Ich wurde gefragt, wovon die malische Küche so beeinflusst sei. “Hirse“ war meine spontane, wenn auch enttäuschende Antwort. Und natürlich ist das nicht ganz richtig. Es gibt auch Reis, Erdnüsse und Fisch, Trockenfisch, Schaf und Couscous und alles in mehr oder weniger Bandbreite.
Zur Zeit läuft die Stadt voll mit Schafen. Die meisten haben noch zehn Tage zu leben, dann ist Opferfest. Tabaski. “Fête du mouton”, obwohl sie alle geschlachtet werden, die Schafe. Bis dahin werden sie fragwürdig transportiert: in Dutzenden auf den Dächern der Sammeltaxis, in Minibussen, oder einzeln verschnürt in Fahrradkörben beziehungsweise in den Armen von Mofabeifahrern. Schafe gibt es jede Menge, also. Von ihnen erzähle ich ein ander Mal mehr.

Hätte man mich in meinem Morgengrant gefragt, ich hätte geantwortet, dass es  n i c h t s  gebe. Nur Nescafébrösel, die zu schwarzer Plörre werden, damit man was Warmes im Magen hat. Ich hätte allerdings betont, froh zu sein, dass ich Kaffee schwarz trinke, um nicht noch Milchpulverklumpen aufgiessen zu müssen. Schliesslich kann ich auch im Grant positiv denken.

Vor Kurzem hatte ich überlegt, Brezen zu backen. Ich mag Brezen. Ausserdem hatte ich Weisswürste importiert, samt Senf. Und was soll das sein, ein Weisswurstfrühstück ohne Brezen? Also. Ein Weisswurstfrühstück mit Brezen und Senf und wahlweise den Münchner Gschichten, Monaco Franze oder Kir Royal. Ich legte die Idee einem Bekannten dar, der daraufhin meinte, ich solle gefälligst keine bayerische Parallelgesellschaft bilden, sondern mich ordentlich integrieren. Ich reagierte mit Grant und erzählte ihm von Nescafébröseln. Er entgegnete, ich solle mich nicht so anstellen, guter Kaffee sei kein Menschenrecht und er müsse auch welchen in Ostberlin trinken.

Seufzend schickte ich mich an, mich zu integrieren. Ich stapfte ins Touareg-Kulturzentrum. Nein, das hat nichts mit VW oder zwielichtigen Geschäften zu tun, sondern mit Kamelen, Wüste, Nomadismus, Aufstand, extrovertierten Kopfbedeckungen und Separationsbewegungen. Das kommt ihnen bayerisch vor? Ja. Es kam noch besser: serviert wurde eine Art Gulasch mit Hefeknödeln, die mich sehr an die meiner Oma erinnerten. Soviel Bayern kriegt Ostberlin niemals hin. Darauf einen Nescafé.

Fühlen Sie sich manchmal auch wie in einer Karl-Valentin-Nummer, die nie jemand fertig schreibt?

Ich hatte Ihnen von meiner Arbeitsgenehmigung erzählt. Beziehungsweise davon, dass ich keine besitze, weil mein Arbeitsvertrag von der mehr oder minder zuständigen Behörde bisher nicht abgestempelt wurde. Hinzu kommt, dass man für eine Arbeitsgenehmigung ein gültiges Dauervisum braucht. Dieses Dauervisum kann bekommen, wer entweder über eine Arbeitsgenehmigung verfügt (siehe oben) oder einen Dienstpass besitzt (was ich aus naheliegenden Gründen nicht tue, ich stehe nirgendwo im Dienst, wie Sie wissen) oder wer mit einem Dienstpassinhaber verheiratet ist (was ich nicht zuletzt zu diesem Zwecke seit Kurzem bin). Wenn man mit einem Dienstpassinhaber verheiratet ist, kann man einen Dienstpass beantragen, mit dessen Hilfe man ein Visum erhalten kann.

Zur Beantragung eines Dienstpasses muss man sich in Berlin einfinden, um dort seinen Fingerabdruck zu hinterlassen. Man möchte meinen, ich hätte während meiner Zeit in Berlin dort genügend Fingeragbdrücke hinterlassen, aber beliebige Fingerabdrücke zählen nicht. Interessant allerdings wäre gewesen, man hätte über diese Tatsache Bescheid gewusst, so lange man noch in Berlin war. Als ich aber noch in Berlin weilte, sagte man mir, ich könne keinen Dienstpass beantragen, weil ich nirgendwo im Dienst stehe, ich könne aber vor Ort um eine Arbeitsgenehmigung ersuchen, mit deren Hilfe ich ein Visum erlangen könne, was wiederum einen Dienstpass unnötig mache.

Bestandsaufnahme: für ein Visum braucht man eine Arbeitsgenehmigung, für eine Arbeitsgenehmigung einen Arbeitsvertrag, für einen Arbeitsvertrag braucht man ein Visum.

Das konnte vorher niemand wissen. Und zu allem Überfluss lebt Karl Valentin nicht mehr.