Es ist so. Ich war unterwegs. Mit Otto. Wir sind mit dem Zug gefahren. Ein bisschen Notarzt-Chaos, ein bisschen Hitze, ein bisschen Anschlusszugssprinten. Das stört Otto nicht weiter. Otto ist unglaublich. Sie beschäftigt sich die erste Stunde im Zug mit einer Breze, eine Papiertüte, zwei Servietten und der Schwerkraft. Auf ihrem Sitz. Eine weitere Stunde schläft sie. Eine dritte guckt sie den Hund hinter uns an oder klopft ans Fenster. Die Rückfahrt am nächsten Tag verläuft ähnlich spektakulär, nur minus Bahnchaos. Plus Beschäftigung mit der eigenen Trinkflasche und meiner Nase. Würden sich Zwack und Strizzi so aufführen, machte ich mir ernsthaft Sorgen.

Zwack und Strizzi übernachten bei den Großeltern. In der nächsten Nacht kommen wir zurück. Gegen halb sechs kriecht Zwack in mein Bett und erzählt, was er in den letzten zwei Tagen gegessen hat. Germknödel, der so groß war, dass er ihn nicht geschafft hat. Gummibärchen als Abendbrot-Nachtisch. Joghurt mit Erdbeerstückchen, weil Oma nicht mehr so viele Erdbeeren hatte. Dass Oma und Opa erzählt hätten, in Schweinfurt hätten sie mal ein Schnitzel gegessen, das SOOOO GROSS war. SOOOO! Und dass sie es gar nicht ganz hätten essen können. Dass es so viele Pommes gewesen wären, dass nichtmal der Strizzi sie hätte essen können. SO VIELE! SOOO GROSS! Und ob wir mal in Schweinfurt Urlaub machen könnten.

Als Strizzi aufwacht und mich sieht, sagt er: nix. Er guckt. Kuschelt sich auf meinen Schoß. Offensichtlich kuschle ich auch sein Knie. MAMA! Da habe er ein neues! schlimmes! Aua! Dann schaut er auf seine Füße und zeigt mir, wo man seinen Nagellack ausbessern müsse. Strizzi trägt gerade roten Nagellack. Erzählt bekommt Otto. Später. Die kann nix erzählen, zieht ihre Brüder aber voller Wiedersehensbegeisterung an Haaren und Nase und juchzt und törötörötörö.

Als alles Wichtige gesagt ist, machen wir Frühstück.

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Es ist so. Es wird gebacken. Die Küchenmaschine rotiert, Herr Kugel rotiert um die Küchenmaschine, Zwack und Strizzi jonglieren die Zutaten und Otto zerrt an Herrn Kugels Hosenbein, weil sie von da unten nix sieht. Ein Geburtstagskuchen muss her, ich schmelze am nächsten Tag die Schokolade dafür. Und dann. Landen in liebevoller Kleinarbeit je ein Päckchen Gummibärchen und Smarties in der Schokolade. Und in die Mitte malt der Zwack mit Zuckerschrift „ganz viel Glück“. In bunt.
Strizzi sucht Blumen im Supermarkt aus, weil das auf dem Weg liegt. Und weil auch ein Freund vom Zwack auf dem Weg liegt und Eis verschenkt, essen wir Eis. Otto isst in der Zwischenzeit die Geburtstagsblumen und als wir ihr die Reste wegnehmen, lässt sie sich nur widerwillig mit türkischer Pizza trösten.

Wir decken den Geburtstagstisch, stecken Kerzen in den Kuchen, packen gemalte Bilder ein. Was ich mir eigentlich wünschte, fragt Strizzi. Ich rede wahrscheinlich irgendwas über Gesundheit und gesunde Kinder, er unterbricht mich, Nein, was Richtiges müsse man sich wünschen, Kochsachen oder sowas. KOCHSACHEN. Aber gut, er meint es lieb, das weiß ich. Tatsächlich wünscht sich ja der Zwack einen Grill. Für mich. Für sich. Für den Balkon jedenfalls. Und für Würschtl.

Welches Lied sie eigentlich singen sollten, überlegt er noch. Es fällt ihm aber kein Geburtstagslied mit Sirenen ein und tatsächlich lassen sie es am nächsten Morgen dann auch bleiben, das Singen. Es wäre auch ein wenig früh, aber für Kuchen genau richtig. Sie pusten die Kerzen aus und dann Gummibärchen und Smarties in Schokolade zum Frühstück. Auf den Bildern sind eine Feuerwehrwache und ein Traktor, der vor dem Einpacken noch ein Schneckenhaus war und am Nachmittag ein Vulkan werden wird.

Ich verbringe den Vormittag mit Wald und Berg und See, hole die Kinder ab, noch mehr Kuchen. Dann pflanzen wir Sonnenblumen auf dem Balkon, Strizzi duscht von oben Fußgänger. Zwack erfindet für mich eine Geschichte von Darth Vader und Prinzessin Lillifee auf einem Schleimplaneten. Otto isst Balkonblumen und Blätter, kriegt dann aber seltenen Ärger, als sie Strizzis Stocksammlung annagt.

Abends lassen wir uns Essen bringen, Gulasch und Schnitzel und Salat und Kaiserschmarrn, meine Schwester kommt und bringt Blumen vom Mittelstreifen mit. Wir trinken Wein und lesen den Kindern vor, bis sie ins Bett fallen. Strizzi wünscht sich vor dem Einschlafen noch, mit mir in Urlaub zu fahren. Alleine.
Mit Otto.
Und Zwack.
Und Papa.
Nur wir. Alleine!

Ein herrlich unaufgeregter, wunderschöner Tag. Endlich vorbei, findet der Zwack leise, denn der nächste Geburtstag ist seiner. Bald. Und er hat nun einen neuen Wunsch, doch keinen Grill, sondern ein Faxgerät.

Ja, der Zwack wünscht sich ein Faxgerät. Er sagt das auch so. Faxgerät. Es klingt ganz wunderbar und geheimnisvoll und wichtig und ich habe den Verdacht, dass ich hierzu mal eine Geschichte schreiben sollte. Die faxe ich Ihnen dann. Oder Prinzessin Lillifee.

Es ist so. Quality Time. Haben Sie bestimmt schon gehört, es geistert irgendwo zwischen Vereinbarkeit und Helikoptern durch die Feuilletons und über die Spielplätze. Spielplätze – ein Hort der Quality Time. Quality Time, so die These: nicht die Menge der Zeit ist entscheidend, die man mit den eigenen Kindern verbringt, sondern die Intensität, die Qualität also. Quality, verstehn S‘.

Jetzt ist die Frage von Qualität ja auch immer eine Frage der Möglichkeit, Window of Opportunity for Quality, quasi. Also: wann kann denn diese Quality Time überhaupt stattfinden. Und ich fürchte, hier haben meine Kinder und ich unterschiedliche Auffassungen. Strizzi läutet derzeit das Window of Opportunity for Quality morgens um fünf ein. „MAAAAMAAAA! MAAAAAAAAAAAAMAAAAAAAAAAAAAA!“ tönt es aus dem Kinderzimmer. Wenn der Zwack nicht auch wach werden soll, tue ich gut daran, zu Strizzi ins Bett zu kriechen. „Ich mag Frühstück!“ Ja, eigentlich sprechen unsere Kinder mit „bitte“ und „danke“. Aber morgens um fünf ein „Wie heißt das?“ erzieherisch zu entgegnen, bringt mir nix. Außer einem hörbar verständnislos dreinschauenden Strizzi, der auf „Wie heißt das?“ lauthals und schlecht gelaunt „FRÜHSTÜCK! Oh Mann! FRÜÜÜHSTÜÜÜCK!“ antwortet.
Beim Abendessen finde ich sowas lustig. Morgens weniger. Aber weil ich bisher versäumt habe, ihm sein Frühstück so vorzuportionieren, dass er es selbst zusammenschütten kann, mache ich also Frühstück. Mit gestreiftem Löffel, eh klar. Außerdem sitzt er eh nicht gern alleine am Frühstückstisch. Sondern unterhält sich mehr oder weniger gut gelaunt. Quality Time. Wenigstens quatscht er weniger als der Zwack, der morgens gerne mal erörtert, ob man ein Feuer jetzt auspieseln kann oder nicht und wenn ja, wie. Und ob es auf dem Mars U-Boote gibt. Wenn Strizzi sich lustig unterhalten will, rülpst er erstmal kichernd. Oder weist mich darauf hin, dass draußen eine Pupsmöhre vorbeiflöge. Hihihihihi.

Egal. Sie fragen sich, wieso ich mich nicht einfach wieder ins Bett lege, spätestens, wenn der Zwack auch Frühstück hat. Habe ich versucht. Es ist aber nicht erholsam. Alle 10 Minuten brüllt es von irgendwoher oder einer kommt „ICH SAAAGS!“ angesockt. Dann lieber aufstehen. Vorlesen. LEGO bauen. U-Boote und Pupsmöhren auf dem Mars erörtern. Quality halt.
Gestern wachte Strizzi schon um viertel nach vier auf, wollte zwingend aufstehen, frühstücken und auf seine Gäste warten. Kindergeburtstagsfeier. Um sechs waren die Gäste noch immer nicht da. Meine Qualität bestand darin, Strizzi ab und zu mit einem Saftbärchen ruhig zu stellen, damit er nicht seinen Geburtstagskuchen EBEN JETZT! ALLEINE!! AUF!!!aß.

Ob natürlich eine morgenmuffelige, müde Mama überhaupt als Quality zählt oder aber Saftbärchen, weiß ich nicht. Zeit genug jedenfalls haben wir morgens und ich habe mir angewöhnt, mit den Kindern aufzustehen. Einmal haben wir morgens sogar was gebastelt. Es muss ja nicht immer Nachmittag sein.

Abends haben wir weniger Zeit. Mindestens einmal in der Woche schläft mindestens Zwack beim Abendessen ein. Will heißen, er mümmelt im Schlaf sein Käsebrot. Wir haben einen Film, in dem ich die schlafenden Kinder abwechselnd von ihren Broten abbeißen lasse. Der Film hat auch Qualität, anders. Auf dem Film sieht man übrigens auch Otto, die ausgeschlafen auf meinem Schoß sitzt und jedesmal juchzt, wenn Strizzi seinen Kopf zurückhält, kurz, bevor er in seinen Teller knallt.
Ich weiß jetzt auch nicht genau. Am Besten gehe ich jetzt schlafen. Ohne Schluss, ohne Moral, ohne Qualität, ohne nix. Wenn Sie morgens mal was basteln wollen, kommen Sie gern vorbei.

Es ist so. Ich wollte schon lange mal wieder über Essen schreiben. Eigentlich natürlich irgendwas, wo Strizzi ganze gegrillte Knoblauch-Thunfische isst. Aber das geht jetzt nicht. Weil wegen Mara. Mara geht beim Zwack in den Kindergarten, ich habe vielleicht schon von ihr erzählt, die atheistische Elfe.
Jedenfalls, Mara kommt in allen zwackschen Essens-Fragen vor. Vokabeln wie „Essen vertragen“ und Dinge wie „darf kein xy essen/ trinken“ kennt Zwack von Mara. Und jetzt sitzt Zwack beim Essen, schaut seiner dritten Dampfnudel zu, wie sie gemütlich in der Vanillesauce schwimmt und fragt, ob es stimme, dass man stürbe, wenn man zuviel esse. Das sage Mara. So eine Frage bei irgendeinem waghalsigen Kirchererbseneintopf als kreative Ich-mag-nicht-Ausrede, okay. Aber bei Dampfnudeln? Ich frage den Zwack also, ob ihm die Dampfnudeln diesmal nicht schmeckten und dass er auch einfach aufhören könne zu essen, wenn er satt sei. Nein, sagt er, Mara sage, man stürbe, wenn man zuviel esse. Ich versuche, ihm zu erklären, dass der Körper Essen brauche, weil er sonst weder Muskeln noch Energie noch sonst irgendwas Brauchbares zustande brächte. Dass es aber natürlich Essen gebe, das mehr Energie liefere und Essen, dass weniger gut Energie liefern könne. (Jaja, ich weiß. Und nein, die Dampfnudeln sind nicht aus Vollkornmehl. Aber: es gibt immer Gemüsesuppe davor.) Der Zwack überlegt und denkt und senkt eine vierte Dampfnudel in die Vanillesauce.

Das Thema war dann längere Zeit nicht mehr interessant, es ging wieder mehr um Raumschiffe und Räuber und U-Boote und Vulkane. Zwack weigert sich, mit uns in Urlaub zu fahren, weil es auf Izilien einen Vulkan gibt und er sich außerdem nicht sicher ist, was passiert, wenn die Fähre auf der Überfahrt auf ein U-Boot trifft. Oder Mama.

Und dann kommt Bertl zu Besuch und bleibt zum Abendessen, weil es zu Hause einen kreativen Eintopf  aus Hülsenfrüchten gibt und bei uns Nudeln mit Hackfleischsauce. Die Dynamik will, dass auf einmal niemand Sauce essen mag, sondern nur Nudeln mit Käse. (Nein, keine Vollkornnudeln.) Die Dynamik will auch, dass der Zwack sich einen Riesenberg Nudeln in den Mund stopft, den er kaum zu kauen vermag. Das wiederum verleitet mich, zu sagen, dass sie wahrscheinlich gleich zu Ohren wieder rauskämen, woraufhin Bertl seinen Finger in sein Ohr bohrt, um zu verkünden, dass HIER das Ohr zu Ende sei und die Nudeln deswegen nicht rauskommen könnten. Als der Zwack wieder Platz im Mund hat, röhrt er, er würde so viele Nudeln essen, weil er dann stark werde. Komm, wir essen ganz viele Nudeln, Bertl, dann werden wir gaaaanz stark!!! Oder!!!
Da guckt Bertl auf seine zweite Nudelportion ohne irgendwas mit Käse und wird ein bissl traurig. Weil das gar nicht stimme, mit dem stark werden. Weil, wenn man zuviel esse, dann würde man dick. Nein! röhrt der Zwack, man würde stark, dann verstummt er wieder einige Minuten, um den nächsten Riesenberg Nudeln zu bändigen. In dieser Zeit schaffe ich es, Bertl davon zu überzeugen, dass – zum Glück hat er diesen Wikingerpulli an – bei dieser Wikinger-Serie die dicksten Wikinger doch auch besonders stark seien. Weil, der Bertl ist nämlich gar nicht dick. Der Bertl ist vier und spielt jeden Tag nach dem Kindergarten eine Stunde Fußball. Dann reden wir endlich einfach über Wikinger.

Nach dem Essen steht der Strizzi auf, streckt seinen Bauch raus, guckt stolz und ruft, Boah, was für ein dicker Bauch das sei, der sei bestimmt auch schon vier und nicht erst fast drei! Und dass keiner so einen dicken Bauch habe wie er! Tschaka!

Jetzt hoffe ich, dass mir die Geschichte vom gegrillten Thunfisch nicht flöten geht, nur weil die Jungs auf einmal Angst vor Essen haben. Vorsichtshalber sollte es am Wochenende wieder mal Dampfnudeln geben.

Es ist so. Autofahren mit Kindern ist so eine Sache. Dabei könnte es so schön sein. Man plant die Autofahrt so, dass die Kinder spätestens auf der Autobahn einschlafen und fünf Minuten vor Ankunft wieder gut gelaunt aufwachen.

Als ich das erste Mal mit dem Zwack alleine Auto fuhr, kotzte er sofort, als ich die Rampe aus unserer Tiefgarage hochfuhr. Jetzt kommt was Lustiges: ich hielt an und ich glaube mich zu erinnern, dass ich ihn umzog. Seien Sie nachsichtig, erstes Kind, erste Autofahrt allein. Ach so – Sie finden das gar nicht lustig? Nun denn.
Es ist vieles leichter geworden, man kann mittlerweile mit Zwack und Strizzi kommunizieren. Bisweilen beschäftigen sie sich auch im Auto. Strizzi zum Beispiel baut mit Hingabe Spielzeugautostaus. Die zerfetzt es in jeder Kurve und bei jedem Anfahren, was zu großem, lautstarkem Entsetzen führt. Und dazu, dass ich vom Fahrersitz aus versuche, wenigstens das ein oder andere Auto wieder aus dem Fußraum zu angeln.

Zwack hört beim Autofahren gerne Hörspiele. Gerne öfter hintereinander das gleiche. Jetzt meine Frage: was war Ihr Negativrekord auf der Strecke München – Frankfurt? Meiner liegt bei sechseinhalb Stunden und 35 Grad. Rechnen Sie das selbst in Hörspiele um. Besser: in ein einziges Hörspiel.

Aber das ist jetzt unfair. Denn natürlich schlafen die Kinder auch beim Autofahren. Nur nie alle gleichzeitig. Zwack schläft erst jenseits der 70 km/h, aber nicht verlässlich (aber verlässlich bis zu dem Punkt, an dem er aufs Klo muss. SOFORT.). Natürlich schläft Strizzi im Stau, ist aber auf freier Strecke wach, völlig genervt von der Tatsache Kindersitz und will alle drei Minuten irgendwas, was mich zu waghalsigen Manövern verleitet. Ebenfalls selbstverständlich habe ich immer zu wenig, immer das falsche Essen dabei. Letztens habe ich sogar mein Notfall-Snickers geopfert – Strizzis Laune war ganz eindeutig ein Notfall. Es half. Bis er Snickersreste auf seiner Hand klebend bemerkte und mit dem Feuchttuch nicht abbekam. Der arme Bub.

Das einsetzende „MAMA! ES IST AUF MEINEM FINGER!“ rief Otto auf den Plan, die lautstark fand, sie habe sich jetzt lange genug rückwärts gelangweilt. (Ich stille. Ich wünschte manchmal, man könnte die Evolution ausschalten. Dann könnte ich mich nämlich trotz schreienden Babys auf etwas konzentrieren. Eine Straße zum Beispiel.)
Das wiederum nervte Strizzi, der von einem reizenden „Ruhig, Süßi-Baby“ (das hat er sich selbst ausgedacht) zu „RUUUHIIIG! ODER ICH SCHNALL MICH AB!!!“ überging, was den Zwack alarmiert aufweckte, der sich sodann mit mir über Tiefseelebewesen und Vulkane unterhalten wollte. Gleichzeitig rief die Stimme des Navis mir zu, ich hätte den sich vor mir auftürmenden Stau doch besser umfahren. (NAVIGATIONSGERÄTE! Eine ganze andere Geschichte.) Begleitmusik war nicht das Hörspiel – das hatte ich unbemerkt gekillt – sondern das sanfte *Pling* der Müdigkeitserkennung. Ich solle doch eine Pause machen. Im Stau. Scherzkeks.

Jajaja, das nächste Mal schicke ich dringend benötigtes Spielzeug und Gepäck per Kurier voraus und fahre Zug. Dann laufe ich mit den dreien die ganze Fahrzeit über durch den vollgepackten ICE und muss im Nachhinein nichtmal eine Geschichte schreiben. Das übernehmen dann alle anderen, von uns genervten Fahrgäste. Sie vielleicht. Packen Sie genug zu essen ein.

(Finden Sie es jetzt nicht auch überaus komisch, dass ich den Zwack wegen ein bisschen Kotzen auf der Rampe tatsächlich noch vor dem Mittleren Ring umzog? Nein? Immer noch nicht? Vielleicht wollen Sie mal mitfahren?)

nein,Es ist so. Der Zwack wartet sehnsüchtig auf Weihnachten. Er versucht, über das Sichvorlesenlassen von Weihnachtsbüchern, das lauthalse Singen von Weihnachtsliedern und das Einfordern von Plätzchen das Fest herbeizuzwingen. Wieso? Weil Winter cool sei, weil er auf einmal Schnee gerne habe, Ski fahren lernen wolle, blabla – kurz: er wünsche sich einen Polizeihubschrauber aus kleinem LEGO und an Weihnachten gebe es Geschenke.
Weil es Sonntagmorgen halb sechs ist, schlage ich vor, er solle schonmal anfangen, seinen Wunschzettel an das Christkind zu malen. Er wolle aber keinen Wunschzettel, nein, doof, er wolle einen Polizeihubschrauber. Ich frage, wie das Christkind ohne Wunschzettel wissen solle, was es mitbringen solle. Und dass das Christkind vielleicht der Meinung sei, er brauche unbedingt einen kratzenden Wollpulli oder ein Bibi und Tina-Hörspiel, wenn er keinen Wunschzettel male. Er schaut mich ungläubig an, einen kurzen Moment denke ich, ich habe übertrieben und er hält das Christkind nun für völlig unzurechnungsfähig. Er geht schweigend LEGO spielen und singt „O Tannenbaum“.

Später am Vormittag, Weihnachten noch immer in weiter Ferne, fragt der Zwack mit Blick auf Otto, ob er auch keinen Schnuller gehabt habe. Und wieso. Weil nämlich, der Bertl, der habe einen Schnuller gehabt. Und dann. KAM DIE SCHNULLERFEE! Und habe den Schnuller mitgenommen und dem Bertl ein GESCHENK dagelassen. EIN GESCHENK! Nämlich das große Feuerwehrauto mit den Blinkern, das diese Geräusche macht. Und nur, weil er, Zwack, nie einen Schnuller gehabt habe, habe er, Zwack, auch nie ein Geschenk von der Schnullerfee bekommen. Das sei voll unfair, eigentlich, und ob die Schnullerfee ihm jetzt nicht noch ein Geschenk bringen könne. Müsse. Einen Polizeihubschrauber aus kleinem LEGO zum Beispiel. Ich frage ihn, ob er sich daran erinnere, dass der Bertl am Anfang das Feuerwehrauto ignoriert oder angeschrien habe, weil er lieber seinen Schnuller zurückwollte und die Schnullerfee ziemlich doof fand. Hmpf.

Nachmittag. Mama, wie man sich eigentlich einen Zahn ausschlagen könne. ?! Vielleicht mit dem Skateboard, oder, Mama? Ja, weil der Paul, der habe sich jetzt einen Zahn ausgeschlagen. Mit dem Skateboard. Und der Tom aus der Vorschulgruppe, der habe auch einen Zahn verloren. Ohne Skateboard. Aber dann. KAM DIE ZAHNFEE! Und habe den Zahn mitgenommen und dem Tom ein GESCHENK dagelassen. Deswegen, wenn er sich jetzt einen Zahn ausschlüge, dann könne ihm die Zahnfee ein Geschenk bringen. Er habe ja ziemlich viele Zähne, eigentlich. Oder. Aber er habe keinen Polizeihubschrauber aus kleinem LEGO.
Der Wunsch war ziemlich dringend, an diesem Sonntag.

Am Montag aber will der Zwack auf einmal dringend ein Laserschwert. Ob er eins haben könne. Ein großes, mit so einem Knopf, das dann leuchte und Geräusche machte. Wie StarWars. Zum Kämpfen. Und dann wolle er gerne in einem Verein, in dem man Kämpfen lernt, kämpfen mit dem Laserschwert lernen, ob es einen StarWars-Verein in München gebe. Ich schlage vor, er solle das Laserschwert auf seinen Wunschzettel an das Christkind malen. Wieder ein ungläubiger Blick. Nein, doof, weil das Christkind bringe nur Frieden und er wolle aber so ein Schwert. Dann wünsche er es sich lieber zum Geburtstag. Oh Mann, so spät!

Nun denn. Bis Weihnachten ist ja noch ein bisschen Zeit.

[Epilog Strizzi auf die Kombination: Brav sein – Christkind – Geschenke: „Wenn ich Geschenke kriege, bin ich brav. Sonst mach ich Quatsch.“]

 

Es ist so. Fenchelrisotto, sagt der Zwack, ob wir mal Fenchelrisotto kochen könnten. Ich habe wahrscheinlich ähnlich verwirrt geguckt, wie Sie gerade, mit dem Unterschied, dass ich weiß – und nicht nur vermute –, dass der Zwack Fenchel derzeit nicht sonderlich schätzt.

Das Fenchelrisotto stammt aus einem Buch beziehungsweise Hörspiel, in dem ein kleiner Freuerdrache mit seinen Freunden mittels Laserphaser zu den Dinosauriern reist, um einen Tyrannosaurus Rex zu treffen. Seine Freunde sind ein Stachelschwein und ein Fressdrache, der Vegetarier ist, weil Fleischallergie, was seine Eltern nicht wirklich goutieren („Schlimm genug, dass unser Sohn VEGETARIST ist!“). Sie finden einen Tyrannosaurus Rex, der – im Gegensatz zum Fressdrachen – ein nicht-geouteter Vegetarier ist. Deswegen hat er furchtbare Angst vor den anderen T-Rex-Echsen und davor, aufzufliegen. Und – Sie ahnen es – er kocht. Provenzalisch, kulinarisch – vegetarisch. So heißt es jedenfalls in dem Lied, das zu dieser Geschichte gehört. Keine Kinderbuchreihe ohne Musik-CD. Der vegetarische T-Rex kocht auch für das Sommerfest der Tyrannos und Tyrannas (so jedenfalls werden die Dinos vom Ober-Dino begrüßt) und zwar Mettbällchen (auch vegetarisch, aber gut getarnt), Rote-Bete-Salat und: Fenchelrisotto.

Auf dem Sommerfest findet dann das offizielle Outing statt und wenn sie nicht gestorben sind – äh, egal.
Ach so – natürlich auch keine Kinderbuchreihe ohne Kochbuch. Es erscheint logisch, dass die Kuh, deren Kochbuch wir im Schrank haben, vegetarisch kocht. Das Dino-Drachen-Kochbuch ist auch vegetarisch. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich mag den Drachen und seine Freunde, die Bücher und Geschichten. Aber ich freue mich auch, dass wir langsam in das Pumuckl-Alter kommen. Wo sich jemand über Schokolade und Limo freut. Zwar auch mal Bauchweh davon kriegt, deswegen aber noch lange kein Fenchelrisotto herbeisehnt. (Ich übrigens mag Fenchel. Auch im Risotto. Der Zwack mag als Risotto nix, was er sonst gerne vielleicht gerne äße, das ist zurzeit ohnehin eher spontaner Natur.)

Aber – es gibt auch Lichtblicke beim Feuerdrachen. Die Wetterhexe zum Beispiel, deren Lied sich folgendermaßen singt: „Lebe böse mit Getöse/ im Leben ist nix Gutes drin! Gut sein, das ist völlig öde/ böse ist der Lebenssinn! (…) Ja, Kleiner, so ist das in echt! (…)“ Nicht, dass ich das so unterschreiben würde, aber Strizzi findet das lustig. Ob es der Reim böse – Getöse ist, oder die Tatsache, dass er hier seinen Freifahrtschein fürs Frechsein hört, weiß ich nicht. Aber er hört auch bei den Dinosauriern nicht in erster Linie „Fenchelrisotto“, sondern die T-Rexe, die hungrig „METT!BÄLL!CHEN! METT!BÄLL!CHEN!“ skandieren und gibt das gerne zum Besten, wenn er Hunger hat. Strizzi findet auch Vegetarier lustig. „Der Dino esst kein Fleisch! Hihihi.“ Er hingegen verdrückt gerne mal drei Portionen Rote-Bete-Salat. Wenn es ihm zu mühsam ist, die Erbsen aus den Nudeln zu pulen.

Ich weiß gar nicht genau, wieso ich das schreibe. Jedenfalls habe ich jetzt Lust auf Schokolade. Und: wovon ernähren sich eigentlich Stachelschweine?

Lieber Herr Kärcher,

bisher sind wir nicht zusammengekommen. Mein Tischameisenbären-StartUp wollten Sie seinerzeit nicht unterstützen – Schwamm drüber. Seit vier Jahren versagen Sie zu Muttertag, dabei erwarte ich nichts sehnlicher als ein Gerät aus Ihrem Hause, das Tisch, Kind und Boden gleichzeitig sauber kriegt. Sie bringen lieber einen neuen Werkstattsauger auf den Markt – geschenkt.

Jetzt aber habe ich eine Aufgabe, deren Lösung ich hiermit gerne bestellen möchte. Zwack hat Geburtstag und wünscht sich einen Roboter. Einen Roboter, der Kinderspielzeug aufhebt, sortiert, aufräumt, anschließend saugt und den Boden sauber schießt. (Ich musste erst bei „schießen“ an Sie denken, interessant, nicht wahr? Sowas können Sie doch, vorortweise, erzählt man sich.) Lämpchen soll er haben und piepsen darf er auch. Unbedingt. Anleihen bei Spiderman und Dinosauriern oder Drachen erwünscht.

Gerne darf er auch Retter in höchster kindlicher Not sein und auf „MAMAAAAAAAAAAA! KOMM BITTE! KOMM SCHNELL!!!!“ reagieren. Zum Beispiel nachts um vier, wenn Strizzi lauthals daran verzweifelt, ins elterliche Schlafzimmer umziehen zu wollen. Dann dürfte der Roboter die Gründe der Verzweiflung ausräumen. Also für den Strizzi Fußball, Puppe, Gorilla, Schaf, Lieblingsauto, Gutenachtbuch und Trinkflasche transportieren. Das schafft er alleine nämlich sonst nicht. (Gerne darf er – sobald Strizzi wieder eingeschlafen ist – diese Dinge per Aufräumfunktion auch aus meinem Bett entfernen.)

Und weil ich Sie schon geifernd fragen höre, nein, Fenster putzen muss er nicht und die Zeitung hole ich auch selbst. Über eine grüne-Daumen-Funktion können wir uns unterhalten und: er könnte uns manchmal noch Fragen beantworten. Zum Beispiel, wieso man zwei Nasenlöcher hat. Das ist doch jetzt nicht zuviel verlangt, oder? Na bitte. Der Geburtstag ist bald.  Einpacken kann ich das Ding selber.

Vielen Dank.

Hochachtungsvoll,

glitzer

 

Es ist so. Wie erinnern Sie eigentlich Ihre Kindergartenzeit? Geben Sie’s zu: es war eine gute Zeit, alles stimmig verklärt.
In der Tat aber ist Kindergarten erstmal eines: anstrengend. Der Zwack jedenfalls ist jeden Nachmittag völlig fertig, wenn er aus dem Kindergarten kommt. Der Zwack nämlich ist ein Schwamm. Er saugt alles auf, muss alles aufsaugen. Da kommt er nach Hause, den Kopf voller neuer Dinge und Fragen und Ausdrücke und war im Kindergarten zu aufgeregt zu essen und an Schlaf nicht zu denken. SCHLAF?! Nein, zur Entspannung gehe er nicht, die machten da womöglich die Tür zu und dann und überhaupt. Kurz: man könne etwas versäumen.

Am Anfang schlief er also im Bauraum ein oder im Fahrradanhänger, sobald ich ihn abgeholt hatte. Oder spätestens während des Abendessens, das  ich aber in letzter Zeit extra früh veranstaltete. Das hat sich gelegt, er schläft nur noch ab und zu ein, muss aber nach dem Kindergarten essen. ESSEN. UNGLAUBLICH VIEL ESSEN. Wenn wir nach dem Kindergarten auf dem Spielplatz sind oder Freunde besuchen, bin ich mittlerweile ausgestattet. Und abgehärtet gegen die Blicke anderer Mütter. Zum Beispiel den der Mutter, die neulich Pfannkuchen auf dem Spielplatz dabei hatte. Der Zwack hat einfach mal sieben gegessen. Und dann gefragt, ob er noch was zu essen haben könne. Zum Glück kannten wir die.

Jetzt gibt es natürlich auch Nachmittage, an denen ich ihn abhole, er müde ist, der Hunger unsättlich und dann diese Dramen: der Berti habe gesagt, er sei nicht mehr sein Freund. Oder er habe dem Paul gesagt, er sei nicht mehr sein Freund. Er habe nicht mehr mitspielen dürfen, deswegen seien alle nicht mehr seine Freunde oder weil alle nicht mehr seine Freunde waren, aber dann doch der Salif aber dann doch aber dann nicht und dann habe man eine Falle für Nathan gebaut. Tägliche Dramen. DRAMEN! Unauflösbar.

Es wird aber besser. Mittlerweile habe ich mich auf den Hunger eingestellt (Strizzi übrigens zieht einfach mit und isst auch mehr Pfannkuchen als Zwacks Freunde), wir schreiben Nicht-Mehr-Wieder-Freunden Nachrichten mit vielen Autos, der Zwack verfügt über keine einzige Hose mit intakten Knien mehr, hat Lieblingspullis mit eindeutigen Peer-Trend-Motiven und hat sein erstes Freundebuch mit nach Hause bekommen.

Diese Woche habe ich Urlaub. Bis vor Kurzem die zwacksche Forderung kam, man möge ihn doch bitte ganzganzganz früh abholen, am Besten vor dem Mittagessen. Heute habe ich gefragt, ob ich ihn früher abholen solle. Auf keinen Fall! Und auch, dass ich diese Woche mit ihm und den Strizzi STATT Kindergarten in den Zoo wolle, halte er für keine gute Idee. Und ob wir jetzt schnell in den Kindergarten fahren könnten.

Manchmal schafft er es, bis nach dem Abendessen wach zu bleiben. Angekommen. Mitten in der verklärten Kindheit. Wie beneidenswert.

 

(Ich verkläre das jetzt natürlich auch. Im Allgemeinen stellt der Kindergarten natürlich das Ende der Erziehung dar. Aber dazu habe ich ja schon in Ansätzen beschrieben.)

Es ist so. Es wird gefragt.

Zum Beispiel kurz nach Ostern, kurz nach sechs.

Ob Gott eigentlich auch tot sein könne. Und ob Gott, wenn er kein Mensch sei, dann in den Menschen drin sei. Und wie.

Ich frage vorsichtshalber zurück, ob er sich mit anderen Kindern über Gott unterhält und wenn ja, mit wem. Man will ja nicht riskieren, dass eine Fundamentalisten-Elfe sich durch protestantische Lästereien provoziert fühlt. Im Gegensatz zur ersten Frage (ich muss gestehen, Jesus samt der Dreifaltigkeit lasse ich mal außen vor, morgen ist ja auch noch ein Frühstück) vermische ich beim zweiten Fragekomplex altes und neues Testament, 10 Gebote und Bergpredigt, als wir von der Idee von und Glaube an Gott zum Handeln kommen. Es scheint einleuchtend genug. Außerdem klebt der Honig an den Fingern und lenkt von den großen Fragen der Menschheit ab.

Aber. Wie das denn jetzt eigentlich sei mit den Kanonen, weil die Horties und der Paul, die sagen, Kanonen seien gut. Zum Beispiel, wenn sie gar keine Menschen kaputt machten, sondern nur Häuser. Und weil die Ritter die Kanonen haben.  Und wenn wir eine Kanone hätten. Und wer eigentlich die Ritter seien. Und wieso die Mama vom Bertl erzählt habe, sie seien auf einer Kanone gesessen, in England, aber da sei doch gar kein Krieg, habe ich gesagt. Wieso. Und wie man mit den Händen eigentlich eine Pistole mache, weil er mache immer so (mit dem Zeigefinger), aber einer von den Horties, der mache immer so (mit Zeige- und Mittelfinger).

Und überhaupt, wie komme der Osterhase eigentlich in unser Wohnzimmer.

Dann ist Kindergarten und Blumen kaufen und Strizzi abholen und Eis essen und Spielplatz und erster Sonnenbrand und überhaupt viel Frühling. Erschöpfend schön.

Die letzte Frage des Tages, der Zwack schläft fast auf dem Küchenboden: „Mama, was ist eigentlich StarWurst?“

Es bleibt viel zu ergründen.