder!!!
Da guckt Bertl auf seine zweite Nudelportion ohne irgendwas mit Käse und wird ein bissl traurig. Weil das gar nicht stimme, mit dem stark werden. Weil, wenn man zuviel esse, dann würde man dick. Nein! röhrt der Zwack, man würde stark, dann verstummt er wieder einige Minuten, um den nächsten Riesenberg Nudeln zu bändigen. In dieser Zeit schaffe ich es, Bertl davon zu überzeugen, dass – zum Glück hat er diesen Wikingerpulli an – bei dieser Wikinger-Serie die dicksten Wikinger doch auch besonders stark seien. Weil, der Bertl ist nämlich gar nicht dick. Der Bertl ist vier und spielt jeden Tag nach dem Kindergarten eine Stunde Fußball. Dann reden wir endlich einfach über Wikinger.

Nach dem Essen steht der Strizzi auf, streckt seinen Bauch raus, guckt stolz und ruft, Boah, was für ein dicker Bauch das sei, der sei bestimmt auch schon vier und nicht erst fast drei! Und dass keiner so einen dicken Bauch habe wie er! Tschaka!

Jetzt hoffe ich, dass mir die Geschichte vom gegrillten Thunfisch nicht flöten geht, nur weil die Jungs auf einmal Angst vor Essen haben. Vorsichtshalber sollte es am Wochenende wieder mal Dampfnudeln geben.

Es ist so. Autofahren mit Kindern ist so eine Sache. Dabei könnte es so schön sein. Man plant die Autofahrt so, dass die Kinder spätestens auf der Autobahn einschlafen und fünf Minuten vor Ankunft wieder gut gelaunt aufwachen.

Als ich das erste Mal mit dem Zwack alleine Auto fuhr, kotzte er sofort, als ich die Rampe aus unserer Tiefgarage hochfuhr. Jetzt kommt was Lustiges: ich hielt an und ich glaube mich zu erinnern, dass ich ihn umzog. Seien Sie nachsichtig, erstes Kind, erste Autofahrt allein. Ach so – Sie finden das gar nicht lustig? Nun denn.
Es ist vieles leichter geworden, man kann mittlerweile mit Zwack und Strizzi kommunizieren. Bisweilen beschäftigen sie sich auch im Auto. Strizzi zum Beispiel baut mit Hingabe Spielzeugautostaus. Die zerfetzt es in jeder Kurve und bei jedem Anfahren, was zu großem, lautstarkem Entsetzen führt. Und dazu, dass ich vom Fahrersitz aus versuche, wenigstens das ein oder andere Auto wieder aus dem Fußraum zu angeln.

Zwack hört beim Autofahren gerne Hörspiele. Gerne öfter hintereinander das gleiche. Jetzt meine Frage: was war Ihr Negativrekord auf der Strecke München – Frankfurt? Meiner liegt bei sechseinhalb Stunden und 35 Grad. Rechnen Sie das selbst in Hörspiele um. Besser: in ein einziges Hörspiel.

Aber das ist jetzt unfair. Denn natürlich schlafen die Kinder auch beim Autofahren. Nur nie alle gleichzeitig. Zwack schläft erst jenseits der 70 km/h, aber nicht verlässlich (aber verlässlich bis zu dem Punkt, an dem er aufs Klo muss. SOFORT.). Natürlich schläft Strizzi im Stau, ist aber auf freier Strecke wach, völlig genervt von der Tatsache Kindersitz und will alle drei Minuten irgendwas, was mich zu waghalsigen Manövern verleitet. Ebenfalls selbstverständlich habe ich immer zu wenig, immer das falsche Essen dabei. Letztens habe ich sogar mein Notfall-Snickers geopfert – Strizzis Laune war ganz eindeutig ein Notfall. Es half. Bis er Snickersreste auf seiner Hand klebend bemerkte und mit dem Feuchttuch nicht abbekam. Der arme Bub.

Das einsetzende „MAMA! ES IST AUF MEINEM FINGER!“ rief Otto auf den Plan, die lautstark fand, sie habe sich jetzt lange genug rückwärts gelangweilt. (Ich stille. Ich wünschte manchmal, man könnte die Evolution ausschalten. Dann könnte ich mich nämlich trotz schreienden Babys auf etwas konzentrieren. Eine Straße zum Beispiel.)
Das wiederum nervte Strizzi, der von einem reizenden „Ruhig, Süßi-Baby“ (das hat er sich selbst ausgedacht) zu „RUUUHIIIG! ODER ICH SCHNALL MICH AB!!!“ überging, was den Zwack alarmiert aufweckte, der sich sodann mit mir über Tiefseelebewesen und Vulkane unterhalten wollte. Gleichzeitig rief die Stimme des Navis mir zu, ich hätte den sich vor mir auftürmenden Stau doch besser umfahren. (NAVIGATIONSGERÄTE! Eine ganze andere Geschichte.) Begleitmusik war nicht das Hörspiel – das hatte ich unbemerkt gekillt – sondern das sanfte *Pling* der Müdigkeitserkennung. Ich solle doch eine Pause machen. Im Stau. Scherzkeks.

Jajaja, das nächste Mal schicke ich dringend benötigtes Spielzeug und Gepäck per Kurier voraus und fahre Zug. Dann laufe ich mit den dreien die ganze Fahrzeit über durch den vollgepackten ICE und muss im Nachhinein nichtmal eine Geschichte schreiben. Das übernehmen dann alle anderen, von uns genervten Fahrgäste. Sie vielleicht. Packen Sie genug zu essen ein.

(Finden Sie es jetzt nicht auch überaus komisch, dass ich den Zwack wegen ein bisschen Kotzen auf der Rampe tatsächlich noch vor dem Mittleren Ring umzog? Nein? Immer noch nicht? Vielleicht wollen Sie mal mitfahren?)

nein,Es ist so. Der Zwack wartet sehnsüchtig auf Weihnachten. Er versucht, über das Sichvorlesenlassen von Weihnachtsbüchern, das lauthalse Singen von Weihnachtsliedern und das Einfordern von Plätzchen das Fest herbeizuzwingen. Wieso? Weil Winter cool sei, weil er auf einmal Schnee gerne habe, Ski fahren lernen wolle, blabla – kurz: er wünsche sich einen Polizeihubschrauber aus kleinem LEGO und an Weihnachten gebe es Geschenke.
Weil es Sonntagmorgen halb sechs ist, schlage ich vor, er solle schonmal anfangen, seinen Wunschzettel an das Christkind zu malen. Er wolle aber keinen Wunschzettel, nein, doof, er wolle einen Polizeihubschrauber. Ich frage, wie das Christkind ohne Wunschzettel wissen solle, was es mitbringen solle. Und dass das Christkind vielleicht der Meinung sei, er brauche unbedingt einen kratzenden Wollpulli oder ein Bibi und Tina-Hörspiel, wenn er keinen Wunschzettel male. Er schaut mich ungläubig an, einen kurzen Moment denke ich, ich habe übertrieben und er hält das Christkind nun für völlig unzurechnungsfähig. Er geht schweigend LEGO spielen und singt „O Tannenbaum“.

Später am Vormittag, Weihnachten noch immer in weiter Ferne, fragt der Zwack mit Blick auf Otto, ob er auch keinen Schnuller gehabt habe. Und wieso. Weil nämlich, der Bertl, der habe einen Schnuller gehabt. Und dann. KAM DIE SCHNULLERFEE! Und habe den Schnuller mitgenommen und dem Bertl ein GESCHENK dagelassen. EIN GESCHENK! Nämlich das große Feuerwehrauto mit den Blinkern, das diese Geräusche macht. Und nur, weil er, Zwack, nie einen Schnuller gehabt habe, habe er, Zwack, auch nie ein Geschenk von der Schnullerfee bekommen. Das sei voll unfair, eigentlich, und ob die Schnullerfee ihm jetzt nicht noch ein Geschenk bringen könne. Müsse. Einen Polizeihubschrauber aus kleinem LEGO zum Beispiel. Ich frage ihn, ob er sich daran erinnere, dass der Bertl am Anfang das Feuerwehrauto ignoriert oder angeschrien habe, weil er lieber seinen Schnuller zurückwollte und die Schnullerfee ziemlich doof fand. Hmpf.

Nachmittag. Mama, wie man sich eigentlich einen Zahn ausschlagen könne. ?! Vielleicht mit dem Skateboard, oder, Mama? Ja, weil der Paul, der habe sich jetzt einen Zahn ausgeschlagen. Mit dem Skateboard. Und der Tom aus der Vorschulgruppe, der habe auch einen Zahn verloren. Ohne Skateboard. Aber dann. KAM DIE ZAHNFEE! Und habe den Zahn mitgenommen und dem Tom ein GESCHENK dagelassen. Deswegen, wenn er sich jetzt einen Zahn ausschlüge, dann könne ihm die Zahnfee ein Geschenk bringen. Er habe ja ziemlich viele Zähne, eigentlich. Oder. Aber er habe keinen Polizeihubschrauber aus kleinem LEGO.
Der Wunsch war ziemlich dringend, an diesem Sonntag.

Am Montag aber will der Zwack auf einmal dringend ein Laserschwert. Ob er eins haben könne. Ein großes, mit so einem Knopf, das dann leuchte und Geräusche machte. Wie StarWars. Zum Kämpfen. Und dann wolle er gerne in einem Verein, in dem man Kämpfen lernt, kämpfen mit dem Laserschwert lernen, ob es einen StarWars-Verein in München gebe. Ich schlage vor, er solle das Laserschwert auf seinen Wunschzettel an das Christkind malen. Wieder ein ungläubiger Blick. Nein, doof, weil das Christkind bringe nur Frieden und er wolle aber so ein Schwert. Dann wünsche er es sich lieber zum Geburtstag. Oh Mann, so spät!

Nun denn. Bis Weihnachten ist ja noch ein bisschen Zeit.

[Epilog Strizzi auf die Kombination: Brav sein – Christkind – Geschenke: „Wenn ich Geschenke kriege, bin ich brav. Sonst mach ich Quatsch.“]